Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Dienstag, 11. Mai 2010

... und führet mich zum frischen Wasser.







Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines namens Willen.


Welch eine Freude! Er führte mich zum frischen Wasser, durch grünende Dünen, an einem Kaffee mit Pflaumenkuchen vorbei... und ich dankte der inneren Stimme, die einfach sagte: los jetzt.

Die Kälte war einer wohligen Bestrahlung gewichen, der Himmel blau, der Wind lau. Also ideal für einen langen ausgiebigen Spaziergang, der mich ans große weite Meer führte, 1 Stunde am Kniepsand, über das Quermarkenfeuer zurück zur Vogelkoje und dann nach Nebel. Drei Stunden war ich draußen.

Faszinierend meine Pause auf einer Sonnenbank. Meine Augen hielt ich geschlossen, die Sonne lud mich – ähnlich einem Akku – auf, ganz langsam, aber nachhaltig. Ich lauschte der Stille: kein Auto, kein Flugzeug, keine Rasenmäher, keine Stimmen. Nur der Wind in den Bäumen und ganz hinten im Hintergrund vermischte sich mit diesem Rauschen das Rauschen des Meeres (fast schemenhaft, ganz weit hinten und doch wahrnehmbar). Zwischendurch das Kreischen einer Möwe, das böse Zischen eines Graugänserichs, der seine Familie gegen eine große schwarze Krähe verteidigt, ein paar Enten und wieder ne Möwe.... Der Hahn der Vogelkoje meldete sich zu Wort, dann wieder nichts, gar nichts, kein Auto, kein Mensch, kein Flugzeug, kein Rasenmäher... dann – meine Augen waren immer noch zu – Fahrräder, die an meiner Bank vorbeifahren und entfernte Stimmen.

Als ich meine Augen öffnete, sah ich in die Äste einer sehr alten hohen Kiefer und in einen strahlend azurblauen Himmel und wusste, ich habe auch Urlaub.

Diese Nachmittage sind es, die meinen Inselsommer bereichern. Sie entschleunigen, zentrieren und machen dankbar und zufrieden.



Da sitz ich in meinem Wohnclo ... so sieht das grad aus, nicht besonders aufgeräumt aber gemütlich mit den herrlichen Rosen von Helen ....
und kriege heute mal meinen Hintern nicht hoch.
Draußen scheint die Sonne, aber der Wind ist bitterkalt. Es will nicht Frühling werden, mutet eher an wie ein warmer Wintertag und es verdrießt mich immer mehr.... Schade eigentlich, denn unsere Gäste erzählen immer, dass es kein kaltes und schlechtes Wetter gibt, nur die falsche Kleidung. Wie schon weiland mein Großvati sagte.

Ich finde, es muss auch mal Tage geben dürfen, an denen ich einfach nur "abhänge", chille in Neudeutsch....Soll ich jetzt nicht doch die Stöcke nehmen und zum Strand laufen?... aber da ist der Wind noch kälter. Oder mit dem Rad nach Nebel und Norddorf... Ja und dann? Oder aber ich jogge, dann wird mir von selber warm und ich bin anschließend noch stolz auf mich.

Diese Überlegungen kenne ich von München, Mrs. Innere Schweinehündin lässt grüßen.
Und wo ich sie jetzt formuliere, finde ich sie schon wieder ziemlich witzig... so offensichtlich und es braucht doch nur einen winzig kleinen Tritt in den Allerwertesten, oderrrrr?

Hier im Hotel läuft alles nach Plan. Der Chef hatte uns für drei Tage das Haus anvertraut und ist aufs Festland gefahren. Zwei alte Frauen (Wiltrud,56 und ich) und zwei Jung(e)Köche schmissen den Laden - und - es - hat - Spaß - gemacht.
Was wäre, wenn wir gemeinsam eine Pension / ein kleines Hotel hätten? Hier können wir üben und schauen, was alles dazu gehört... Funktioniert die Mangel.... warum steht sie jetzt. In welcher Reihenfolge sollte sinnvollerweise die Wäsche gewaschen werden, wie feucht muss sie zum Mangeln sein? Wie ist das beste System für ein effizientes Wäsche-management? Und... warum kamen die Gäste für die FeWo nicht?... Der Wellnessbereich wurde einmal benutzt, klar: Wischen und Spritzer weg, neue Handtücher rein. Haben wir an die Bestellungen gedacht? .... ich glaube, nach der Saison könnten wir das Haus alleine managen. Und bräuchten nur noch die halbe Zeit.

Es ist toll festzustellen, dass es auch im hohen Rentenalter noch einen Heidenspaß macht, Lösungen zu finden, die besten Wege und Prozesse zu definieren und zufrieden mit getaner Arbeit zu sein.... auch wenn wir nicht im 5*** Haus sind, sondern unseres auf 3-4 bringen wollen. Das ist schwerer als die 5 zu halten.

Dann werde ich mal joggen gehen. Tschüß denn