Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Sonntag, 31. Mai 2020

Zieh Dir doch mal ihre Schuhe an....



"Ich frage mich immer, wie es mir in der selben Situation ginge" , sagte meine Schwester heute am Telefon.  - Der Heilige Geist wurde seiner Pfingsten-Aufgabe gerecht.

Seit vielen Jahren denke ich: mit 85 gesund sterben.  Dann muss ich mich gar nicht beschäftigen mit Siechen und immer älter, steinalt werden, abhängig von der Hilfe anderer. 

Will sagen: es fällt mir sehr schwer, mich einzulassen in das Experiment, aus den Schuhen meiner 94 jährigen Mutter die Welt und das Leben zu sehen.

Jetzt, heute, konfrontiert mich meine Schwester mit dem Satz: "Ich stelle mich immer mal in die Schuhe unserer Mutter"... dann wisse sie, wie es ihr geht und warum sie so und nicht anders leben kann.

Ich kann nicht mehr richtig sehen, alles ist verschwommen, nur unten, wenn ich ganz tief nach unten schaue, sehe ich etwas. Meine Auszüge kann ich nicht mehr lesen. Ich kann mein Leben nicht mehr kontrollieren, angewiesen auf Hermann, der das noch lesen kann. Ich kann nicht mehr richtig alleine stehen. Ich vergesse alles... also, das was er mir vor ner halben Stunde gesagt hat. Isch schlafe mich gut und mache mir Sorgen, meine Ängste werden immer mehr. Und... ich brauche die Windelhosen.

Ich werde schnell nervös, ängstlich und dann auch wütend. Ich kann dann nicht mehr steuern, was ich sage. Und meine ganze Wut landete in Worten, die mir früher nie über die Lippen gekommen wären. Ich schimpfe und bin unleidlich, weil ich dieses Leben so eigentlich gar nicht wollte. Abends ins Bett gehen und morgens feststellen: ich bin ja tot. DAS wollte ich. Klappt nicht.  Und gehen... so selbstbestimmt... das kann ich auch nicht. 
Tja, und dann ist da Hermann, der sich ganz wunderbar um nicht kümmert... 24 Stunden um mich herum ist und mir das Gefühl gibt: Du bist nicht allein. Der braucht mich wie die Luft zum Atmen. Und ich brauche ihn wie die Brille zum Leben. Und so ist alles doch gut.
Wenn ich schon jetzt noch leben muss, dann ist dieses Form für mich die beste.



Ja, ich verstehe jetzt besser.  Und möchte nicht tauschen mit meiner Mutter. 









Samstag, 30. Mai 2020

Ich möcht' nicht mehr mit Dir kämpfen....

Ich möcht nicht mehr mit Dir kämpfen,  ich will mich nicht mehr mit Dir auseinandersetzen. Ich will, dass es Dir gut geht... und Du entscheidest, wo und wie das ist.

Uff.... Es ist schwer, fast unmenschlich, sich von seiner Mutter zu verabschieden. Sie lebt noch. Sie lebt mit ihrem Freund, der nicht unser Freund ist. Sie lebt mit einem Mann, der sie braucht wie die Luft zum Atmen, den sie braucht wie die Brille zu sehen.  Sie lebt mit einem Mann, der sich zur Aufgabe gemacht hat, sie bis zu ihrem Tod zu begleiten... zu pflegen. Das hat er für sich  oder der liebe Gott für ihn bestimmt und sie damit in seinen Bann gezogen. "Ich brauche Dich, Du kannst jetzt nicht sterben. Ich muss für Dich leben, das hat mir der liebe Gott aufgegeben."  Das alles klingt rührend und ist es auch, wenn man es von außen und ganz unvoreingenommen und neutral betrachtet. Eine rührende Lebens-und vielleicht auch Liebesgeschichte. Aber auch eine Geschichte von Abhängigkeit, psychischen Krankheiten und Manipulation. Ein Geschichte von Ausgrenzen und Verurteilen.

Meine Mutter wird jeden Tag ein bisschen dementer, in ihrem 94. Jahr, ein kleines bisschen aggressiver. Und lebt jetzt im Haus ihres Freundes. Er ist 80, mit diversen schlimmen Krankheits-Diagnosen, auch nicht wirklich fit. Schon vor 8 Jahren hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Christa vor den Töchtern, die so gar nicht barmherzig schienen, zu beschützen. So etwas spaltet und tut weh. Ist übergriffig und hinterlässt Spuren.

Wir als Töchter wollten wenigstens ihre eigene Behausung im Stift aufrecht erhalten... als Backup. Als kleines Restzeichen von Unabhängigkeit. Das nehmen sie uns übel. Hermann will sie ganz. Und will die 458 Euro sparen... die könnten sie ja noch ausgeben. Wofür? Und Mutti? Kann nur abhängig. Obwohl ihr Mantra für uns immer war: macht Euch bloß nicht von einem Mann abhängig. Ja, wir lernten und beherzigten unsere Lektion.  Unabhängig bis in die Tod.

Ich sitze 1000 km entfernt, spüre, dass  Mutter für mich schon lang nicht mehr "meine Mutter" ist. Genau so wie ich nicht mehr "ihre Sigrid" war, als sie mich vor einem ihr nicht genehmen Freund bewahren wollte. Sie ist "Hermanns Frau",  mir fremd geworden, von Jahr zu Jahr mehr, Hermanns Einfluss wurde immer größer, sie gab ihm den Raum... weil sie sich nicht wehren konnte. "Er hat dann schlechte Laune und ist böse. Als Kind wurde ihm ja böse mitgespielt...."

Ich verstehe sie nicht mehr. Ich kenne sie nicht mehr. Ich muss mich von ihr verabschieden. Wie mache ich das? Wie verabschiede ich mich von meiner Mutter, an die ich nicht mehr heran komme?
Von der ich als Tochter natürlich möchte, dass es ihr gut geht. Mir aber Glaube, Mut und Gottvertrauen fehlt, sie so ganz in der Obhut dieses kleinstbürgerlichen Lebens zu lassen und darauf  zu vertrauen, dass alles schon gut sein wird.

Ich will nicht mehr argumentieren, ich will nicht mehr kämpfen. Ich will aber auch nicht mehr das Gefühl haben, abgewiesen zu werden.  Sie hat sich schon lange  für Hermann entschieden. Nicht allein sein, umsorgt sein. Und da ist alle Kleinbürgerlichkeit völlig egal. Äußerlichkeiten, wie sie früher für sie lebensbestimmend waren, gelten schon lange nicht mehr.

Ich bin wütend, weil sie uns verlassen hat. Ich bin traurig, weil wir ihr nicht  mehr wichtig  zu sein scheinen.  Ich bin entsetzt, dass ich sie nicht einfach loslassen kann.  Loslassen im Frieden und in der Freude, dass es ihr jetzt mit Hermann in seinem Häuschen mit der pflegenden Olga gut geht.

Ich habe Angst vor der Zeit, in der sie ihrem Ende zugeht, weil ich nicht weiß, ob Hermann uns teilhaben lassen wird an ihrem Gehen.
Ich habe Angst, mit Hermann zu streiten um die Urne unserer Mutter, die mal im Familiengrab beigesetzt werden soll - 1000 km weit weg von ihm.

Heute raubt es mir den Schlaf und die Ruhe. Mich quält der Gedanke, irgendwann nicht STOP gesagt zu haben und selber den Pflegehut aufgesetzt zu haben. Irgendwann eine Bitte überhört zu haben. Sie wollte nie, dass ihre Töchter sie versorgen. Unabhängig bis in den Tod  - von den Töchtern.

DAS muss ich akzeptieren und hinnehmen. Für mich stirbt sie jeden Tag ein kleines Bisschen. Loslassen ist schwer. Nicht mehr kämpfen und hinnehmen müssen  macht mich wütend.  Abschied nehmen lähmt mich. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn sie wirklich nicht mehr da ist. Ich weiß nicht wie es ist, sie einfach nur zu lieben.

Heute möchte einfach nur nicht mehr mit Dir kämpfen. Vielleicht ist es die Liebe, die wir Beiden brauchen, in dem ich einfach nur annehme, dass es so ist, wie es ist.










Samstag, 23. Mai 2020

"So langsam kommt die Depri..."

"So langsam werde ich depressiv", sagte Freundin M  aus München heute im Telefonat.
Seit Mitte März sitzt sie im Home-Office, ist dort fleissig und hält sich ganz diszipliniert an die Regeln - an alle Regeln, die in Bayern mit dem Corona-Virus einher gehen. Keine Umarmungen, keine Besuche von Freunden, weder sie bei ihnen noch diese bei ihr. Keine Treffen im Park mit Freundes-Gruppen.  Bisher war sie noch nicht im Biergarten.
Depressiv machen nicht die Regeln während der akuten Krise, sondern die Frage, ob das Leben mit den Regeln, die nun auch auf Amrum gelten -  Abstand von 1 Meter fünfzig, Alltagsmasken in geschlossenen Räumen (beim Einkaufen, in Restaurants etc.)  - künftig aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Werden wir von jetzt ab immer im Abstand leben, wird das Standard. Werden wir vergessen, wie es ist, zu umarmen oder umarmt zu werden? Wird 1 Meter fünfzig künftig der Standard-Abstand, die neue persönliche Intimsphäre?

"Werde ich bis zur Rente im HomeOffice sitzen?" Ihre Arbeitgeber hat die Bürogebäude, schon lange vor Corona verkauft und plante Umzüge. HomeOffice als Chance, Kosten zu sparen?  "Und - wer zahlt den Mehrverbrauch an Strom, wenn ich den ganzen Tag am Rechner sitze? Ich brauche mehr Heizung , Wasser, Klo-Papier?"

Früher machten wir Witze darüber, dass wir, wenn wir den ganze Tag ... Woche für Woche... im Büro verbringen, Heizung, Wasser und Klo-Papier sparen, dass wir bestens organisiert sind, uns um nix kümmern müssen und auch noch versorgt dank der Kantine. Diese Zeiten sind erst einmal vorbei.

Heute morgen wachte ich auf und musste erst einmal lange überlegen, was für ein Wochentag heute ist.  Nun kann jeder sagen "Mei, die Rentnerin hat ja jeden Tag Sonntag und da ist es Wurscht." Es fehlt mir die Orientierung, die Aufgabe, die Termine... und ja, auch die Verabredungen. Es gibt die Fixpunkte: Mit Hund gehen, Haushalt. manchmal Ehrenamt in der Kirche, HomeOffice für die Kirche. Dann wieder mit Hund raus und Essen - kochen oder kaufen. Ach ja: Fritzi, meine Enkelin wacht morgens auf und sagt: "Oma...". Das führt dann zu einem FaceTime Anruf. Ein wahres Highlight im Rentner-Alltag zu Corona-Zeiten. Ich freue mich, dass meine Enkelin mich wenigstens per Mattscheibe kennt. Beim Telefonieren mit Festnetz sagte sie gestern: Hallo Oma und winkte. Unsere Kinder und Enkel werden wunderbar groß mit der ganzen Technik. Auch ich benutze sie  dankbar für  meine Verbindung nach draußen.

Und dennoch: So langsam kommt die Depri?




Heute morgen, langsam meinen Weg aus der Desorientierung hinein in den Tag suchend, ploppte Herr Betz, Robert Betz,  im iPhone auf mit seinem Spruch zum Tag:

Menschen, die oft mit der Planung  ihrer Zukunft beschäftigt sind und nicht zufrieden im Augenblick (oder desorientiert?)....sollten mehr im Hier und Jetzt sein. Im Augenblick leben. Den Augenblick leben und ihn dankbar feiern.

Hier und Jetzt. Ohne den Gedanken an: wie lange wird das so sein und wenn ist es vorbei?  Ist es dann wieder so wie früher? Oder werden wir eine andere Welt haben?  Einfach im Hier und jetzt sein.

Das geht - Moment by Moment, immer wieder.  Moment by Moment. Ich hab die sonore, weiche, liebevoll einladende   Stimme von Jon Kabbat-Zinn im Ohr... Moment by Moment, breath by breath. Und erinnere mich an die Achtsamkeitsübungen mit ihm. Und wie komplett ich mich danach fühle .

Die Lösung liegt, wie immer, nicht außen sondern innen, in mir drin.

Sollte die Corona-Zeit ein Einladung an die Menschen sein, ihr Glück nun wirklich konsequent im Innen zu suchen?  Und: was würde aus uns werden, wenn wir alle selige  Achtsamkeits-Yogis sind, mit sich und der Welt zufrieden,  und den Anderen nicht mehr brauchen zum Glück?
Verbindungen auf der seelischen Ebene, Umarmungen nicht mehr gebraucht?

Ist das der Schlüssel zu Weltfrieden? Oder werden Kriege geführt um Impfstoffe?



Es bleibt spannend. Zufriedenheit gibts im Innen, Sport, Spiel und Spannung gibt es draußen.
Ein bisschen was von allem, bitte.







Donnerstag, 21. Mai 2020

Ein Hauch von Normalität....

Morgen-Nebel in Wittdün...
liegt wie ein samtener Mantel der Stille über der Insel 

Das sieht zunächst nach Trauer aus...
Stille Einsamkeit und ohne Hoffnung


Und immer immer wieder geht die Sonne auf
Schafft sie's? und bis wann?
Im „1. Kaffee machen und Aufwach-Modus“  dachte  ich heute:  ich mache meinen Tag und bestimme, woran ich Freude habe. Ich bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht... 
Finde es wirklich gerade schwierig, ohne Nähe zu Menschen und immer verhalten zu agieren, mich nicht in den Hotspot (z.B. André Post)  zu wagen. Gewusel, wenig Abstand und meistens keine Alltagsmaske machen mir Angst... ein mulmiges Gefühl... Da schmeckt auch kein Wein. Und wenn der Wein schmeckt, dann sind die Sperrklinken geöffnet. 


Noch fehlt mir Mut und  (Scheissegal Gefühl )und die Sicherheit resp. das Vertrauen,  es würde schon alles gut gehen.....

Gerade heute schreibt die ZEIT in ihrem Kommentar: 
DrrrringelllingelingDie Infektionszahlen in Deutschland sinken. Kein Grund zur Entwarnung. Ein Weckruf!
Eben nicht alles gut. Jetzt müssen wir, muss die Politik und jeder einzelne achtsam sein,  nicht jede Erkältung in die Welt tragen, sondern sich in Ruhe auskurieren, Abstand halten, Hygienegrundsätze einhalten und die Alltagsmasken tragen.



Sie hat's geschafft.... 11.30  Uhr
Himmelfahrt Frühstück auf der Dachterrasse


Himmelfahrt... Vatertag... Das Leben ist mit Ostern erwacht und jetzt wieder in seiner vollen Blüte. Menschen lieben die Natur, Menschen lieben das Gemeinsame, Menschen lieben es, Menschen zu treffen.  Wir werden es lernen, mit dem Virus zu leben und uns dennoch als Menschen zu entwickeln. Wir werden unsere Strategien haben, uns nicht anzustecken und wir werden weiterhin Menschen an diesen unsichtbaren Feind verlieren. Corona ist überall (und nirgends sichtbar)

Die "Stufen" von Hermann Hesse fallen mir ein.... Wohlan denn Herz.... GESUNDE!!!!

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,


Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!




Mittwoch, 13. Mai 2020

Ein wonniger Hauch von emotionalen Momenten

Muttertag... war nie ein Tag, an dem meine Tochter bei mir war, zumindest nicht seit ihrem Studium.
Strahlendes Wetter...Hundelauf mit emotionalen Hindernissen.
Nach sieben Wochen kommt mir doch am frühen Morgen am Strandübergang eine Dame entgegen, die sich auch noch in die Diskussion einmischt, die ich gerade mit Herrn Schmid führte. Übergriffig, Zweitwohnungsbesitzer... trifft auf Aggression einer Inselbewohnerin, die Bedenken wegen der am 18.5. beginnenden Überflutung hat. Keine schöne Vorstellung. Den ganzen Tag verfolgt mich diese kurze Edisode... warum wurde ich gleich aggressiv? Wieviel Ängste habe ich wirklich, dass gleich so viele Menschen in die "Normalität" auf die Insel kommen? Meine Angst erschreckte mich.

Sonntag um 10.00 Uhr.... das erste Mal nach sieben Wochen (klingt wie Fasten) ein Gottesdienst, ein Gefühl des Miteinanders, ein Feiern. Anne-Sophies Orgelspiel quoll erhaben und wundervoll aus dem dicken fetten Lautsprecher vor der Kirche und erfüllte den ganzen alten Friedhof und alle angrenzenden Häuser. Meine Tränen liefen unaufhaltsam. Konnte sie gar nicht stoppen. Immer in den Mund-Nasen-Alltagsschutz hinein. Erfüllende, Herz erwärmende 20 Minuten des vertrauten Miteinanders. 

Am Nachmittag gab's Spargel und Regen und Film und Faul.  Das genießen zu können, habe ich in sieben Wochen Corona- Lebens-Abstinenz gelernt.

Montag... der wonnige Hauch emotionaler Momente entwickelte sich zu einem wahren Sturm....
Frisör... neue Strähnen und neuer Schnitt, neuer Kopp und ein neues Gefühl von "es wird wieder".
Hingefahren war ich mit Astrid.... wir dürfen ja zu zweit mit Freunden.  Dort dann "unter Frauen" vereint.... so herrlich normal.  Astrid weinte vor Freude im Auto auf der Heimfahrt.

Und doch trügerisch.

Denn...am 18. Mai gehts wieder los. Mit den Kliniken, mit den Gästen, mit Restaurants.  Mit fremden Menschen, die hier her kommen. Bei derzeit circa 1000 Infizierungen am Tag in der ganzen Republik scheint es eher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet ein Infizierter auf die Insel kommt und seine Viren erfolgreich verteilt. Trügerisch. Sagt heute jeder Virologe.
Abstand mit Anstand ist auf Amrum und Föhr die Devise. Abstand und Mundschutz. Die Pandemie wird unser ständiger Begleiter sein.

So isses und so bleibt es erst einmal. Auch das ein Hauch von Normalität.





Samstag, 9. Mai 2020

Urlaub an der Costa Corona

Die Maske wird auch im Sommer ein ständiger Begleiter werden.(von der SZ geklaut)

Ab 18.Mai heisst es wieder: 
Urlaubs-Stimmung, Lieblings-Lokal, Eis essen, in der Strandbar Menschen treffen, Strandwanderungen, gemeinsam Wein trinken.... Freunde treffen, die auch immer auf der Insel sind...Natur genießen... als Selbstversorger bei Edeka einkaufen... Fahrrad fahren im Pulk...
aber auch 1,50 m Abstand halten, Mund- und Nasen-Maske tragen (beim Einkaufen und beim Essen gehen... Fahrrad fahren mit Abstand und Anstand....

Bisher waren wir auf Amrum verschont geblieben von Infektionen, die man nicht nachvollziehen kann, vom unsichtbaren Virus, das durch unser Leben wabert.
Dafür können wir sehr da dankbar sein. Und jetzt? Kommt die ganz normale Welt und neue "Normalität" oder neue Corona-Wirklichkeit zu uns. Jetzt werden auch wir erleben, wie es sich anfühlt, lieber vom Bohlenweg  herunter zu steigen, um den nötigen Abstand zu Fremden zu gewährleisten. Sich bewusst nicht in die "Hotspots" zu begeben, um sich nicht in Gefahr zu bringen, Herauszufinden, wann die sichersten Zeiten für draußen sind.
Jetzt erleben wir das Leben, das für unsere Kinder aufm Festland schon seit Mitte März Normalität darstellt. Unfair? Nö.

Die Insel-Wirtschaft muss langsam anlaufen. Dafür brauchen wir die Gäste. 
Wir werden uns an die Masken gewöhnen, die wir  öfter auf Mund/Nase tragen. Wir werden uns an die vielen Gäste gewöhnen, die wieder Leben auf die Insel bringen und zugegebener Maßen auch ein Infektionsrisiko.

Sehr gespannt bin ich auf die Kompetenz des Gesundheitsamtes, das für Sicherheits- und Hygiene-Konzepte grünes Licht geben soll. Auch darauf, ob sich die Ideen, die sich Festländer im Vorfeld über Quarantäneregeln gemacht haben, auf den Inseln realisieren lassen. 

Und vielleicht wird es ein Wunder geben und wir bleiben weiterhin verschont und dürfen weiter  auf einen Impfstoff hoffen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dienstag, 5. Mai 2020

My own Business

Warum müssen Politiker sich immer profilieren und versuchen, höher zu pinkeln als die anderen?
Der eine will die Restaurants aufmachen, der andere die Kitas, der dritte öffnet die Grenzen zu Dänemark und in MecPomm kann man wieder Urlaub machen.

Ich stelle bei mir Unverständnis fest. Unverständnis darüber, dass sie erst laut gackern, dann vielleicht an den Strukturen arbeiten und später vielleicht ein Ei legen. Warum nicht erst die Arbeit leisten? Und wenn alle Wege geebnet sind, man das Gefühl hat, die Maßnahmen könnten wirklich helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen UND das normale Leben wieder flott zu bekommen, DANN die Maßnahmen im Einklang mit allem und allen kommunizieren.

Gestern schrieb ein Journalist (wie ich finde, richtig), so könnten nur Menschen argumentieren, die sich die Vernunft und Langsamkeit leisten können, die nicht unter dem Druck stehen, ganz schnell wieder Geld verdienen zu müssen und  dabei ihre Kinder  guter und sicherer Betreuung zu wissen.
Ja, ich bin dankbar für meine privilegierte Situation.

An mir selber merke ich, dass mir eine VERNÜNFTIGE  (Wieder) Öffnung in Corona Zeiten keine Probleme machen würde, wenn ich immer das Gefühl haben könnte,  dass die Argumente und die Art der Beschlussfassung in den einzelnen Bundesländern motiviert sind von ganzheitlichem Denken... Gesundheits,- Soziale und Wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.

Für mich gilt bei jeder Art von  Öffnung ... 2 Meter Abstand, Maske in geschlossenen Räumen  und beim Einkaufen auf jeden Fall. Radfahren nicht auf engen Wegen. Ich will niemanden anhusten und will auch von niemandem direkt angehaucht werden. Bei Anstrengungen kommen halt  mehr Tröpfen raus als im ruhigen Laufen.

Und wie immer: es ist meine Haltung, meine Sicherheit, mein persönlicher Umgang. Meine Rücksichtnahme anderen gegenüber, meine Selbstverantwortung.



Montag, 4. Mai 2020

Wir leben... mit Corona

SinnKrise...Sendepause.
Keine Gedanken, keine Worte, kein neuer Post.


So ein Inselleben mit Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing ist schon etwas ganz Neues.
Wirklich? Nicht wirklich.

Mein Radius mit Auto und neuerdings eBike ist 10 km nach Norden und zurück, jeweils drei km durch die Dünen. Am Ende ist immer Wasser, mal mehr und mal weniger.

Während der letzten Wochen änderten sich meine Hundewege ein wenig , zumindest in der Richtung.

Morgens in den Dünen
Der schönste Konzertsaal der Welt
In den Vordünen











Nicht wie immer erst durch die Dünen, dann  durch den Wald, am Watt nach Hause. Nein.  Erst am Watt, dann durch den Wald in die Dünen nach Hause.  Das Licht ändert sich, das Wasser eh und das Konzert der Vögel im Wald. Früher am Tag scheinen mehr Vögel und lauter zu singen. Mit der Zeit des Zuhörens und Genauer Hinhörens wird es ein Sinfonie-Konzert allererste Güte. Mit hohen und tieferen Tönen aber auch mit zunehmender Tiefe, Fülle.   Dieses Klangerlebnis entgeht mir, wenn ich zuerst durch die Dünen wandere und auf dem Heimweg durch den Wald. Faszinierend.
Das Licht ändert sich. Die Sonne im Rücken macht in den Dünen ein Goldenes Licht.
Der Hund hat in den Dünen immer seinen Spaß... egal wie das Licht fällt oder ob wir Corona haben oder nicht.

Morgens bin ich am Strand und im Wald allein. Allein allein, mit mir allein, mit dem Hund allein und oft auch mit den neuesten Corona Podcast im Ohr. Dieses Ritual hat sich auch in Corona Zeiten nicht verändert.

Social Distancing bekommt ab heute eine neue Dimension. Bisher sind wir InselBewohner mit erstem Wohnsitz  (Insulaner würde ich mich nie zu bezeichnen trauen)  entre nous. Die Handwerker kommen täglich oder wöchentlich vom Festland. Hab ich aber nix mit zu tun.
Ab heute dürfen die Zweitwohnungsbesitzer kommen. Mit allen Menschen, die zu ihrem Hausstand gehören. Dann sieht es auf der Insel wieder anders aus. Meine neueste Errungenschaft ist ein Zollstock, um wirklich zu spüren, wie weit weg man bei 1,50 m stehen muss. ZWEI GANZ GROßE SCHRITTE sind das für mich. Gut zu wissen. Maske ist von jetzt ab eh Pflicht.

"Wie geht es mir eigentlich hier?" frage ich mich immer mal. Ich möchte, in Zeiten von Corona besonders, an keinem anderen Ort der Welt leben.  Ich bin dankbar, dass ich hier und so leben darf.
Die Insel ist mir nach wie vor ein Ort der Geborgenheit.  Ich bin gerne mit dem Hund unterwegs und genieße die Weite und die Natur-Fülle. Nur Natur und immer nur Natur. Mein Auge liebt die Farben... immer noch und immer wieder.

Social Distancing hier bekam gerade mit der Mund.Nasen.Schutz-Pflicht eine neue Komponente:
Du musst sie an den Augen erkennen können, die Eiland-Mitbewohner. Das Lachen siehst Du nur in den Augen und die Stimme ist verdumpft... Ein tägliches fröhliches Ratespiel, wer Dir denn im Supermarkt gerade zugewunken hat.

Kurze Treffen in der Wohnanlage, gemeinsames Essen mit 1,50m Entfernung. Social DistanceDining ist das und tut meinem Herzen gut. Das Miteinander ist es, was auch in der Entfernung geht. Die Verbundenheit bleibt... auch mit Zollstock in der Hand und dem "Stuten-Pulli" auf MundundNase.

Abends noch ein schönes Ritual: "Der Mond ist aufgegangen" wird vor der Kirche in gebührendem Abstand zu einander miteinander gesungen. Eine schöne herzerwärmende Aktion. Jeden Abend in diesem neuen Zeiten.


Ich lebe ... mit Corona und mir.   #stayathome und #bleibtgesund









Mittwoch, 22. April 2020

Es gibt noch andere Themen ....

Corona  verlangsamt das  Leben, besonders hier auf der Insel.
Lange Spaziergänge allein, im 9 Quadratkilometer kein anderer Mensch zu sehen.  Allein in der Wüste. Jeder Tag wie der andere, die Ziele verändern sich geringfügig, die Menschen, die ich treffe, bleiben immer die selben.

Paukenschlag am Samstag: wußtest Du, dass die Mutter gar nicht mehr in ihr Betreutes Wohnen zurück möchte, bei H. bleibt und auch das Apartment aufgibt?
Und schon hatten wir ein neues Thema und neue Aufgaben.
Windelhöschen, Inkontinenz, DAK und Lieferanten von Wannenlift und WC Erhöhung, unter welchen Umständen zahlt die Pflegekasse was? Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades in Zeiten von Corona, Arzt im Urlaub und dieser ganz zufrieden mit der Konstellation, nachdem er sie gesehen hatte, die beiden alten Leutchen.  Erstaunt über  meinen Bericht der Intransparenz und der strikten Weigerung, den ambulanten Service als eine Säule mit in das Pflegekonzept einzubauen....

Jetzt geht die Zeit wie im Fluge vorbei, manchmal reicht der Arbeits-Tag nicht für  lange Telefonate mit allen Betroffenen....

Leichter ums Herz ist es mir nicht, nachdem H. rausrückte mit dem Verfalls-Zustand unserer Mutter.
Und auf der Insel eingesperrt zu sein und nicht mal eben in den Süden fahren zu können, fällt mir gerade sehr schwer. Zweifel werden im Kopf zu Horror Szenarien, Fragen zu Behauptungen und überhaupt.... wenn doofe Gedanken in diesen Zeiten im Kopf rumgeistern, empfinde ich es gerade ganz schwer, den Gedankenstop hinzukriegen und mich mit Schönerem zu beschäftigen.

Ja, es  gibt noch andere Themen außer Corona. Heute zum Beispiel bekomme ich das erste Mal seit 15.3. meinen AllerlieblingsHimbeerKuchen vom Café Auszeit to go. DA kommt endlich wieder Freude auf.

Mittwoch, 15. April 2020

"Wenn man sich täglich nur drei positive Dinge notiert...."

.... dann hat das,  wissen wir alle, einen starken Effekt auf das Wohlbefinden.

Heute begann es schon mit der gelesenen WhatsApp von Christine: "wie geht es Dir nach Ostern? Melde Dich doch mal."
Und mit der Einladung von Martina: "wenn Du spazieren gehen magst, Ruf mich an."
Die Skype Unterhaltung mit meiner Mutter und Hermann gestern als neues Tagesritual.

Irgendwann kam der Moment, in dem ich mir ganz bewusst wieder wünschte, mehr reale Menschen um mich zu haben, nicht mehr mit mir  allein zu reden.

Dazu passt jetzt ein Bild, das mir UpWithPeople Freunde über FaceBook zuspielten:
Göttlich, das globale Gefühl der häuslichen Isolation, gepaart mit so viel positivem Humor.
Ja, wir alle schaffen das wieder raus in das "Normale Leben" Whatever it then may be.

Humor ist wenn man trotzdem lacht
Ich habe heute auch schon gekocht... alle Möhren und Kartoffeln aus Kühlschrank in einen Topf. Petersilie und Mütterchen dazu. Lecker.
Und die heimische Wirtschaft unterstützt.
Und mich. Mit positiven Gedanken und lecker Essen.

Und diesen Herzigen Küstenstein fand ich heute. Diese Steine legen Wanderer an schöne Plätze. Wer ihn findet, nimmt ihn mit und sucht einen neuen schönen Platz, damit er einen anderen wieder erfreut.


LIEBE steht auf Rückseite, heute gefunden und weiterverschenkt

Sonntag, 12. April 2020

Keine Zeit für Gleichgültigkeit

Es sei keine Zeit für Gleichgültigkeit, sagte heute Papst Franziskus, als er allein im Petersdom predigte.

Zeit zur Besinnung, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Umdenken. Zeit für andere auf andere Arten. Zeit für mich selbst. Und Zeit für die Zeit.

Mein wahres Ostergeschenk ist, dass ich den jetzt pflegenden Lebensgefährten meiner Mutter in einem anderen Licht sehen kann als bisher. Und auch meine Mutter. Sie ist nun wirklich auf seine Hilfe angewiesen und er schenkt sie ihr. 24 Stunden am Tag. Mit all seiner Kraft und all seiner Liebe. Dazu wären wir Töchter überhaupt nicht in der Lage. Wir würden uns Hilfe suchen, klar. Aber emotional könnten wir das beide nicht.
Was ich bisher im Kopf hatte: Danke sagen und er macht es gut...kommt auf einmal aus dem tiefsten Herzen, aus der Erkenntnis, dass dieser Mann wirklich barmherzig ist und unsere Mutter von Herzen gerne hat. Sie bis zum Tod begleiten will.  Und es ist unerheblich, aus welchen Beweggründen heraus er es tut. ER TUT ES. Dafür  bin ich ihm von Herzen dankbar.
Auf dieses Gefühl hatte ich so lange gewartet. Deshalb empfinde ich es als großes Oster-Geschenk. Und ich bin froh für meine Mutter, dass sie ihn hat und nicht in diesen Zeiten allein auf ihre Einrichtung im Betreuten Wohnung  angewiesen ist. Sie hätten sie jetzt "weggesperrt",  zu ihrem eigenen Schutz. Daran gehen Menschen zugrunde. Wenn sie die anderen Menschen nicht mehr spüren und keinen Kontakt haben dürfen.

Nach Ostern sollen die Corona-Regeln der Kontaktsperre und Ausgangsbeschänkungen sowie des Social Distancing neu bewertet werden.  Je mehr ich darüber nachdenke, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Inseln wieder geöffnet werden. Peu à peu... was könnte das heißen? Handwerker kommen eh, Zweitwohnungsbesitzer aus Gebieten mit hohen Infektionsraten würden hier auf Unverständnis treffen.  Innerhalb der Insel... Schule mit älteren Schülern, die ihre Abschlussprüfungen schreiben müssen? Kindergärten?  Keine Ahnung. Bekommen wir alle Tests um Antikörper zu bestimmen? Und was, wenn wir keine haben? Ich erinnere mich an die Tuberkulose-Untersuchungen - früher. Habe ich Antikörper? Fein, sonst: Impfung. So war das doch?
Im vollen Supermarkt mit ziemlich engen Gängen fühle ich mich mitunter sicherer, wenn ich eine Maske trage... keine von der Sorte: ich steck mich nicht an. Nein, handgenähte mit Gummiband für die Ohren. Helen sagt: die wirken nicht. Und doch stellen sie mental eine Grenze dar und erinnern mich an den 2 m Abstand.  Für mich sind wir hier auf der Insel immer noch im Übungsmodus... der Virus wird kommen und dann möchte ich ein richtiges Gefühl für 2 Meter haben und das Gefühl, mich richtig virusfeindlich zu benehmen.  Angst vor dem Virus habe ich nicht.
Ich will mich schützen und  sollte dabei aber auch  darüber nachdenken, dass auch ich für andere eine Gefahr sein kann, den Virus in mir trage. Dieses Bewusstsein wird wohl erst wachsen, wenn wir hier wirklich die ersten Fälle auf der Insel haben.

Manchmal ein Gedankenblitz: was wird aus Herrn Schmid, falls sie mich ins Krankenhaus fliegen? Sollte ich schon jetzt Astrid fragen - vorsorglich?  Bediene ich damit nicht gleich die Self-Fulfilling-Prophecy? Ich schiebe die Frage an Astrid weg. Denn ich will mir nicht vorstellen, so krank zu werden. Auch wenn ich Risikogruppe und mit Asthma/COPD Risikopatientin bin. Ich glaube fest daran, dass der Kelch an mir vorüber geht und wir im kommenden Jahr die Impfung haben. Wir hier auf de Insel haben 35qkm Platz, im Augenblick sind wir ca. 3000 Menschen,  wenn wir eine "kleine Saison" bekommen, wenn sich die Infizierten-Zahlen konsolidieren, dann kommen vielleicht 3-4000 dazu? Immer wieder?

Das zeigt, wie wichtig es sein wird, ganz bewusst  konsequent Abstand zu halten, die Hände zu waschen und auch die Maske zur eigenen Distanzwahrung zu tragen... bis es einen Impfstoff gibt.  Nur damit schütze ich die Anderen und mich selbst.

Und wie wird sich unser Leben verändert haben, wenn wir uns wieder berühren dürfen, uns herzen und umarmen?  Wenn das "normale Leben" wieder Fahrt aufnimmt? Wieviele werden beruflich auf der Strecke geblieben sein? Wie wird ihnen geholfen? Wie wird die Gesellschaft sie unterstützen? Werden wir den Pflegekräften endlich das Gehalt zahlen, das sie verdienen und damit selbst die höheren Krankenkassen-Beiträge klaglos annehmen? Werden wir uns beteiligen? Am Wiederaufbau unsere Republik? Der Welt?

Die Pandemie geht uns alle an. Und jeden Tag mehr und immer wieder.
Nein, es ist keine Zeit für Gleichgültigkeit.










Samstag, 11. April 2020

Inselkoller...

Hilflos fühle ich mich...

Mutter dement und inkontinent, H., der Lebenspartner, geht klaglos seiner "Lebensaufgabe" nach, sie zu pflegen. "Kriegte sie fast nicht mehr aus der Badewanne raus".

Rausgekitzelt habe ich  ihm die Aussagen sie sei dement und inkontinent, förmlich aus der Nase gezogen. Für Muttern ein Segen, denn sie beurteilt nicht mehr, lebt an seiner Seite und seiner Obhut.
Für ihn ein 24 Stunden Job, den er sich natürlich selbst wählte, als er sie immer mehr an sich band.
Und natürlich ist es großartig, dass er sie geistesgegenwärtig  zu sich nahm, als das Altenheim wegen Corona abgeschlossen wurde. Er hätte sie nie besuchen dürfen. Und jetzt haben sie sich immer.
Aber welch ein Preis für "immer zusammen".
H. entwickelt sich zu meinem Helden, obwohl ich immer übel nahm, dass er unsere Mutter für sich "beanspruchte"... Er von ihr psychisch abhängig, sie von ihm physisch. Welch eine Vereinigung.

Wie können wir Töchter es erahnen wie es beiden geht, wenn sie immer nur sagen "geht gut".
Heute hat mich die Information kalt erwischt. 1000 km entfernt, eingeschlossen und ohne die Möglichkeit, hier raus zu kommen. Nur Telefon... und angewiesen sein auf Verständnis und Verstehen und Mitgehen des Gegenübers an der anderen Seite der Strippe.

"Habt Ihr die nächste Pflegestufe beantragt?"  Das wollen sie jetzt tun.  Rücken kaputt, aber der liebe Gott hilft.... Wie kann ich einem einfach gestrickten Mann erklären, dass der liebe Gott auch die sozialen Dienste wie Diakonie und ambulante Pflege erschaffen hat, um solch aufopfernden Menschen wie ihn zu unterstützen. Wie, dass er, als er Otto Onkel pflegte, mindestens 30 Jahre jünger war... und er das heute nicht muss. Weil es Pflegedienste gibt.

In der Auferstehung liegt ganz viel Hoffnung.

Ich danke  H. für sein Tun und die Verantwortung, die er übernommen hat.
Ich hoffe, dass H. einsichtig ist und professionelle Hilfe eines Pflegedienstes annimmt.
Ich  hoffe, dass H.  an seiner  "Lebensaufgabe"  nicht zerbricht.
Und ich hoffe, dass unsere Mutter in ihrer kleinen Welt glücklich ist und  wir H. das geben können, was er am meisten braucht.... Liebe, Anerkennung und Dankbarkeit.

Uff das musste mal raus und tat gut, darüber zu schreiben.






Freitag, 10. April 2020

Locked up

"Lock her up"  scandierten Trumpisten während des Wahlkampfes und meinten Hillery Clinton.

Lock them up.... rief niemand, bevor die Landesregierung von Schleswig-Holstein am 15.3. entschied, die Inseln zu schließen für Gäste, Touristen und auch Zweitwohnungsbesitzer.
Seit dem 16.3. sind wir hier auf der Insel unter uns... Ganz selten mal ein Gesicht, das ich nicht kenne. Handwerker kommen und natürlich die Fahrer der Versorgung Fahrzeuge.

Gestern schrieb der Bürgermeister von Sylt einen eindringlichen Appell an seine Sylter, aber auch an die 100 Menschen, die sich auf die Insel geschmuggelt hatten... mit fingierten Arbeitserlaubnissen, als "Verwandtschaft vom Vermieter oder Zweitwohnungsbesitzer mit Wasserrohrbruch. Wasserschaden ist "ein triftiger Grund, seine Zweitwohnung zu besuchen und dafür zu sorgen, dass größerer Schaden von ihr genommen wird. "Haltet durch und habt Verständnis, dass wir jetzt keine Gäste hier haben können. Die medizinische Versorgung mit Beatmungsgeräten im Krankenhaus ist aufgrund von Corona erweiterte, würde aber bei weitem nicht ausreichen, wäre die Insel wieder voller Gäste.

Ostern kommt und irgendwie ist die Spannung langsam spürbar: was kommt nach dem 19.4.? Wie werden Lockerungen aussehen, gibt es sie auch für die Inseln? Große Schüler und Kindergärten, kleine Läden... Aber wer soll einkaufen auf der Insel, wenn keine Gäste kommen.
Und, wenn Gäste kommen, bringen sie den Virus mit? Sind wir auf der Insel gewappnet? Eher nicht.
Manche Virologen meinen, Abstand und Händewäschen reicht. Und wenn Symptome da sind, dann Masken...Die sind da, heute habe ich sie auch schon getragen. Das geht, ich muss sie nur nehmen.
Und fühl mich vielleicht ein wenig sicherer. Dass ich nicht anstecke und darauf achte, wirklich mindestens 1 1/2 Meter vom Anderen entfernt zu sein.

Oma allein auf der Insel... "Und, wie geht es Dir?" Ich sag mir immer (und anderen als Antwort) "Es geht mir gut".  Tolles Wetter, mit Hund unterwegs und neuerdings mit dem E-Esel. immer mal morgens mit Helen im Ohr beim Stöckern. Bis nach Süddorf und über Steenodde zurück. Dann sind wir beide wieder zuhause.
Auf Amrum grüßen wir uns freundlich,  freundlicher? persönlicher? Irgendwie verbundener, das fühlt sich gut an.

Corona macht einsam, sagt gerade jemand in der ARD.  Ich empfinde es nicht so. Aber vielleicht ist es ja ein Single-Ding, dass wir nicht so zur Einsamkeit neigen.
Herr Schmid ist da, mein ständiger Begleiter. Mit Hund allein ist weniger allein.

Und locked up fühle ich mich noch nicht. Mal sehen, wann der InselKoller kommt.








Montag, 6. April 2020

Pure Lebensfreude


Die Inselwirtschaft ankurbeln... das war heute meine Aufgabe:
Mit 12 Postpäckchen verschickte ich Lindt Osterhasen an die in der Republik verstreute Familie... die Hasen dürfen reisen zu Ostern, Wir nicht.

Meine Schwester isst keinen Zucker... brauchte sie Tee ins Päckchen. Großeinkauf im Tee Kontor.

"Siggi, darf ich mal was sagen: diese Rostkarre passt nicht zu Dir. Du bist so schick..."
Autsch.  Meinte Dirk, der mein altes Rostklapperfahrrad im Frühjahr fit macht.

Treff ich Jan vom neuen Fahrradverleih  "NORDZEIT" im Supermarkt: "Verkaufst Du auch gebrauchte Fahrräder?" "Ja". Tausche Rostklapperfahrrad gegen?

Seit zwei Jahren tobte ein innerer Kampf: 
Konventionell Radfahren, mit Hund hinten drauf. Strampeln und mindestens eine Richtung gegen den Wind. Wenn ich am April beginne, bin ich Ende Mail fit und würde auch bei starkem Wind radeln. Versus: 
E Bike fahren ist die reine Lust und es macht Freude, mal eben über die Insel zu radeln... egal, wieviel Wind weht.
Bisher sagte die Vernunft: kauf Dir ein neues (gebrauchtes) konventionelles Rad, 7 Gänge, Rücktritt. schwarz schick.

Die Probefahrt mit dem E Bike (schwarz schick, guter Preis, ein Jahr alt) gegen den Wind
beendete ziemlich schnell den Kampf. Ausschlaggebend waren die Argumente zweier Frauen in meinem Alter: Das mit der Kondition ist schon richtig. Aber ehrlich? Du würdest das konventionelle Fahrrad nicht nehmen, würdest lieber mit  Wind laufen und das neue Rad steht zuhause.

Pure Lust am Fahrradfahren
SIMA - mein E Bike

Das neue E Bike, Juhuuuuu
Es fährt sich großartig. Gegen den Wind. Und mich ein bisschen anstrengen musskannsoll ich auch. Ein tolles Rad. Hätt' ich schon viel früher tauschen sollen. 

Samstag, 4. April 2020

Welch ein Privileg - sicher und geborgen in Zeiten von Corona

Eben das denke ich jeden Morgen dankbar: ich habe ein eigenes Dach über dem Kopf, eine Rente, die regelmäßig kommt und ich lebe auf der nordfriesischen Insel, die bisher noch nicht einmal einen Verdachtsfall Covid19 hat...

Wenn ich an unsere Politiker denke, Spahn, Merkel und Söder & Co... dann habe ich das Gefühl, ja, wirklich, hier in diesem Lande gut aufgehoben zu sein. Ich habe begriffen, dass es richtig war, in den guten Jahren zu sparen. Und es jetzt auszugeben  da,  wo das Geld gebraucht wird, um Existenzen zu sichern, die durch den Lockdown gar keine Einnahmen mehr haben. Ich staune immer wieder, wieviele Hunderte von Milliarden da auf einmal fließen dürfen. Und ich finde es richtig. Ich bin dankbar, dass unsere Minister mit der Bevölkerung gehen, ein Ohr und darüber hinaus auch ein Gespür für Notwendigkeiten entwickelt haben. Und nicht nur die Hochfinanz und die Industrie supporten.  Ich finde, sie alle machen das richtig richtig gut.

Und ich hier auf der Insel? Habe wirklich nichts auszustehen. Puzzele ein bisschen hier und ein bisschen da, noch fehlt der Drang, mich an die Steuer zu setzen. Das Wetter wird immer feiner und frühlingshafter. Warm wird es. Mir fehlt nix - außer dem Gefühl, mich morgen auf die Fähre setzen zu können, um ans Festland zu fahren, zu Fritzi und den Kindern.
Aber - geht Corona, kommt Zeit dafür. Mit ein bisschen Geduld schaffen wir das alle.
Geduld ist eine Tugend, die ich jetzt auf meine alten Tage lernen werde. Ehrlich.

Montag, 30. März 2020

"Und dann kommen ja auch noch die Handwerker"

.... Worte einer Insulanerin, als wir gemeinsam mit 1,5 Meter Abstand vor der Post warteten.  Neusser Handwerker für eine Baustelle.... und damit kommt die Angst auf die Insel?

Ich beobachte mich:
Allein mit mir und der Insel und natürlich Herrn Schmid bin ich morgens, wenn wir die erste große Runde laufen.  Den ersten Menschen begegne ich, wenn ich zum Einkaufen muss. Handschuhe an, zwischen uns bewusst so ungefähr 2 Armlängen. Einen Schal könnte ich über Mund und Nase ziehen, sollte jemand in meiner Nähe husten. Gestern kam mir auf dem Bohlenweg ein Ehepaar entgegen. Schmid und ich waren schon zur Seite gehüpft.  Er dann: " ich hatte ein Bonbon verschluckt und deshalb gerade eben gehustet". Das fand ich sehr rücksichtsvoll. Das Husten war mir entgangen.

Eine Freundin in der Nachbarschaft wird leider jetzt von Sozialstation, Inselärztin und Krankenschwester palliativ begleitet. "Siggi, könntest Du bitte mit einer anderen gemeinsamen Freundin nachmittags mal nach A. schauen" Wir kommen alle 4-5 Stunden, am Nachmittag ist die Zeit sehr lang". Klar, gerne... aber Maske? Schutz? Fehlanzeige.
Es entstand das Gefühl, dass Corona noch nicht wirklich auf der Insel angekommen sei. Die Pflegekräfte erscheinen mir arglos, mir gegenüber und überhaupt. 1,5 Meter sind lang, Berührungen... mich  direkt ansprechen... sie kommen mir "zu nah". Ist das meine Angst? Seh' ich schon Gespenster? Mach ich mich verrückt?  Ich habe es angesprochen.  Und nun kann ich immer meine beiden Arme vor mich strecken und damit zeigen: bleibt ein wenig weg von mir.

Heute der erste bestätigte Fall auf der Nachbarinsel. Vielleicht braucht es gar eine Handwerker aus Neuss?


Samstag, 28. März 2020

Virtuelle Nähe in Social Distance

Eigentlich wollten wir alle, meine Zwillingsschwester Gisela und ich, ihre drei Kinder mit Partnern und drei Enkelkindern, meine Tochter Helen mit Mann und Enkeltochter Fritzi eine Woche auf der Insel sein. Erstens kommt es anders zweitens als man denkt:
Insel gesperrt seit 16.3.2020 ,  
Ferienhaus nicht erreichbar, 
Reise-  und Ausgehbeschränkungen  bundesweit
70. Geburtstag GANZ anders.

Im iPad meine Schwester, die wie ich, im Laptop einen Film anschaut, den uns unsere Kinder aus Video Grußbotschaften unserer Freund*innen aus der ganzen Republik zusammen geschnitten haben. Lauter liebevolle virtuelle Geburtstags-Glückwünsche.
Links sprachen, sagen, lachten Freund*innen , rechts heulte Gisela vor Rührung. Crémont für Kehle.
Freunde berühren uns via Video, WhatsApp....Die  "Corona Welt". Welch ein Segen, dass wir die Technik haben und auch ein wenig mit ihr umgehen können.
Philipp, der ältere Sohn meiner Schwester, lud nach dem Film zur Video-Konferenz ein.  Das  fühlte sich wirklich an wie am großen Esstisch in dem Haus, das wir gemietet hatten. 40 Minuten Palaver und Freude miteinander. Großartig.

Meine Telefonate werden immer länger. Es rufen mich Freund*innen an, die sonst eher zurückhaltend mit dem Medium Telefon waren. Es wird gewhatsappt, dass sich die Balken biegen.

Fritzi, meine süße Enkelin, wacht aus dem Mittagsschlaf auf und sagt "Oma"... dann wird gefacetimed. Ihr erstes Wort ist "WauWau", wir  schwenken zu Herrn Schmid , der sich bemüht,  freundlich in das Handy zu schauen. "Backe Backe Kuchen" ist  unser Lieblings- und Erkennungslied, zu "Wer will fleißige Handwerker sehen" tanzen wir  und schließlich wird  wetteifert, wer länger auf den  Zehenspitzen stehen kann. Fritzi und Oma werden sich nicht fremd, trotz Reiseverbot und 1000 km Entfernung. 

Virtuelle Nähe baut Brücken in Zeiten von Social Distance.  Ich finde das ganz großartig.


Mittwoch, 25. März 2020

Du hast ja wenigstens den Hund




Wo sind all die anderen?

Stimmt!
Susanne aus Hamburg sagte das gestern am Telefon. Stimmt! Wenn ich mir vorstelle, dass sie in ihrem Edelstadtteil aus dem Haus geht in ein Häusermeer, ohne Hund, sich im 1,5 Meter- Abstand-Slalom um die Menschen windet...
Dann bin ich hier auf der Insel auf 35qm gerne allein allein.

Eigentlich sollte gerade meine ganze Familie hier sein.
Ein großes Haus war gemietet, das gute Wetter bestellt. Und masochistisch, wie ich manchmal bin, ging ich heute an eben dieses Haus, schaute hinein und stellte fest: DAS wäre unser Preis gewesen. Riesenhafter Garten
mit Schaukel, Blick auf das Watt, Riese-Wohnküche mit großem Esstisch für 10. Personen.
Ein kleines Rahmenprogramm im Geiste erstellt, Essensquellen  auf der Insel eruiert... Vorbei. Schade.! Es tut sicherlich noch ein bisschen länger weh.
Aber - ich lebe, bin gesund, bin abgesichert, lebe in eigenen 4 Wänden. Zum Knuddeln gibt's den Hund. Allein allein... Corona lehrt, auch in diesen Zeiten gut mir mir zu sein.

Neues heute morgen:
Mit Helen im Ohr (und ich bei ihr) stöckerten wir. Ich bis nach Nebel und sie durch die Englischen Garten. Gemeinsam hatten wir die strahlende Sonne und das Gespräch. Eine
schöne Idee, die wir da gestern hatten. Wird wieder gemacht.

🏡 Auf Privatgrundstücken, in Wohnungen und an anderen privaten Orten dürfen sich Menschen verschiedener Haushalte nur noch besuchen, wenn dies absolut notwendig ist.
.
Sehnsucht nach der Familie, der frische Apfelkuchen oder ein Geburtstag sind zwar sehr verständliche, aber keine ausreichenden Gründe. 😌 Wir schützen unsere Liebsten und andere Menschen momentan am besten, wenn wir ihnen nicht begegnen.

Diese Hinweise des Nordfriesischen Gesundheitsamtes verbieten mir leider,  morgen an meinem 70. Geburtstag, wenigstens ein Sektfrühstück mit der Pastorin zu haben.
"Ein Schluck Segen und ein Schluck Sekt"? Passt das in Dein DONNERSTAGSPROGRAMM?
fragte sie liebevoll. Es hätte gepasst, hätte ich dies nicht gelesen.

Und so feiere ich heute den letzten Tag meines 69. Jahres.  Allein allein , aber nicht einsam.








Dienstag, 24. März 2020

Beginne, Deine beste Freundin zu sein, es gibt grad keine andere

Heute war ein Tag, an dem Ärger und Wut meine Laune bestimmt hat, der arme Herr Schmid bekam alles ab. Keine Freude und kein Lachen.

Und es ging um Geld.... oberflächlich.... Eigentlich ging und geht es darum, dass ich im Zusammenhang mit dem Storno der Ferienwohnungen einen Fehler gemacht habe: ein typischer Fiermann... schnell und unüberlegt. 4 Stunden bevor die Inseln offiziell gesperrt wurden, bat ich Arne, die Wohnung ins Netz zu stellen (Cordula hatte das vorgeschlagen und ich folgte ihr).
Dieser Fehler kostet nun mein Geld und nicht wenig.
Das Schlimmste ist, dass ich mich so ärgere über mich, dass es wehtut. Ganz tief innen drin
brennt es. Das ist Wut und Ärger. Und das Gefühl, der Wut ausgeliefert zu sein.

Wenn ich mich annehme, auch mit dieser blöden Aktion... und mir nicht mehr böse bin, bin ich einen Riesenschritt näher, meine beste Freundin zu werden.  Ja, es gibt wirklich gerade niemanden mehr.

Vielleicht passt deshalb die Überschrift heute so gut: Beginne, Deine beste Freundin zu sein.


Sonntag, 22. März 2020

"Ich lass mich ein auf die Stille, die auf die Welt gefallen ist."

Mich auf die Stille einlassen, die auf die Welt gefallen ist....
Dieses Bild gebrauchte heute ein Berliner Sänger, der im Deutschlandradio interviewt wurde.

Lange bevor ich dies hörte, spürte ich an mir, wie ich innerlich immer ruhiger geworden bin während der letzten Woche. Ich laufe langsamer mit dem Hund, ich sehe mehr von dem, was mich umgibt. Ich kann dankbar, immer wieder dankbar sein. Dankbarkeit fühlen, ganz tief drinnen,  fühlt sich wohlig an und trägt, wärmt mich von innen. Ich bin so dankbar, dass ich jetzt auf "meiner" abgeschlossenen Insel sein darf. Ein Dach über dem Kopf habe und  IMMER genug zu essen. Allein das ist ja schon, ohne Corona-Virus, ein großes Privileg.

Wir auf der Insel verhalten uns, so erlebe ich es, vorbildlich. Wir treffen einander beim Spazierengehen. 10 mal 3,5km sind 35 Quadrat-Kilometer für ca.  2.400  Inselbewohner. Da kann man sich prima aus dem Weg gehen. Und wenn wir uns treffen, winken wir uns fröhlich zu und wünschen uns "Bleibt gesund".



Tolles Wetter und einsame Strände. 
Das Wetter ist grandios. Alle haben Zeit. 
Das klingt wie das Marketing der AmrumTouristik. 


Vielen hier bereitet die verordnete Zeit große Probleme , denn es fehlt das Geld, das sie JETZT hätten verdienen müssen. Der Winter war lang. Die Kassen sind leer. Die Saison sollte dieser Tage beginnen. Es sind die Kleinbetriebe, Selbständige, die jetzt um ihre Existenz bangen und sich fragen: wie lange kann ich durchhalten? Wie wird das mit der Hilfe der Öffentlichen Hand dauern?
Was kann ich tun, um wenigstens die Fixkosten zu erwirtschaften?

Im Internet fand ich gestern das Angebot eines Gastes, der den Insulanern seinen Online-Betrieb kostenlos zur Verfügung stellt.  Vielleicht ist schon das Angebot eine Einladung zur Zuversicht.

Ich lasse mich ein auf die Stille, die auf die Welt gefallen ist.



Samstag, 21. März 2020

Vor einer Woche war ich noch draußen

Eine Zeit, die die Geschichtsbücher vielleicht als die große Wende der Welt kennzeichnen.
Und wir waren dabei.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit
(2. Tim. 1,7) Mein Konfirmation-Spruch passt gut in diese Zeit.

Vor einer Woche,  Samstag auf Sonntag, hatte ich noch einen Termin auf Sylt in meinem Ehrenamt.
Nach Rücksprache mit meinen Kollegen löschte ich alle weiteren Termine. Auf der Fähre-und später Zugfahrt kam mir die neue Welt mit Corona-Virus das erste Mal so richtig  REAL entgegen. Auf unserer "Insel der Glückseligen" haben wir viel Platz, kennen einander, sind die ganze Zeit da und waren, wie alle im Lande, zuversichtlich, dass der Virus uns nichts anhaben kann.

So vielen Menschen auf einmal, wie auf der Fähre und im Zug, war ich schon seit Monaten nicht mehr begegnet. Die Insel im wohlverdienten Winterschlaf. Die Devise hieß,  sich schön machen für die Saison. Auf der Fähre saß ich bewusst allein, im Zug im Abteil für die Fahrräder, wohl daran denkend, dass ich dort mindestes 1 1/2 Meter Platz um mich hatte. Komisch war das Gefühl schon. Du musst Dich absentieren, möchtest gerne mit den Menschen ins Gespräch kommen... und immer denkst Du "Hoffentlich holst Du Dir jetzt den Virus nicht".  Dann wieder die Selbstberuhigung:" reg Dich nicht auf, Du kennst keinen Infizierten, Du passt auf und hälst Dich entfernt und selbst hast Du noch keine Symptome".

Dienst war okay, die Rückfahrt mit dem Zug nach Niebüll auch, Fähre voll. Saß einer Bekannten gegenüber, wir setzten uns ver-setzt, damit wir uns nicht direkt an-atmeten, der Tisch zwischen uns  ist bestimmt weniger als ein Meter breit. Befreundete Insulaner kamen bestens gelaunt aus Hamburg.
"Super, Du kriegst überall einen Parkplatz, in den Lieblingsrestaurants musst Du nicht mehr reservieren" Upps. Und "Ach ja, nicht vorstellbar, dass wir vor 11 Tagen noch im Elsass waren".

Noch nie vorher hatte ich einen Menschen gebeten, sich wirklich einen Meter von mir weg zu stellen. Spooky, das Ganze.

Richtig sicher fühlte ich mich erst in meinem Auto über die Insel fahrend. Direkt zum Friseur... mal sehen, wie lange der neue Schnitt nun reichen muss.

Inzwischen ist die Insel seit sechs Tagen  ZU - für alle, die hier ihren Zweitwohnsitz haben oder Gäste.  Insulaner unter sich. Viel draußen, viel Radio hören, viel im Internet Zeitung lesen... Corona kommt mir zwar zu den Ohren raus.. aber Input muss immer noch sein.

Ich merke, dass ich in der Tagesroutine sicherer werde. Allein mit Hund bei strahlender Sonne draußen ist schon viel mehr, als Millionen von Menschen können, die wirklich Ausgangssperre haben. Ich fühle mich sicher, geborgen und privilegiert.  Ich darf in einer eigenen Wohnung wohnen und bekommen monatlich meine Rente. Die ist mir sicher. Diese Sicherheit haben heute viele Amrumer nicht mehr.

Die Restaurants beginnen, die Insulaner mit Take-away-Mahlzeiten zum erfreuen. Essen ist Fun und Abwechslung und Rauskommen. Und vor allem: die keinen Unternehmen unterstützen. Wenn wir nicht ihre Pizza essen, von draußen darf jetzt keiner rein. Also:
Heute gibt es Pizza.
Und ein Pfund Zuversicht.