Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Freitag, 17. August 2012

Du lebst den Traum vieler....

Und ob ich das weiß!
Jetzt zum Beispiel sitze ich völlig entspannt nach zwei anstrengenden schönen Tagen auf der Insel der Schönen und der Reichen hier bei mir... ein Glas Rotwein und eine Zigarette zum Abschluss des Tages und zur Anregung des Schreibflusses, Stille mit Grillengezirpe, alle Veluxfenster geöffnet, um die Frische der Sommernacht zu spüren. Herr Schmid schläft wie ein Baby in seinem Haus.
In mir und um mich ist Frieden.

Heute abend vor 8 spielten Schmid und ich noch auf dem Kniep. Der kleine Mann war während der Sylt-Tage so tapfer und brav, dass er sich die Tobestunde wirklich verdient hatte. Zum Glück besitzen wir einen Gummiball an einer Gummischnur, den auch ich weit werfen kann, schleudern, um es genauer zu sagen. Hätte ich die heutige Technik des Schleuderns schon zu Schulzeiten heraus gehabt...wäre ich auch bei den Sommer-Bundesjugendspielen mit einer Urkunde belohnt worden. Nun, alles hat seine Zeit. Schmid hatte einen Heidenspaß. Auf dem Nachhauseweg holte er sich noch Streicheleinheiten von Robby, dem Strandbar-Wirt, ab und trottete dann total zufrieden mit mir. Das ist Leben im Hier und Jetzt. Der Hund zeigt mir wirklich, wie es geht.

Westerland auf Sylt... Da kamen mir heute Fluchtgedanken. Es fühlte sich an, wie wenn ich mitten in der Kaufingerstraße in München sitze... tausende von Menschen, Hunden, Geschnatter und Gezeter. Dankbar nahm ich den Bus nach Hörnum, um wieder auf die ruhige Insel zu fahren. Auch Schmid war froh, wieder hier zu sein.
Dennoch: einmal Sylt pro Monat ist die Inselkoller-Vermeidungsstrategie.
Und... eine Amrumer Freundin empfahl mich zu ihren "Hair-Stylisten"... so schöne Strähnen bekam ich bisher nur in München... Dafür zahlte ich dann auch gerne Münchner Preise.

Ich lebe den Traum vieler... stimmt bestimmt. Ich lebe meinen Traum? Eigentlich hatte ich nie den Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben... es war die Sehnsucht nach einem Zuhause, nach einem Ort, an dem ich mich wohl fühle, richtig fühle. Meistens jedenfalls. Ja, es war immer eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Der folgte ich und landete hier.

Das konnte ich erst, als ich frei war von beruflichen Verpflichtungen, gesichert durch Rente und Altervorsorge. Es macht mich traurig, wenn ich denke, zu welch niedrigen Löhnen sich die Menschen hier verdingen, im Gastro-Bereich. So können sie nie auf eine gute Rente rechnen. Ich bin dankbar für meine finanzielle Sicherheit, die sich wie eine Hängematte anfühlt.
Andererseits könnten weniger Besitzstände auch wieder größere Freiheit bedeuten, denn ich muss nicht festhalten, ausharren. Und könnte viel früher meiner Sehnsucht folgen?

Und: Finanzielle Sicherheit - ist das nicht eine Illusion, eine Riesenillusion?
Was ist denn, wenn der Euro nichts mehr taugt? Wenn ihn keiner will? Dann haste was und kannst damit gar nichts anfangen. Er gibt keine Sicherheit und kein Brot.
Dann besinnst Du Dich auf Deiner Hände Arbeit und erarbeitest Dir, was Du brauchst.

Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe, arbeiten kann und Freunde habe. Und wenn dies auf diesem wunderbaren Fleckchen Erde gelingt, ja, dann leb ich meinen Traum - und den vieler?