Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Montag, 11. Juni 2012

Geduld und Langmut...

Als Gast nehme ich es - mit erhöhten Augenbrauen und leicht genervt - hin, wenn Eltern mit ihren lauten, ungeduldigen Kindern, die ständig motzen und immer "neeeeeeeeeeeeiiiiiiin" blöken, beim Frühstück sitzen, lange ... von ganz früh bis zum Ende.
Als Frühstücksfee sehe ich mich auch in der Verantwortung, den 16 "BestAger"- Gästen gerecht zu werden, die genervt sind und mitunter nicht gute Miene zum Spiel machen.
Bitte ich die Eltern, ein wenig dafür zu sorgen, dass die Kinder zur Ruhe kommen, diskrimiere ich die Eltern und stelle mich als kinderfeindlich hin. Bitte ich die Kinder, schaltet sich die Mutter ein.

So heute geschehen. Maddox, ein 1 1/2 Jähriger mit ziemlich lautem Organ, passte beim Frühstück nix. Ein hartgekochtes Ei hatte  ich ihm bemalt, er hatte seinen Stuhl und wollte immer das, was andere gerade hatten. Hätte sie ihn doch mit der Salamischeibe spielen lassen... So musste er sie weg tun und quakte wieder rum.
Irgendwann hatte meine Geduld und Langmut ein Ende und ich bat den Jungen um Ruhe. Er schaute mich an und verstummte. Er quakte weiter, als Muttern das nicht stehen lassen konnte. Es gab eine Unterhaltung mit ihr, die ich gar nicht wollte. Und.... sie kündigten das Frühstück und die Halbpension. Nicht bei mir, sondern bei unserer Hotelfrau... Ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, wäre ich geduldiger gewesen, hätte ich ihnen den Urlaub nicht versaut.
Andererseits: Abendgäste beschwerten sich schon. Und irgendwann wäre mir der Kragen eh geplatzt.

Ich weiß, dass mir die "BestAger"  dankbar sind. Ich weiß, dass abends jetzt wieder Friede im Restaurant herrscht und die Lage entspannt ist. Muss also mit der Buhmannrolle leben.

Was an mir nagt, ist, dass ich nicht die liebe Frühstücksfee bin, die alles mit Geduld und Langmut begleitet, lacht, wenn es am hektischsten ist. Ich ärgere mich, dass ich eigentlich die Mutter zurecht gewiesen habe, was mir nicht zusteht. Das hat sie ganz sicher, und mit Recht, als übergriffig erlebt.
Schließlich zahlen sie für ihren Urlaub, das Essen und den guten Service.
Aber... sie haben nicht das ganze Hotel gekauft.
Ihre Freunde, mit denen sie reisen, können ihre Kinder wunderbar mit zum Essen nehmen. Die Kinder haben ihre Freude am Essen, zicken nicht rum... und wirken dabei weder angepasst noch dressiert, sondern einfach gut erzogen, gelassen und fröhlich.

Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen?
Ich mag wohlerzogenen Kinder. Ich will Mütter erziehen, die ihre Kinder nicht erziehen... , was mir nicht zusteht. Ich werde mich mit noch mehr Geduld wappnen, denn die Saison fängt ja erst an.  In die Küche gehen, tief durchatmen und weiter machen. Lächeln hilft vielleicht.
Und annehmen, dass ich hier einen Fehler gemacht habe, den ich schlecht revidieren kann.

Es fühlt sich für mich nicht gut an, jemanden enttäuscht und verletzt zu haben. Ja, ich will die Gute sein... wann lerne ich, mich mit gutem Gewissen abzugrenzen?

Vielleicht sollte ich auch mit mir Langmut und Geduld haben.