Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Samstag, 21. Mai 2022

"Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!"

Ganz banale Gedanken begleiteten mich durch den Tag. 

Neulich ging es um Erben und Nachbarhund. Der bloße Gedanke verselbständigt sich und dreht mit einer irren Eigendynamik einen schlechten Film. Doof ist nur, dass ich ganz selten sofort den Aus-Knopf finde, sondern es gewinnt die Eigendynamik.

Etwa so wie bei Watzlawick's "Geschichte vom Hammer"

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommen ihm Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" 

Erst der lange Strandspaziergang mit Schmid und Nachbar’s Hund pustete mir den Kopf frei von diesem Gedanken-Müll.

Ach, wenn es doch nur immer schneller ginge mit dem Klären. 


Der Silberstreif am Horizont

                       

Montag, 16. Mai 2022

„Du sollest schreiben“…

 In den vergangenen 12 Monaten schenkten mir liebe Menschen Kladden, um endlich mit dem Schreiben zu beginnen. Einen Probekurs in einer Schreibschule belegte ich.   „Sie schreiben sehr gut…“ hätte als Rückmeldung reichen sollen, mich bei der Stange zu halten.

Der innere Schweinehund oder das Gefühl,  eh nichts zu sagen und schreiben zu haben… lassen mich immer neue Ausflüchte finden.  Und. Nun. Martinas.Kuschel-Notebook…kann mit ins Bett, drückt nicht, macht keine Falten und wärmt. 

Es brauchte wieder zwei Jahre, um den Weg hierher zu finden.

Zwei Jahre Corona… mit viel Alleinsein, Altes in Frage stellen… mich auf mich selbst rück-besinnen… und testen, testen, testen. Neue Technik mit alten Freunden, Zoom Sessions mit USA vor der Wahl und nach der Wahl, zu Rassismus und Supreme Court.  Herr Schmid war ganz viel die einzige Konstante und strukturierte meine Tage. Weite Spaziergänge und Fahrten mit dem neu erworbenen gebrauchten eBike. Wenn die Eisdiele in Norddorf DAS Highlight des Tages ist und ein Hochgefühl verursacht…  Die Insel ganz allein für uns… das ging bis Mai. Ende 2020 noch einmal der Lockdown. Ich finde, ich habe es ganz gut gemeistert. Was das alles mit mir gemacht hat? Den Blick von außen haben andere. Ein bisschen mehr eigen, ein bisschen mehr speziell. Na und? 

Fünf Familien-Monate in München liegen hinter mir. Keine Vergnügungsreise, eine 8erBahn mit Loopings, ganz unten und ganz oben und irgendwie ein Durch- und wieder Ankommen hier. Und immer noch Corona und jetzt auch der Krieg. Das Leben holt sich den Comfort zurück, in dem wir es uns in den letzten 30 Jahren kuschelig eingerichtet hatten…. 

Krieg ist grausam, barbarisch  unmenschlich, egal wo und wer gegen wen. Krieg darf nie das Mittel der  Wahl bei der Verfolgung von Zielen und territorialen Ansprüchen sein, ganz abgesehen davon, dass  keine Ansprüche erhoben werden dürfen.  Und doch… Krieg vor der eigenen Haustür in den heutigen medialen Zeiten mutet an, als wäre ich selbst mitten drin. Gott sei Dank ist mein Bewusstsein und meine Verantwortung gewachsen. Lieber kalte Füße und drei Pullover und Jacken übereinander, als Putin die Energiemilliarden in den Kremel zu schicken.  

So sitze ich hier in „meinem  Garten“ im Strandkorb, melde mich bei mir zurück und werde den Blog jetzt nutzen für Gespräche mit  meiner besten Freundin, denn die bin ich mir inzwischen wirklich geworden. Corona sei Dank 🙏🙏🙏