Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Montag, 10. Mai 2010

Und dann fahr ich...





...mit dem Rad durch meinen Lieblingswald – von Nebel über die Vogelkoje nach Norddorf. Jeden Huckel kennt mein Hintern, manche Wellen er-fahre, ich als säße ich auf dem Rücken eines Pferdes (Helen möge mir verzeihen, das fühlt sich wahrscheinlich gaaaanz anders an), ich fließe und fliege dahin, durch einen Wald, der aussieht wie ein Dom mit einer lindgrünen Kuppel. Minihäschen kreuzen meinen Weg. An der Vogelkoje begegne ich endlich den Graugansfamilien mit ihrem Nachwuchs (nicht älter als 5 Tage), stolz warten an jeder Ecke Fasane, die ihren Hintern nicht mal vom Weg nehmen, wenn ich klingele (Helen mit Deiner wunderbar lauten Klingel, die keiner überhören kann).
Verbunden mit allem und allen, die dort sind, mit den Tieren, der Natur, den „Frauen auf dem Grill“, alte Damen, die in der Sonne sitzen und mich bitten, dass ich ein Foto von ihnen mache, fühle ich mich. Verbunden und mit mir. Das ist Amrum (für mich).

Warum Amrum????



... fragte mich heute ein Gästeehepaar beim Frühstück. Ja, warum eigentlich? Es hätte auch Juist oder Sylt werden können – oder nicht?

Meine erste Begegnung mit der Nordsee hatte ich in der Nähe von Wilhelmshaven. 1984, Helen, meine Tochter, damals fast 2 Jahre alt, landete nach 15 Minuten kopfüber und total im schwarzen Schlick – aus der Traum vom Tag an der Nordsee und Watt fand ich doof und dreckig.

1990, immerhin 6 Jahre später, gewannen wir einen Sechse im Lotto, nein: erhielten einen Platz zur Mutter-Kind-Kur in Keitum auf Sylt – wieder am Watt. Wie oft fuhren wir mit dem Fahrrad an die „schöne“ Seite, wo das große weite tosende Meer Dir zeigt, wie klein du wirklich bist, wo der blanke Hans seine Kraft immerwährend zeigt, wo Du nie ein selbes Bild siehst, wo sich immer was tut, wo die Weite des Himmels Deine Seele befreit und dein Herz erleichtert, wo die Bronchen frei werden und
Ab 1993 verlebten wir einige Mutter-Kind-Ferien auf Wangerooge. Eine schöne Familieinsel mit vielen Ponies. Helen war glücklich und ich fuhr immer mit dem Rad um die Insel. Auch schööööön.

„Lass uns mal nach Amrum fahren“, meinte 1994 ein Mann, den ich kennengelernt hatte. Letzte Oktoberwoche – Friesenhaus mit Reet, eine gesunde Mischung aus Sturm, Sturmflut und sonniges ruhiges Oktoberwetter, Radfahren durch den wunderbaren Wald. Den Mann vergaß ich schnell – die Insel diente meiner Klärung – der Inselwald war als Bild im Gedächtnis verankert.
Danach kam nur noch Kur an der Ostsee – auch schön....

Als ich die Altersteilzeit als mein optimales Berufsaustiegsprogramm definierte und entschieden anging, gab es im Freundeskreis Stimmen, die meinten, ich sei zu jung, um alt zu werden. „Stimmt“ entgegnete ich und philosophierte, ich könne ja, wenn ich was anderes im Leben haben wollte, Frühstück auf einer Nordseeinsel machen. Von diesem Zeitpunkt an (und die Idee des Frühstücks war so dahin gelabert) traf ich nur noch Menschen, die auf Amrum glücklich sind, dort her kommen, dort immer wieder hinfahren, die Insel kennen und lieben. Es gab kein Entrinnen mehr, keine andere Insel als AMRUM.
Immer wieder ist es Zuhause - ein HierSEIN. Immer wieder und jeden Tag neu.
Ja, es gibt eine lenkende Energie, die einen Sog ausübt, dem ich mich nicht entziehen kann.

Und warum das so ist? Egal.