Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Freitag, 6. Juli 2012

Das Leben geht weiter...


Die vielen Kerzen, Blumen und Briefchen werden langsam vom starken Ostwind zugesandet...
Damit zeigt uns schon die Insel, dass das Leben weitergeht....

Der tragische Tod des kleinen Sebastian begleitet uns...
Gestern abend besuchten wir - die Schwarzwaldtruppe und ich - die Musikalische Abendfeier in unserer wunderbaren Nebeler Kirche.
Vor den tragischen Ereignissen hatte ich unsere Pastorin getroffen und und mit ihr besprochen, dass an diesem Abend Gesa's Lieblingslied gesungen würde und damit Gesa ganz bewusst bei uns zu haben - in dieser herrlichen Kirche.

Pastorin F gelang es in dieser Abendfeier, der Trauer um Sebastian ebenso Raum zu geben wie dem Glück, dass wir alle leben, auf der Insel sein dürfen, die "heiligen Tage" Holi-days genießen. Es ist ihr auf wundersame Weise gelungen, auch wieder ein wenig Leichtigkeit zu schenken, zumindest gab es dafür das Angebot. Ich konnte es gut annehmen.

Ja, na klar, und Gesa's Lieblingskanon sangen wir auch:

Ich will den Herrn loben allezeit,
allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein,
in meinem Munde sein,
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein,
||: in meinem Munde sein :||.




Ich ging ganz beseelt nach Hause. Wie immer nach der Abendfeier. Diese Freude werde ich mir jetzt öfter gönnen.

Alles wird wieder gut auf der Insel.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Ich hab doch nur ein tiefes Loch gebuddelt

Leider kann der kleine Sebastian das nicht mehr erzählen.

Nein Tina, die Polizei geht, aber das habt Ihr alle schon in den Nachrichten gehört,
davon aus, dass er ein so tiefes Loch und eine Sandhöhle gebuddelt hat und dabei
der Sand über ihm zusammen gebrochen sein muss. Ein schreckliches Unglück ist auf der Insel passiert. Meine Gedanken gehen von "welchen schrecklichen Todeskampf muss er kleine Kerl gekämpft haben" bis "wie kann ich als Eltern und Schwester mit diesem Unglück und dem Verlust des geliebten Sohnes weiterleben?"

Und andererseits ist da auch eine Art Erleichterung, die der quälenden Ungewissheit weicht.Wir alle auf der Insel trauern, Sebastian ist in aller Gedanken. Heute abend war ein Gedenkgottesdienst in der kleinen Kapelle in Wittdün. Ich habe für ihn am Kniep gebetet und mir mit Schmid die Füße vertreten, nach einem ziemlich bunten Tag auf Föhr.

Vielleicht kann ich heute Nacht mal wieder ruhiger schlafen. Ich wünsche es mir.

Es ist traurigruhig auf der Insel.

Dienstag, 3. Juli 2012

Hat die Insel ihre Unschuld verloren?

Die Leichtigkeit der Insel, des Sommers ist verflogen. Bleiern lastet die Ungewissheit über das Verschwinden eines 10jährigen Gastjungen auf ihr.
Wo gestern noch die Rotorengeräusche von zig Hubschraubern dominierten, liegt jetzt die Stille schwer auf der Insel... Keine Hubschrauber mehr, keine Suchtrupps, keine Spürhunde... seit gestern späten Nachmittag.
Wachte ich auf, dachte ich an den Jungen und daran, was passiert sein mag. Es quält mich.
Erinnerungen an Maddie werden wach... nur, jetzt ist es so nah und ganz anders, als es einfach in der Zeitung zu lesen. MICH hatte der einsame Polizist am Sonntag Abend gefragt, ob ich einen kleinen Jungen gesehen hätte... und stapfte weiter in die Dünen... in der Hoffnung, er werde ihn finden, im Spiel versunken. HIER fuhren die Feuerwehren nächtens durch die Orte mit Lautsprechern und suchten nach ihm: "Sebastian, komm nach Hause" oder "Es wird Sebastian gesucht..."
Mutter und Polizei gehen inzwischen von einem Verbrechen aus, das Wort "Entführung" geisterte gestern erstmals duruch die Insel und steht heute in BILD...

Es ist grad nicht alles gut auf der Insel... seit Sonntag

Sonntag, 1. Juli 2012

Wasser, Wellen, Wohlbefinden...

Ganz irritiert war die Mutter an den ersten Tagen... keine Nordsee weit und breit.
"In Stolpmünde..."begann jede ihrer See-Erinnerungen. Die liegen 75 Jahre zurück, als man nach Pommern in die Sommerfrische fuhr, dort ein Haus für die ganze Familie gemietet und auch eine heimische Kochmamsell zur persönlichen Unterstützung hatte...
Lang lang ist's her. Vieles hat sich seitdem verändert. Pommern liegt schon lang nicht mehr innerhalb der deutschen Staatsgrenzen, Mamsell sind wir selber, Großfamilie wich der Kleinstfamilie... Nur... das Meer hat Wasser, heute wie früher.
Allein... wo auf Amrum ist die Nordsee?

Bei mir geht's zum Watt, das immer dann, wenn wir dort liefen, trocken lag. Auf der anderen Seite - der Meerseite - ist der breite Kniep und man läuft 30 min, bis man zur Wasserkante kommt.

Ein Abendausflug erfüllte alle noch offenen Wünsche...nach Nebel direkt an den Strand.
Gut für Senioren. Vom Parkplatz läuft man noch ca. 300 mtr. bis zum Wasser - so es da ist....
Mutters Gesichtsausdruck wurde fröhlich, heiter und erkennend... Wasser mit Schaumkronen, superfeiner weißer Sand, den man durch die Finger rinnen lassen kann.

Gestern abend blieben wir sogar zwei Stunden am Strand... das auflaufende Wasser hatte eine wahnsinnige Kraft und drückte sich förmlich rein ins Land. Die Luft war so lau wie noch nie vorher. Der Wind war nicht mehr... was für ein wundervoller Abend.

Ich habe das Gefühl, dass Muttern sich, nach anfänglichen Akklimatisierungsschwierigkeiten, einer unendlich wohligen Mattigkeit, hier pudelwohl fühlt, auch in meiner Wohnung. Die Unternehmungen mit der Schwarzwaldtruppe sind fein, alleine ist sie auch gerne (wenn ich arbeite), die Insel hat sie nun in ihrer Geographie begriffen. Und Gott sei Dank... das Wasser ist da.

Grad sitzt sie im Guckestuhl und sieht den Wolken zu, die vom Wind über den Himmel getrieben werden. Ein schönes Bild... sie zufrieden im Sessel ihres Vaters.

Alles ist gut auf der Insel
(und das Wetter ist's jetzt auch!!!)

Donnerstag, 28. Juni 2012

So viel Landschaft und Stille...

Mutti meinte heute morgen, als sie auf dem Guckestuhl saß, während ich mit Schmid am Strand zum Toben war: "Gott sei Dank hörte ich die Müllmänner mit ihrem lauten Wagen. Hier ist alles so still, dass ich schon dachte ich sei taub."

Stille überall. Und Landschaft. Und Himmel... leider immer nur grau. Wunderbare Gärten mit Rosen in allen Variationen, bepflanzte Friesenwälle, total ermüdendes Reizklima, den leckersten Apfelkuchen von der ganzen Welt, Fischbrötchen und nette Menschen, ein super bequemes Bett und Ausschlafen bis zum Aufwachen. Muttern schlief wirklich von gestern 18.00h bis heute morgen 1/2 9. Ganz benommen vom vielen Schlafen schmeckte das Frühstück trotzdem. Kleine Sightseeing Tour nach Nebel mit obigen Eindrücken. Und schon wieder ist sie in ihr Bett geklettert. Heute abend muss sie ein bisschen durchhalten... FuBall...Also ist Vorrats-Schlaf angesgt.
Sie fühlt sich wohl und das ist wichtig.

Die "Schwarzwaldtruppe" schaut heute abend bei mir. So ein Spiel kann man nicht alleine gucken, oder?
Damit die Jungs und Mädels neben Fisch- und anderen Brötchen auch noch was Warmes in den Bauch kriegen, koche ich eine Gemüsesuppe, hänge ein paar Würstchen rein und gut ist. Dazu kühles Bier mit Plopp Verschluss... dann müssen die Fußball Jungs nur noch zeigen, was in ihnen steckt und dass sie die Angst gegen die Angstgegner wirklich verloren haben.
Ganz treffend gestern abend in einer Talkrunde ein Vergleich:
"Bei unseren Jungs, wenn die mit Inbrunst unsere Nationalhymne singen, denkst Du immer, die haben sich grad noch den Gutenachtkuss von Mutti abgeholt. Schau Dir die Italiener an: kernige MÄNNER, Machos, die getrieben sind und vor Kraft strotzen."

Juhuuuu, die Sonne lugt aus den grauen Wolken und macht gleich alles ganz fein hell.
Zeit, um die Suppen Ingredenzien zu besorgen und Schmid wieder zu bewegen.

Wer immer dieses liest, möge unseren FuBall Jungs die Daumen drücken und an sie glauben.

Alles ist gut auf der Insel.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Angekommen...

Als hätte tatsächlich "anderen Orts" jemand für die Inszenierungen gesorgt.

Schmid und ich entstiegen gestern der W.D.R. Fähre in Dagebüll, um meine "VIPS" persönlich in Empfang zu nehmen. Eigentlich wollte ich Schmid noch ne Runde von allem gönnen. Ging aber nicht, denn.... just als wir an Land gingen, erschien an der Einfahrt ins Fährgelände.... das Freudenstädter Wohnmobil... welch ein Timing.

Schmid und ich schlichen uns an, klopften ans Fenster: "Die Amrum-Touristik heisst Sie herzlich willkommen. Für Besondere Gäste haben wir den Service der persönlichen Fährbegleitung. Seien Sie also von nunan unsere Gäste"....
Die haben gestaunt.

Die Sonne lugte raus, als wir auf die Insel kamen und sogar gestern abend in meinem Lieblingslokal lachte die Sonne aus dicken Wolkenbäuschen... nur für uns.

Das viele graue Wasser ums Schiff machte Mutti Angst... "Wie kann man nur hier leben?"
Die herzlichen, frischen und sehr sehr netten Menschen um mich rum lassen sie verstehen.
Ich muss gestern vor lauter Freude, dass sie die Reise wirklich gemacht hat und hier ist, so gestrahlt haben, dass die beiden Mitreisenden aus der "Schwarzwaldtruppe" nicht glauben konnten, das "des Määdle" schon 62 ist.
Muttern auch: Du siehst so gut aus, so jung, Deine Haare so toll... man sieht keine Falten... Na, wer sagt's denn!

Grad nieselt es noch ein wenig... hoffentlich ist das bald wech... und Muttern hat ausgeschlafen... sie macht grad ein Nickerchen auf meinem Lieblings-Nickerchen-Platz...
dann wollen wir ein Stündchen laufen, vor dem nächsten Nickerchen. Mit 85 ist der Radius eben nicht mehr so groß. Muss er ja auch nicht mehr.

Alles ist gut auf der Insel.

Sonntag, 24. Juni 2012

Schön getrunken...

haben wir uns den Regentag... es schüttete wie aus Kübeln...

Käsekuchen, Tee, dann Rotwein und Käse.
Es war wirklich sehr sehr nett mit den Freunden von Pellworm. Lange hatten wir uns nicht gesehen. Und nun war es wieder, als hätten wir uns gestern erst verabschiedet. Ein kuscheliges Gefühl, Gespräche da fortzusetzen, wo man vor 1 Jahr aufgehört hat.

Freundin U präsentierte mir ihre neue Liebe. U ist eine Frau, die im Leben nicht daran gedacht hatte, es je wieder mit einem Mann zu teilen. Ein Appartment hatte sie bei ihm gemietet... auf Pellworm. Ein offenes Budget gab er ihr, diese Sommerresidenz einzurichten... es sollte auch für ihn als Ferienwohnung dienen, wenn sie in Hamburg lebt...Er richtete mit ihr ein, sie trafen sich bei Ikea, suchten gemeinsam Möbel, Gardinen und sonstiges Interieur und... fanden einander. Statt in die Sommerresidenz zog sie bei ihm ein... und traute sich hinein in die neue Liebe. Schön ist sie, locker ist sie... die Liebe steht ihr gut zu Gesicht.

Ich genoss den Nachmittag, die Gespräche. Spürte die Dankbarkeit, mit der ich hier lebe.

Alles ist gut auf der Insel.