Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Mittwoch, 13. Mai 2020

Ein wonniger Hauch von emotionalen Momenten

Muttertag... war nie ein Tag, an dem meine Tochter bei mir war, zumindest nicht seit ihrem Studium.
Strahlendes Wetter...Hundelauf mit emotionalen Hindernissen.
Nach sieben Wochen kommt mir doch am frühen Morgen am Strandübergang eine Dame entgegen, die sich auch noch in die Diskussion einmischt, die ich gerade mit Herrn Schmid führte. Übergriffig, Zweitwohnungsbesitzer... trifft auf Aggression einer Inselbewohnerin, die Bedenken wegen der am 18.5. beginnenden Überflutung hat. Keine schöne Vorstellung. Den ganzen Tag verfolgt mich diese kurze Edisode... warum wurde ich gleich aggressiv? Wieviel Ängste habe ich wirklich, dass gleich so viele Menschen in die "Normalität" auf die Insel kommen? Meine Angst erschreckte mich.

Sonntag um 10.00 Uhr.... das erste Mal nach sieben Wochen (klingt wie Fasten) ein Gottesdienst, ein Gefühl des Miteinanders, ein Feiern. Anne-Sophies Orgelspiel quoll erhaben und wundervoll aus dem dicken fetten Lautsprecher vor der Kirche und erfüllte den ganzen alten Friedhof und alle angrenzenden Häuser. Meine Tränen liefen unaufhaltsam. Konnte sie gar nicht stoppen. Immer in den Mund-Nasen-Alltagsschutz hinein. Erfüllende, Herz erwärmende 20 Minuten des vertrauten Miteinanders. 

Am Nachmittag gab's Spargel und Regen und Film und Faul.  Das genießen zu können, habe ich in sieben Wochen Corona- Lebens-Abstinenz gelernt.

Montag... der wonnige Hauch emotionaler Momente entwickelte sich zu einem wahren Sturm....
Frisör... neue Strähnen und neuer Schnitt, neuer Kopp und ein neues Gefühl von "es wird wieder".
Hingefahren war ich mit Astrid.... wir dürfen ja zu zweit mit Freunden.  Dort dann "unter Frauen" vereint.... so herrlich normal.  Astrid weinte vor Freude im Auto auf der Heimfahrt.

Und doch trügerisch.

Denn...am 18. Mai gehts wieder los. Mit den Kliniken, mit den Gästen, mit Restaurants.  Mit fremden Menschen, die hier her kommen. Bei derzeit circa 1000 Infizierungen am Tag in der ganzen Republik scheint es eher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet ein Infizierter auf die Insel kommt und seine Viren erfolgreich verteilt. Trügerisch. Sagt heute jeder Virologe.
Abstand mit Anstand ist auf Amrum und Föhr die Devise. Abstand und Mundschutz. Die Pandemie wird unser ständiger Begleiter sein.

So isses und so bleibt es erst einmal. Auch das ein Hauch von Normalität.





Samstag, 9. Mai 2020

Urlaub an der Costa Corona

Die Maske wird auch im Sommer ein ständiger Begleiter werden.(von der SZ geklaut)

Ab 18.Mai heisst es wieder: 
Urlaubs-Stimmung, Lieblings-Lokal, Eis essen, in der Strandbar Menschen treffen, Strandwanderungen, gemeinsam Wein trinken.... Freunde treffen, die auch immer auf der Insel sind...Natur genießen... als Selbstversorger bei Edeka einkaufen... Fahrrad fahren im Pulk...
aber auch 1,50 m Abstand halten, Mund- und Nasen-Maske tragen (beim Einkaufen und beim Essen gehen... Fahrrad fahren mit Abstand und Anstand....

Bisher waren wir auf Amrum verschont geblieben von Infektionen, die man nicht nachvollziehen kann, vom unsichtbaren Virus, das durch unser Leben wabert.
Dafür können wir sehr da dankbar sein. Und jetzt? Kommt die ganz normale Welt und neue "Normalität" oder neue Corona-Wirklichkeit zu uns. Jetzt werden auch wir erleben, wie es sich anfühlt, lieber vom Bohlenweg  herunter zu steigen, um den nötigen Abstand zu Fremden zu gewährleisten. Sich bewusst nicht in die "Hotspots" zu begeben, um sich nicht in Gefahr zu bringen, Herauszufinden, wann die sichersten Zeiten für draußen sind.
Jetzt erleben wir das Leben, das für unsere Kinder aufm Festland schon seit Mitte März Normalität darstellt. Unfair? Nö.

Die Insel-Wirtschaft muss langsam anlaufen. Dafür brauchen wir die Gäste. 
Wir werden uns an die Masken gewöhnen, die wir  öfter auf Mund/Nase tragen. Wir werden uns an die vielen Gäste gewöhnen, die wieder Leben auf die Insel bringen und zugegebener Maßen auch ein Infektionsrisiko.

Sehr gespannt bin ich auf die Kompetenz des Gesundheitsamtes, das für Sicherheits- und Hygiene-Konzepte grünes Licht geben soll. Auch darauf, ob sich die Ideen, die sich Festländer im Vorfeld über Quarantäneregeln gemacht haben, auf den Inseln realisieren lassen. 

Und vielleicht wird es ein Wunder geben und wir bleiben weiterhin verschont und dürfen weiter  auf einen Impfstoff hoffen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dienstag, 5. Mai 2020

My own Business

Warum müssen Politiker sich immer profilieren und versuchen, höher zu pinkeln als die anderen?
Der eine will die Restaurants aufmachen, der andere die Kitas, der dritte öffnet die Grenzen zu Dänemark und in MecPomm kann man wieder Urlaub machen.

Ich stelle bei mir Unverständnis fest. Unverständnis darüber, dass sie erst laut gackern, dann vielleicht an den Strukturen arbeiten und später vielleicht ein Ei legen. Warum nicht erst die Arbeit leisten? Und wenn alle Wege geebnet sind, man das Gefühl hat, die Maßnahmen könnten wirklich helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen UND das normale Leben wieder flott zu bekommen, DANN die Maßnahmen im Einklang mit allem und allen kommunizieren.

Gestern schrieb ein Journalist (wie ich finde, richtig), so könnten nur Menschen argumentieren, die sich die Vernunft und Langsamkeit leisten können, die nicht unter dem Druck stehen, ganz schnell wieder Geld verdienen zu müssen und  dabei ihre Kinder  guter und sicherer Betreuung zu wissen.
Ja, ich bin dankbar für meine privilegierte Situation.

An mir selber merke ich, dass mir eine VERNÜNFTIGE  (Wieder) Öffnung in Corona Zeiten keine Probleme machen würde, wenn ich immer das Gefühl haben könnte,  dass die Argumente und die Art der Beschlussfassung in den einzelnen Bundesländern motiviert sind von ganzheitlichem Denken... Gesundheits,- Soziale und Wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.

Für mich gilt bei jeder Art von  Öffnung ... 2 Meter Abstand, Maske in geschlossenen Räumen  und beim Einkaufen auf jeden Fall. Radfahren nicht auf engen Wegen. Ich will niemanden anhusten und will auch von niemandem direkt angehaucht werden. Bei Anstrengungen kommen halt  mehr Tröpfen raus als im ruhigen Laufen.

Und wie immer: es ist meine Haltung, meine Sicherheit, mein persönlicher Umgang. Meine Rücksichtnahme anderen gegenüber, meine Selbstverantwortung.



Montag, 4. Mai 2020

Wir leben... mit Corona

SinnKrise...Sendepause.
Keine Gedanken, keine Worte, kein neuer Post.


So ein Inselleben mit Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing ist schon etwas ganz Neues.
Wirklich? Nicht wirklich.

Mein Radius mit Auto und neuerdings eBike ist 10 km nach Norden und zurück, jeweils drei km durch die Dünen. Am Ende ist immer Wasser, mal mehr und mal weniger.

Während der letzten Wochen änderten sich meine Hundewege ein wenig , zumindest in der Richtung.

Morgens in den Dünen
Der schönste Konzertsaal der Welt
In den Vordünen











Nicht wie immer erst durch die Dünen, dann  durch den Wald, am Watt nach Hause. Nein.  Erst am Watt, dann durch den Wald in die Dünen nach Hause.  Das Licht ändert sich, das Wasser eh und das Konzert der Vögel im Wald. Früher am Tag scheinen mehr Vögel und lauter zu singen. Mit der Zeit des Zuhörens und Genauer Hinhörens wird es ein Sinfonie-Konzert allererste Güte. Mit hohen und tieferen Tönen aber auch mit zunehmender Tiefe, Fülle.   Dieses Klangerlebnis entgeht mir, wenn ich zuerst durch die Dünen wandere und auf dem Heimweg durch den Wald. Faszinierend.
Das Licht ändert sich. Die Sonne im Rücken macht in den Dünen ein Goldenes Licht.
Der Hund hat in den Dünen immer seinen Spaß... egal wie das Licht fällt oder ob wir Corona haben oder nicht.

Morgens bin ich am Strand und im Wald allein. Allein allein, mit mir allein, mit dem Hund allein und oft auch mit den neuesten Corona Podcast im Ohr. Dieses Ritual hat sich auch in Corona Zeiten nicht verändert.

Social Distancing bekommt ab heute eine neue Dimension. Bisher sind wir InselBewohner mit erstem Wohnsitz  (Insulaner würde ich mich nie zu bezeichnen trauen)  entre nous. Die Handwerker kommen täglich oder wöchentlich vom Festland. Hab ich aber nix mit zu tun.
Ab heute dürfen die Zweitwohnungsbesitzer kommen. Mit allen Menschen, die zu ihrem Hausstand gehören. Dann sieht es auf der Insel wieder anders aus. Meine neueste Errungenschaft ist ein Zollstock, um wirklich zu spüren, wie weit weg man bei 1,50 m stehen muss. ZWEI GANZ GROßE SCHRITTE sind das für mich. Gut zu wissen. Maske ist von jetzt ab eh Pflicht.

"Wie geht es mir eigentlich hier?" frage ich mich immer mal. Ich möchte, in Zeiten von Corona besonders, an keinem anderen Ort der Welt leben.  Ich bin dankbar, dass ich hier und so leben darf.
Die Insel ist mir nach wie vor ein Ort der Geborgenheit.  Ich bin gerne mit dem Hund unterwegs und genieße die Weite und die Natur-Fülle. Nur Natur und immer nur Natur. Mein Auge liebt die Farben... immer noch und immer wieder.

Social Distancing hier bekam gerade mit der Mund.Nasen.Schutz-Pflicht eine neue Komponente:
Du musst sie an den Augen erkennen können, die Eiland-Mitbewohner. Das Lachen siehst Du nur in den Augen und die Stimme ist verdumpft... Ein tägliches fröhliches Ratespiel, wer Dir denn im Supermarkt gerade zugewunken hat.

Kurze Treffen in der Wohnanlage, gemeinsames Essen mit 1,50m Entfernung. Social DistanceDining ist das und tut meinem Herzen gut. Das Miteinander ist es, was auch in der Entfernung geht. Die Verbundenheit bleibt... auch mit Zollstock in der Hand und dem "Stuten-Pulli" auf MundundNase.

Abends noch ein schönes Ritual: "Der Mond ist aufgegangen" wird vor der Kirche in gebührendem Abstand zu einander miteinander gesungen. Eine schöne herzerwärmende Aktion. Jeden Abend in diesem neuen Zeiten.


Ich lebe ... mit Corona und mir.   #stayathome und #bleibtgesund









Mittwoch, 22. April 2020

Es gibt noch andere Themen ....

Corona  verlangsamt das  Leben, besonders hier auf der Insel.
Lange Spaziergänge allein, im 9 Quadratkilometer kein anderer Mensch zu sehen.  Allein in der Wüste. Jeder Tag wie der andere, die Ziele verändern sich geringfügig, die Menschen, die ich treffe, bleiben immer die selben.

Paukenschlag am Samstag: wußtest Du, dass die Mutter gar nicht mehr in ihr Betreutes Wohnen zurück möchte, bei H. bleibt und auch das Apartment aufgibt?
Und schon hatten wir ein neues Thema und neue Aufgaben.
Windelhöschen, Inkontinenz, DAK und Lieferanten von Wannenlift und WC Erhöhung, unter welchen Umständen zahlt die Pflegekasse was? Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades in Zeiten von Corona, Arzt im Urlaub und dieser ganz zufrieden mit der Konstellation, nachdem er sie gesehen hatte, die beiden alten Leutchen.  Erstaunt über  meinen Bericht der Intransparenz und der strikten Weigerung, den ambulanten Service als eine Säule mit in das Pflegekonzept einzubauen....

Jetzt geht die Zeit wie im Fluge vorbei, manchmal reicht der Arbeits-Tag nicht für  lange Telefonate mit allen Betroffenen....

Leichter ums Herz ist es mir nicht, nachdem H. rausrückte mit dem Verfalls-Zustand unserer Mutter.
Und auf der Insel eingesperrt zu sein und nicht mal eben in den Süden fahren zu können, fällt mir gerade sehr schwer. Zweifel werden im Kopf zu Horror Szenarien, Fragen zu Behauptungen und überhaupt.... wenn doofe Gedanken in diesen Zeiten im Kopf rumgeistern, empfinde ich es gerade ganz schwer, den Gedankenstop hinzukriegen und mich mit Schönerem zu beschäftigen.

Ja, es  gibt noch andere Themen außer Corona. Heute zum Beispiel bekomme ich das erste Mal seit 15.3. meinen AllerlieblingsHimbeerKuchen vom Café Auszeit to go. DA kommt endlich wieder Freude auf.

Mittwoch, 15. April 2020

"Wenn man sich täglich nur drei positive Dinge notiert...."

.... dann hat das,  wissen wir alle, einen starken Effekt auf das Wohlbefinden.

Heute begann es schon mit der gelesenen WhatsApp von Christine: "wie geht es Dir nach Ostern? Melde Dich doch mal."
Und mit der Einladung von Martina: "wenn Du spazieren gehen magst, Ruf mich an."
Die Skype Unterhaltung mit meiner Mutter und Hermann gestern als neues Tagesritual.

Irgendwann kam der Moment, in dem ich mir ganz bewusst wieder wünschte, mehr reale Menschen um mich zu haben, nicht mehr mit mir  allein zu reden.

Dazu passt jetzt ein Bild, das mir UpWithPeople Freunde über FaceBook zuspielten:
Göttlich, das globale Gefühl der häuslichen Isolation, gepaart mit so viel positivem Humor.
Ja, wir alle schaffen das wieder raus in das "Normale Leben" Whatever it then may be.

Humor ist wenn man trotzdem lacht
Ich habe heute auch schon gekocht... alle Möhren und Kartoffeln aus Kühlschrank in einen Topf. Petersilie und Mütterchen dazu. Lecker.
Und die heimische Wirtschaft unterstützt.
Und mich. Mit positiven Gedanken und lecker Essen.

Und diesen Herzigen Küstenstein fand ich heute. Diese Steine legen Wanderer an schöne Plätze. Wer ihn findet, nimmt ihn mit und sucht einen neuen schönen Platz, damit er einen anderen wieder erfreut.


LIEBE steht auf Rückseite, heute gefunden und weiterverschenkt

Sonntag, 12. April 2020

Keine Zeit für Gleichgültigkeit

Es sei keine Zeit für Gleichgültigkeit, sagte heute Papst Franziskus, als er allein im Petersdom predigte.

Zeit zur Besinnung, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Umdenken. Zeit für andere auf andere Arten. Zeit für mich selbst. Und Zeit für die Zeit.

Mein wahres Ostergeschenk ist, dass ich den jetzt pflegenden Lebensgefährten meiner Mutter in einem anderen Licht sehen kann als bisher. Und auch meine Mutter. Sie ist nun wirklich auf seine Hilfe angewiesen und er schenkt sie ihr. 24 Stunden am Tag. Mit all seiner Kraft und all seiner Liebe. Dazu wären wir Töchter überhaupt nicht in der Lage. Wir würden uns Hilfe suchen, klar. Aber emotional könnten wir das beide nicht.
Was ich bisher im Kopf hatte: Danke sagen und er macht es gut...kommt auf einmal aus dem tiefsten Herzen, aus der Erkenntnis, dass dieser Mann wirklich barmherzig ist und unsere Mutter von Herzen gerne hat. Sie bis zum Tod begleiten will.  Und es ist unerheblich, aus welchen Beweggründen heraus er es tut. ER TUT ES. Dafür  bin ich ihm von Herzen dankbar.
Auf dieses Gefühl hatte ich so lange gewartet. Deshalb empfinde ich es als großes Oster-Geschenk. Und ich bin froh für meine Mutter, dass sie ihn hat und nicht in diesen Zeiten allein auf ihre Einrichtung im Betreuten Wohnung  angewiesen ist. Sie hätten sie jetzt "weggesperrt",  zu ihrem eigenen Schutz. Daran gehen Menschen zugrunde. Wenn sie die anderen Menschen nicht mehr spüren und keinen Kontakt haben dürfen.

Nach Ostern sollen die Corona-Regeln der Kontaktsperre und Ausgangsbeschänkungen sowie des Social Distancing neu bewertet werden.  Je mehr ich darüber nachdenke, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Inseln wieder geöffnet werden. Peu à peu... was könnte das heißen? Handwerker kommen eh, Zweitwohnungsbesitzer aus Gebieten mit hohen Infektionsraten würden hier auf Unverständnis treffen.  Innerhalb der Insel... Schule mit älteren Schülern, die ihre Abschlussprüfungen schreiben müssen? Kindergärten?  Keine Ahnung. Bekommen wir alle Tests um Antikörper zu bestimmen? Und was, wenn wir keine haben? Ich erinnere mich an die Tuberkulose-Untersuchungen - früher. Habe ich Antikörper? Fein, sonst: Impfung. So war das doch?
Im vollen Supermarkt mit ziemlich engen Gängen fühle ich mich mitunter sicherer, wenn ich eine Maske trage... keine von der Sorte: ich steck mich nicht an. Nein, handgenähte mit Gummiband für die Ohren. Helen sagt: die wirken nicht. Und doch stellen sie mental eine Grenze dar und erinnern mich an den 2 m Abstand.  Für mich sind wir hier auf der Insel immer noch im Übungsmodus... der Virus wird kommen und dann möchte ich ein richtiges Gefühl für 2 Meter haben und das Gefühl, mich richtig virusfeindlich zu benehmen.  Angst vor dem Virus habe ich nicht.
Ich will mich schützen und  sollte dabei aber auch  darüber nachdenken, dass auch ich für andere eine Gefahr sein kann, den Virus in mir trage. Dieses Bewusstsein wird wohl erst wachsen, wenn wir hier wirklich die ersten Fälle auf der Insel haben.

Manchmal ein Gedankenblitz: was wird aus Herrn Schmid, falls sie mich ins Krankenhaus fliegen? Sollte ich schon jetzt Astrid fragen - vorsorglich?  Bediene ich damit nicht gleich die Self-Fulfilling-Prophecy? Ich schiebe die Frage an Astrid weg. Denn ich will mir nicht vorstellen, so krank zu werden. Auch wenn ich Risikogruppe und mit Asthma/COPD Risikopatientin bin. Ich glaube fest daran, dass der Kelch an mir vorüber geht und wir im kommenden Jahr die Impfung haben. Wir hier auf de Insel haben 35qkm Platz, im Augenblick sind wir ca. 3000 Menschen,  wenn wir eine "kleine Saison" bekommen, wenn sich die Infizierten-Zahlen konsolidieren, dann kommen vielleicht 3-4000 dazu? Immer wieder?

Das zeigt, wie wichtig es sein wird, ganz bewusst  konsequent Abstand zu halten, die Hände zu waschen und auch die Maske zur eigenen Distanzwahrung zu tragen... bis es einen Impfstoff gibt.  Nur damit schütze ich die Anderen und mich selbst.

Und wie wird sich unser Leben verändert haben, wenn wir uns wieder berühren dürfen, uns herzen und umarmen?  Wenn das "normale Leben" wieder Fahrt aufnimmt? Wieviele werden beruflich auf der Strecke geblieben sein? Wie wird ihnen geholfen? Wie wird die Gesellschaft sie unterstützen? Werden wir den Pflegekräften endlich das Gehalt zahlen, das sie verdienen und damit selbst die höheren Krankenkassen-Beiträge klaglos annehmen? Werden wir uns beteiligen? Am Wiederaufbau unsere Republik? Der Welt?

Die Pandemie geht uns alle an. Und jeden Tag mehr und immer wieder.
Nein, es ist keine Zeit für Gleichgültigkeit.