Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Donnerstag, 24. Juni 2010

Ein echter Gäste-Tag...

Vor genau einer Woche traf ich ein Seehundbaby - einen jungen Heuler - am Nebeler Strand, morgens um 8.00 Uhr. Wir hatten ablaufendes Wasser, das Baby lag jenseits eines tieferen Priels und hatte es wohl nicht mehr zum Wasser geschafft. Gestrandet.
In respektvollem Abstand bleib ich stehen und sprach mit ihm, stellte mich in den Priel und planschte mit dem Wasser. Es hob den Kopf, heulte (wirklich, das war ein lauten herzzerreißendes Heulen) und begann, zu mir in den Priel zu watscheln...dann immer hinter mir her durch den Priel, als hätte es mich zur Ersatzmutti erkoren. Das große Wasser war weit weg... so weit wollte es nicht rutschen, mein Seehundbaby. Also redete ich ihm gut zu und wir einigten uns auf Prielnähe. Dort blieb es zufrieden liegen und ich ging wieder meiner Wege, Gott sei Dank mit dem Segen eines auf dem Trecker vorbeigekommenen Strandkorbhüters, "Ja, wir werfen ein Auge auf ihn, meistens sind die Mütter ja in der Nähe, strecken immer mal den Kopf aus dem Wasser und passen auf!..."




Heute waren es zwei Heuler-Babies, die sich in der Sonne am Süddorfer Strand aalten. Und eine Frau, die sie aus gebührenden Abstand fotografierte. Sie schienen sehr müde zu sein und genossen wohl das Ausruhen...


Mein Weg führte mich heute durch das Dünengebirge... direkt am Leuchtturm gibt es einen Übergang in die Dünen, dann durch die Dünen hindurch. Da wohl alle Bohlenwege versandet sind über kurz oder lang, erinnerte sich sicherlich ein Strandvogt der Stäbe, die die Schwarzwälder Straßenbauämter im Winter an die Landstraßen stellen, damit man auch bei hohem Schnee die Straße erahnen kann. So wanderte ich von rotem Stab zu rotem Stab, Berg auf Berg ab... und kam mir vor wie in der Wüste. Viel Sand, Die Luft flimmerte und ließ mich Wege erkennen, die es gar nicht gab... Fatamorgana auf Amrum. Das Wandern durch den hohen Sand ist anstrengend. Und raubt Kraft. Und ich entdeckte, wenn ich in den Abdrücken anderer laufe, komme ich leichter zum Ziel.




Diesem Abdruck, der aufgrund herrschender Windstille nie verweht war, folgte ich. Ich denke, es ist der Abdruck einer Frau, denn die Schritte waren meinen vergleichbar...
Es beeindruckte mich, dass ich in diesem Falle lieber auf den Spuren anderer laufe als eigene zu machen... das war mir zu anstrengend. Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss?
Ich denke nicht.

Mit diesem Ausblick auf den Süßwassersee und die Dünen wurde ich belohnt und erahnte, wie großartig sich Bergsteiger fühlen nach ihrem Aufstieg. Geschafft... das dachte ich auch, rammte mir schnell noch ein spitzes Holz in die rechte Fußsohle und erreichte den Bohlenweg, um meine Sandalen wieder anzuziehen.






Meine Wanderung endete in der "Eiszeit", meiner Lieblingseisdiele auf der Insel. Mit einem Ananaseis bewaffnet enterte ich den Bus und fuhr heim.

Und wenn meine Zimmernachbarn jetzt zur Ruhe kämen,könnte ich auch schlafen.... hmmm
Morgen ist wieder früh aufstehen angesagt....

2 Kommentare:

  1. Wie schön, wie immer: Deine Geschichten laden zum Mitmachen ein. Wie gern wäre ich auch einer solchen Spur im Sand gefolgt! Ja, ausgetretene Wege gehen sich leichter, müssen aber nicht immer die besten sein - was so Aussicht, Erleben betrifft.
    Man spürt, dass du es geniesst. War am Anfang immer die Arbeit das Hauptthema, ist es jetzt purer Genuss!
    WEITER SO LIEBSTE SIGRID!

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  2. Stümmt! Das ist hier pures Lebensglück und Genuss.
    Besonders jetzt, wo das Wetter so wunderbar ist und "wir" heute im Fussball gewonnen haben... public viewing im Strand 33 - eine Bombemstimmung. Ganz wunderbar.
    Und alle Gäste waren wieder Brüder und Schwestern und vor allem alle waren sie Amrumer ;-))

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