Wir schreiben den 9. Juli 2010, es ist nicht Freitag der 13.
Und dennoch passierten heute Dinge, die eigentlich nur an Freitagen passieren dürfen, die auf einen 13. fallen.
Beim Anräumen der Frühstückstische stellte ich mein Tablett so auf die Anrichte, dass das darauf stehende Geschirr der Anziehungskraft der Erde folgte... Dreck, Scherben, Ärger über mich selbst. Eine Sekunde der Unachtsamkeit. Wahrlich ertappte ich mich bei dem Gedanken: jetzt konzentrier Dich, sonst geht es so weiter. Meine milchverschmutzte weiße Hose ging gleich in die Waschmaschine, denn ich konnte in eine schwarze umziehen. Eine weiße Bluse hing auch noch gebügelt in der Waschküche. So weit so gut.
Mein iphone lag bei Hannah im Zimmer - ein kurzer Gedanke: tu es in den Rucksack... dann kam Jes und wollte was und es blieb bei dem Gedanken. Inzwischen ist die SIM Karte gesperrt, das iphone nicht wieder aufgetaucht und ich überlege, warum dies nun passierte.
Ein iphone ist ein schönes Spielzeug, macht viele Dinge - manchmal auch Telefonate. Immer und überall kann ich mails lesen, Bilder machen und als mail verschicken, meine Lieben damit an meinem Leben teilhaben lassen. Ich kann mit allen verbunden sein.
Aber bin ich mit mir verbunden? Bin ich wirklich bei mir, wenn ich meine Freude mit anderen teile.
Nicht von ungefähr hatte ich heute "Muscheln in meiner Hand" in der Hand und bewunderte beim Durchblättern die Tiefe der Gedanken, die Anne Lindbergh beim Anblick von Muscheln entwickelte. Das habe ich so bei mir noch nicht erlebt. Nehme ich mir die Zeit, mich in Gedanken zu vertiefen oder hüpfe ich auch hier auf der Insel von Event zu Event, von Ort zu Ort. Mal eben mit dem Rad die Insel umfahren... 16 km.. das tut gut und powert aus. Aber warum setze ich mich nicht mal in den Wald oder wieder auf meine Lieblings-Bohlenwege und lausche der Stille, so wie ich es zu Beginn meiner Inselzeit konnte.
Aber heute gerade jetzt denke ich: ich bin viel zu sehr mit meinen Lieben Freunden beschäftigt, mit Tun und Treffen und machen... statt mich wirklich wieder in die Stille zu begeben - ohne handy in der Tasche. Und da ich dies nicht freiwillig täte (zumindest kam ich noch nicht auf die Idee) werde ich dazu jetzt vom Leben gezwungen.
Nichts passiert ohne Grund, das wissen wir ja.
Mir macht mein Leben hier wirklich Spass - nein: FREUDE, ich genieße die Insel, den Blick auf das Meer, die Ruhe am Strand gegen abend, das wunderbare Wasser, die TS Ausflüge nach Sylt - das Arbeiten im Hotel. Alles. Und doch kam in den letzten Tagen der Gedanke auf, dass ich mal ein wenig in die Tiefe gehen sollte, ein wenig mehr den Sinn all dessen erfassen. Und ein wenig mehr in mich hineinhören.... welch gute Gelegenheit das doch ist, fernab aller Erreichbarkeit.
Traurig bin ich über meine Schusseligkeit, dankbar über diese Einsicht.
Meine kleine Schusseljette
AntwortenLöschenEs gibt solche Tage, die sind von Beginn an MIST. Aber du kluge Frau hast die richtige Antwort gefunden. Dieses ständige "Erreichbarsein" - mit der Welt verbunden sein, ist wirklich nicht nötig. Schön zweifellos, aber notwendig?
Ich lasse Handy, Handy sein. Hier und da wäre es schon schön gewesen, dann war es nicht geladen und jetzt ist eh das Display zerstört - ein Wisch vom Tisch - und kann höchstens zum Anrufen genutzt werden... Ich lebe, manchmal eben nicht so komfortabel = back to the roots. ich werde dir gleich noch eine so passende Geschichte senden.
Take care, geniesse weiter dein Inselleben und wir deinen BLOG.