Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Dienstag, 29. Juni 2010

Attacke.....

Eine einsame hungrige Möwe...



dreht ihre Runden über diesem einsamen Strand... Europas breitestem, wie ich hier lernte. Weit und breit keine Menschenseele außer mir unterwegs...



Ich einsamer Mensch hatte eine weiße Flasche in der rechten Hand und rote Sandalen in der linken. "Wenn der gemeine Mensch etwas in der Hand hält" hatte die Möwe in der Möwenschule gelernt, "dann ist es was Essbares".

Und so flog die Möwe heute morgen ihre Attacke gegen mich, immer wieder kam sie im Sturzflug in meine Richtung, der spitze Schnabel sah dabei aus wie eine vorgestreckte Lanze... Und wie ein Kunstflieger zog sie, sobald sie nichts Essbares sah, direkt über meinem Kopf wieder steil hoch in die Luft. Ich wehrte mich mit den roten Sandalen... und dachte beim Angriff No.4, ich sei ein Stier. Deshalb ging ich meines Weges und tat so, als bemerke ich sie nicht mehr... Sie flog von dannen.

Uff, der Schreck saß mir noch eine Weile in den Gliedern.

Sonntag, 27. Juni 2010

Schland, Oh Schland

... wir waren dabei, beim Public Vierwing im Strand33 in Norddorf.
Eine Bombenstimmung. Jung und Alt zusammen, Väter mit Söhnen, in Trikots und mit Deutschlandfahne, mit Schwarz-rot-Gold auf der Backe... im Herzen und mit Freude dabei.
Sehr gespannt waren alle, aber auch entspannt - im Urlaub halt.



Das war das erste Tor, ein Jubel hing im Raum, die Wände haben gewackelt und die Menschen waren aufgesprungen. Da das Tor so unvermittel kam, konnte die Fotografin nur
die Wiederholungen sams der Reaktionen der FANS einfangen.



Hier steht es schon 3:1, das unglückliche 2. Tor der Engländer lassen wir mal lieber unter den Tisch fallen...



Hier ist alles klar, oder nicht?

Summa sumarum: Public Viewing 2010 auf Amrum ist super. Die Voovoozelas müssen auch auf Amrum sein. Und am allerbesten ist der Absacker bei unseren Jungs von der Post, bei André und Helmut, denn hier trafen sich heute sie tollen Frauen von der Insel, alles Inselfrauen. So langsam lernen wir sie kennen - und sie uns ;-)

Schland, Oh Schland, am Samstag sind wir wieder dabei.

Eh ich es vergesse: heute ist Siebenschläfer. Und wenn der hält, was der Volksmund verspricht, dann ist mir um den Amrumer Sommer nicht mehr bang... schönes Wetter bis
Ende August. Juhuuu.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Ein echter Gäste-Tag...

Vor genau einer Woche traf ich ein Seehundbaby - einen jungen Heuler - am Nebeler Strand, morgens um 8.00 Uhr. Wir hatten ablaufendes Wasser, das Baby lag jenseits eines tieferen Priels und hatte es wohl nicht mehr zum Wasser geschafft. Gestrandet.
In respektvollem Abstand bleib ich stehen und sprach mit ihm, stellte mich in den Priel und planschte mit dem Wasser. Es hob den Kopf, heulte (wirklich, das war ein lauten herzzerreißendes Heulen) und begann, zu mir in den Priel zu watscheln...dann immer hinter mir her durch den Priel, als hätte es mich zur Ersatzmutti erkoren. Das große Wasser war weit weg... so weit wollte es nicht rutschen, mein Seehundbaby. Also redete ich ihm gut zu und wir einigten uns auf Prielnähe. Dort blieb es zufrieden liegen und ich ging wieder meiner Wege, Gott sei Dank mit dem Segen eines auf dem Trecker vorbeigekommenen Strandkorbhüters, "Ja, wir werfen ein Auge auf ihn, meistens sind die Mütter ja in der Nähe, strecken immer mal den Kopf aus dem Wasser und passen auf!..."




Heute waren es zwei Heuler-Babies, die sich in der Sonne am Süddorfer Strand aalten. Und eine Frau, die sie aus gebührenden Abstand fotografierte. Sie schienen sehr müde zu sein und genossen wohl das Ausruhen...


Mein Weg führte mich heute durch das Dünengebirge... direkt am Leuchtturm gibt es einen Übergang in die Dünen, dann durch die Dünen hindurch. Da wohl alle Bohlenwege versandet sind über kurz oder lang, erinnerte sich sicherlich ein Strandvogt der Stäbe, die die Schwarzwälder Straßenbauämter im Winter an die Landstraßen stellen, damit man auch bei hohem Schnee die Straße erahnen kann. So wanderte ich von rotem Stab zu rotem Stab, Berg auf Berg ab... und kam mir vor wie in der Wüste. Viel Sand, Die Luft flimmerte und ließ mich Wege erkennen, die es gar nicht gab... Fatamorgana auf Amrum. Das Wandern durch den hohen Sand ist anstrengend. Und raubt Kraft. Und ich entdeckte, wenn ich in den Abdrücken anderer laufe, komme ich leichter zum Ziel.




Diesem Abdruck, der aufgrund herrschender Windstille nie verweht war, folgte ich. Ich denke, es ist der Abdruck einer Frau, denn die Schritte waren meinen vergleichbar...
Es beeindruckte mich, dass ich in diesem Falle lieber auf den Spuren anderer laufe als eigene zu machen... das war mir zu anstrengend. Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss?
Ich denke nicht.

Mit diesem Ausblick auf den Süßwassersee und die Dünen wurde ich belohnt und erahnte, wie großartig sich Bergsteiger fühlen nach ihrem Aufstieg. Geschafft... das dachte ich auch, rammte mir schnell noch ein spitzes Holz in die rechte Fußsohle und erreichte den Bohlenweg, um meine Sandalen wieder anzuziehen.






Meine Wanderung endete in der "Eiszeit", meiner Lieblingseisdiele auf der Insel. Mit einem Ananaseis bewaffnet enterte ich den Bus und fuhr heim.

Und wenn meine Zimmernachbarn jetzt zur Ruhe kämen,könnte ich auch schlafen.... hmmm
Morgen ist wieder früh aufstehen angesagt....

Und wie geht es Dir wirklich?....

... das fragte mich gestern meine liebe Freundin Evi, die lange nichts von mir gehört hatte und sich Sorgen machte und dachte, ich will vielleicht ganz dolle, dass es mir gut geht und überhörte dabei Signale... und leide.
Es geht mir wirklich richtig gut!!! Ehrlich.




Am ersten wirklichen Sommertag (nicht nur kalendarisch, sondern temperaturmäßig) fuhr ich mit dem Rad am Watt lang und dachte: Hier lebt es sich gut. Ich habe endlich den Punkt im Leben erreicht, in dem ich nichts Großes, die Welt Bewegendes, erreichen will. Glücklich sein will ich und es mir gut gehen lassen. Das bewegt meine Welt am meisten. Das erste Mal flackerte nicht mehr hinten drin im Kopf ein schlechtes Gewissen, das mich mahnte, der Mensch wäre zu Höherem geboren als nur glücklich sein zu wollen.

Und weil ich heute am Watt mein Sein so genießen konnte, erkläre ich den heutigen Tag zum echten Urlaubstag, zu einem Tag, an dem ich mich treiben lasse und nur die Dinge tue, die mir Freude machen. Wie jetzt das Schreiben.

Ja, es geht mir wirklich gut. Ehrlich.

PS: Ich war drin - im Wasser - Hose runter, Pulli aus und rein ins Nass, kurz entschlossen und spontan - das Wasser war gut zu mir: 18 Grad.

Das Ding ist drin!!! Public Viewing auf der Insel...






„haben Sie einen Tisch reserviert?“ war die erste Frage unserer Lieblings-Service Frau Anna, die eigentlich schon längst Hebamme in Berlin werden wollte . Da sie aber leider keinen Ausbildungsplatz bekam, pampert sie uns, ihre Lieblingsgäste im Strand 33.
Anne und ich schauen uns an, denken; essen? Wollten wir eigentlich nicht aber... Fußball macht hungrig, und wenn alle essen, dann eben wir auch.

Auf der Sonnenterrasse tranken wir uns warm... Riesling aus Südafrika aus dem Barique, lecker. Zum Essen vor dem Spiel gab es einen wunderbaren Salat und es war spannend bis zum „ Der Ball ist drin! Der Ball ist drin“ in der 60. Minute. Welch eine Befreiung für alle im Raum. Nun konnte man miteinander reden und auch lachen, vorher war die Spannung so spürbar, dass sie fast schmerzte. Alle starrten auf die Riesenleinwand, wanden sich mit den laufenden Spielern, die wieder einen Pass oder einen Schuss nicht verwandeln konnten, zollten dem Neuner im Tor Beifall, der wieder eine Attacke der Ghana-esen vereitelte und alle litten wir – unter der Spannung, der Spannung und auch ein wenig unter der Angst, sie führen vielleicht doch heim.

Andi aus dem Remstal saß mit uns am Tisch: „wie gut, dass sie auch die Ergebnisse des Spiels AUS : SBE einspielten.... und welche Freude, als AUS zwei Tore in Folge gegen die Freunde aus Serbien erzielte. Das war ja schon fast die Rettung für die Deutsche Mannschaft. Warum, kann ich bis jetzt nicht sagen.

Mit der Befreiung des einen Tores in der 60. Min. und der Vorfreude auf das nächste Public Viewing am Samstag um 16.00 Uhr schwang ich mich auf das Rad, düste in Begleitung des Fast-Vollmondes durch den Wald direkt nach Hause.

Nach dem Tor waren wir alle Freude, vorher Urlauber, die sich nicht kannten.
Ich mag Public Viewing, ehrlich.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Bin doch kein Held....

Ja, ich wollte ganz heroisch heute morgen - nackig - in die Nordsee steigen.
Aber - heute war Nordsee Mordsee, denn bei 11 Grad Lufttemperatur und gefühlten 10 Grad Wasser (in Wirklichkeit sollen es 14 gewesen sein), stand ich bis zum Knie im Nass und spürte meine Zehen schon nicht mehr.
Und wisst Ihr, wie sich grober Sand unter eiskalten Füßen anfühlt? Schmerzend.

Und so beschloss ich, heute nicht ins Wasser zu gehen, sondern vielmehr mit dem Wind bis Hörnum zu kämpfen... also eher gegen ihn - auf dem Rad.
Für die gesamte Strecke Westerland bis zum Schiff brauchte ich letzte Woche bei sehr freundlichem Rückenwind eine knappe Stunde... easy.
Heute startete ich am Bahnhof (das sind 2 km weniger) um 9.00 Uhr.
Mit dem Wind von vorne und der Abfahrtszeit des Schiffes um 10.00 im Nacken strampelte es sich vorzüglich... In Sansibar ( DIE Strandbar auf Sylt, 8 km von Hörnum Hafen entfernt) brüllte ich nur noch SCH....., weil ich ziemlich am Ende meiner Kräfte war... dachte ich. Als der Leuchtturm in Sicht kam, Amrum damit schon ziemlich nahe, konnte ich die Restressourcen mobilisieren.. und siehe da: 9.57 Uhr raste ich wie ne Wilde fast bis auf's Schiff. Geschafft. Das war mindestens so gut wie Schwimmen in 14 Grad, fand ich.

Das Schönste an Sylt ist für mich immer wieder die Vorfreude auf Amrum.... das Beschauliche, das Langsame, das Ursprüngliche, die netten offenen Menschen. Wie Zuhause halt. Heute lernte ich eine Hamburgerin kennen, die nach einem langen Prozess ihre Wohnung in HH aufgab und ganz auf die Insel zog. Die schien ziemlich zufrieden mit der Lösung...

Heute abend...O Schland, O schland, gehe ich public Fußball viewen im Strand 33. Ich glaube, das wird spannend und lustig. Mit anderen gemeinsam - und dann dabei Sonnenuntergang gucken und knipsen... (alle meine alten Bilder sind mit der kaputten Festplatte wech) ....
Weinchen trinken, bangen, hoffen, Daumen drücken, brüllen und "Huch" machen, schimpfen, gröhlen und klatschen....

Und wenn das vorbei ist, sind wir im Viertelfinale? Na hoffentlich, sonst gehen hier alle mit gesenkten Häuptern durch die Gegend. Und das wollen wir ja nicht.

Also, geben wir uns gemeinschaftlich der nationalen Hoffnung hin.

Dienstag, 22. Juni 2010

So frei wie sie.......



Heute führt mich mein Weg wieder nach Sylt. Die Möwe fährt mit. Sie ist ständiger Gast auf dem Adler Express, sitzt auf dem Schornstein, fliegt zweimal über die Fahrgäste, lässt sich knipsen zum heimischen Angeben und... hat sicherlich einen heimlichen Vertrag mit der Reederei, dass es bei Ankunft in Wittdün einen dicken Fisch extra gibt.

Für Sylt bekam ich einen Aufgabenzettel mit: Hagebaumarkt, Aldi... außerdem werde ich dort morgen früh heroisch anschwimmen.... ich arbeite direkt hinter dem FKK Strand, morgens ist es leer und frisch, einmal rein und wieder raus.
Wenn ich das nicht mache, hole ich mir Schimpf und Schande... Da bist Du schon an der Nordsee und gehst nicht mal ins Wasser. In Westerland ist das Wasser meistens da, wenn ich da bin, außerdem schlägt es andere Wellen als hier auf der Insel. Es gibt keinen Knießsand und damit auch keinen Kilometer wadentiefe Lauferei, bis das Wasser bis zu den Hüften reicht.... grrrrrrrrr... das ist das KaltFeeling. In Westerland fällt man schnell in die Tiefe... also Stehhöhe und kann sich dann in die Wellen schmeissen.

Morgen, morgen werde ich berichten, wie heroisch ich denn wirklich war.

Heute, morgen und übermorgen ist wieder frei für mich. Und es ist Sommer hier: blauer Himmel, 20 grad und fst kein Wind. Das kann ich aber erst schreiben, wo ich weiß, dass der Rest der Republik auch schönes Wetter bekommt.
Wir werden am kommenden WE wieder Regen haben... sagten sie heute im Radio.
Na dann, Herz genieß, was Du genießen kannst.

Mit diesen Morgengedanken verabschiede ich mich von Euch - für heute.