Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Donnerstag, 8. Juli 2010

Vom Wachsen und Werden

Ein Haus, ein ganz bestimmtes Haus in Nebel, fotografiere ich fast jedes Mal, wenn ich an ihm entlang radele. Für mich ist es "Gradmesser" der Botanik. Hier kann ich den Stand des Sommers erkennen - auch wenn ohne Händchen für Ackerbau, Viehzucht und Gartenbau. Das Wachsen ist es, was mich betört, das Werden und auch das Pflegen, Züchten und Sorgen.
Ganz selten ist niemand im Garten, ganz selten scheint die Natur sich selbst überlassen - hier an der Ecke zum Watt.
Meistens treffe ich jemanden, der das Unkraut jätet, um den Pflanzen neuen Raum zum Atmen und Werden zu geben, der jemanden, der unermüdlich sprengt und Wasser spendet. Die Herrin des Hauses ist die "Rösnerin". Sie beschneidet die Rosen, sprengt sie und hat sie gehegt und gepflegt.





Spannend war das erste Bild... ordentlich, frühlingshaft und winterfern, einladend wirkte der Garten. Sparsam und in keiner Weise auf den Reichtum hinweisend, den er im Laufe des Sommers entwickeln würde.









Wachsen ist Arbeit.Für den, der wächst und für den, der möchte, dass es wächst. Ist Fürsorge. Ist Ordnen. Ist Nähren und Lenken.
Wachsen ist Vision. Wenn die Eignerin dieses wundervollen Gartens nicht eine Vision hätte, wie es im Sommer aussehen sollte, würde nichts wachsen ausser Unkraut und vielleicht Tulpen, die sie eh gesetzt hatte.

Hier erlebe ich einen Garten, eine kleine Welt, die organisch perfekt ineinander passt, die sich nährt und befruchtet, die Freude bereitet ( zugegeben: auch Arbeit), die eine Augenweide ist für jeden Wanderer und Ansporn zugleich.

Ein Wunder ist es, ein Geschenk.

Montag, 5. Juli 2010

Morgenrituale...

Mäh-mäh-mäh....um 20 nach 5 holt mich mein iPhone aus den letzten Träumen. Ja, ich träume hier viel und wie Film. Wach bin ich dann schon lange, weil der Tag bereits (jetzt im Hochsommer) kurz nach 4 an mein Fenster klopft. Behend springe ich aus dem Bett, stelle den am Vorabend gefüllten Wasserkocher für den Tee und das ebenfalls am Vorabend vorbereitete Müsli, decke meinen Hocker und begebe mich mit dem Frühstück und der Süddeutschen Zeitung via Internet nochmal ins Bett. Soooo sieht das dann aus:



Jetzt, im Hochsommer, steht die Sonner so hoch, dass das Meer schon morgens so wunderschön wie Millionen von Brillanten glitzert....aufgenommen auf meinem Weg zum Hotel um dreiviertel sieben.




Und wenn Ihr Euch die beiden Bilder genau anschaut, dann erkennt Ihr der Amrumer Vögel Morgenritual. Wenn das Wasser morgens da ist, also so wie auf dem Bild, hocken sie fast alle am Rand, aufgereiht wie eine Kette. Wahrscheinlich warten sie darauf, dass das Wasser wieder verschwindet, damit sie im Watt ihr Frühstück finden.





Wie gut geht es mir da.... ich brauche nur an den Kühlschrank zu gehen... ob Wasser da oder weg.

Sonntag, 4. Juli 2010

Der "Weltenbummler" ....

www.weltenbummler-amrum.de

Die neue Website ist fertig... Wenn sie so gut riechen könnte, wie das Essen schmeckt, würde Euch das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Gestern kam ein Gast in die Hütte..."Oh Ihr habt einen neuen Pächter? Dann habe ich ja Hoffnung, dass wir wieder Freunde werden..." "???Was ist passiert?"
"Der Alte verkaufte mir ein Mini Kinderschnitzel mit Pommes für 16 Euro pro Portion, und als ich mich wehrte meinte er "RAUS"... Nun, seit sieben Jahren waren wir nicht mehr hier. Hat sich denn was geändert? Oh, der Raum sieht klarer aus..." "Möchten Sie mal in die Karte schauen?" " Uiiii, das sieht gut aus. Und es riecht gut bei Euch."
Schaun wir mal, ob er mit Mann und Maus kommt.
Aber auch er fand, dass schon allein die Küchendüfte anziehen.





Ich lese gerade "Der Koch" von Martin Suter, der eine regelrechte Geschmacks-Explosion im Gaumen beschreibt. Nach meinem ersten Versucherl eines Salzwiesenlamm-Filts mit Kartoffelgratin weiß ich, was er meint! Es war vorzüglich.

Schaut doch mal rein, lasst Euch inspirieren.... vom Essen, von den Köchen oder vom Dream-Team ;-))


Freitag, 2. Juli 2010

(M)ein neues Abendritual....

Nicht so spannend wie die Möwengeschichte, aber reines Seelenfutter...

Vom Wohnclo bis zum Nebeler Strand brauche ich 10 Min. mit dem Rad. Nach 20.00h ist der Strand leerer, Strandkörbe häufig verwaist .... "nimm Dir einen und genieße den Abend", meinte der Strandkorbwärter gestern abend, als ich fragte, was das um diese Zeit noch koste.

Man nehme:
1 Strandkorb direkt am Wasser
1 Flasche Wasser und
1 kl. Flasche Weißwein
1 Buch und ein bisschen Musik aus der Dose.... schööööööööööööööön

Heute abend nach 8... sah das so aus



Eine Ruhe, eine Stille, auch wenn noch einige Menschen sich tummeln und ihrerseits die Ruhe genießen...nach halb Neun....
Wiltrud und ich genießen einen Abend am Strand und erinnern uns an gemeinsame Sommerurlaube auf Wangerooge, Helen 13 und Maxi gerade 4.
Maxi bestieg heute wieder "sein" Ausbildungsschiff und schippert nun genau da rum, wo die Sonne noch rauslugt. Und... der Liebe Gott, so sieht es aus, streckt beschützend seine Arme aus.



Ein letzter Blick um 22.00h...



Nach einem solchen Abend fahre ich heim, sage laut und deutlich DANKE und freue mich auf morgen....Public Viewing bei "schweißtreibenden Temperaturen", sagt gerade die Wettertante vom ZDF... na dann, drücken wir mal unseren Jungs die Daumen.

Dienstag, 29. Juni 2010

Attacke.....

Eine einsame hungrige Möwe...



dreht ihre Runden über diesem einsamen Strand... Europas breitestem, wie ich hier lernte. Weit und breit keine Menschenseele außer mir unterwegs...



Ich einsamer Mensch hatte eine weiße Flasche in der rechten Hand und rote Sandalen in der linken. "Wenn der gemeine Mensch etwas in der Hand hält" hatte die Möwe in der Möwenschule gelernt, "dann ist es was Essbares".

Und so flog die Möwe heute morgen ihre Attacke gegen mich, immer wieder kam sie im Sturzflug in meine Richtung, der spitze Schnabel sah dabei aus wie eine vorgestreckte Lanze... Und wie ein Kunstflieger zog sie, sobald sie nichts Essbares sah, direkt über meinem Kopf wieder steil hoch in die Luft. Ich wehrte mich mit den roten Sandalen... und dachte beim Angriff No.4, ich sei ein Stier. Deshalb ging ich meines Weges und tat so, als bemerke ich sie nicht mehr... Sie flog von dannen.

Uff, der Schreck saß mir noch eine Weile in den Gliedern.

Sonntag, 27. Juni 2010

Schland, Oh Schland

... wir waren dabei, beim Public Vierwing im Strand33 in Norddorf.
Eine Bombenstimmung. Jung und Alt zusammen, Väter mit Söhnen, in Trikots und mit Deutschlandfahne, mit Schwarz-rot-Gold auf der Backe... im Herzen und mit Freude dabei.
Sehr gespannt waren alle, aber auch entspannt - im Urlaub halt.



Das war das erste Tor, ein Jubel hing im Raum, die Wände haben gewackelt und die Menschen waren aufgesprungen. Da das Tor so unvermittel kam, konnte die Fotografin nur
die Wiederholungen sams der Reaktionen der FANS einfangen.



Hier steht es schon 3:1, das unglückliche 2. Tor der Engländer lassen wir mal lieber unter den Tisch fallen...



Hier ist alles klar, oder nicht?

Summa sumarum: Public Viewing 2010 auf Amrum ist super. Die Voovoozelas müssen auch auf Amrum sein. Und am allerbesten ist der Absacker bei unseren Jungs von der Post, bei André und Helmut, denn hier trafen sich heute sie tollen Frauen von der Insel, alles Inselfrauen. So langsam lernen wir sie kennen - und sie uns ;-)

Schland, Oh Schland, am Samstag sind wir wieder dabei.

Eh ich es vergesse: heute ist Siebenschläfer. Und wenn der hält, was der Volksmund verspricht, dann ist mir um den Amrumer Sommer nicht mehr bang... schönes Wetter bis
Ende August. Juhuuu.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Ein echter Gäste-Tag...

Vor genau einer Woche traf ich ein Seehundbaby - einen jungen Heuler - am Nebeler Strand, morgens um 8.00 Uhr. Wir hatten ablaufendes Wasser, das Baby lag jenseits eines tieferen Priels und hatte es wohl nicht mehr zum Wasser geschafft. Gestrandet.
In respektvollem Abstand bleib ich stehen und sprach mit ihm, stellte mich in den Priel und planschte mit dem Wasser. Es hob den Kopf, heulte (wirklich, das war ein lauten herzzerreißendes Heulen) und begann, zu mir in den Priel zu watscheln...dann immer hinter mir her durch den Priel, als hätte es mich zur Ersatzmutti erkoren. Das große Wasser war weit weg... so weit wollte es nicht rutschen, mein Seehundbaby. Also redete ich ihm gut zu und wir einigten uns auf Prielnähe. Dort blieb es zufrieden liegen und ich ging wieder meiner Wege, Gott sei Dank mit dem Segen eines auf dem Trecker vorbeigekommenen Strandkorbhüters, "Ja, wir werfen ein Auge auf ihn, meistens sind die Mütter ja in der Nähe, strecken immer mal den Kopf aus dem Wasser und passen auf!..."




Heute waren es zwei Heuler-Babies, die sich in der Sonne am Süddorfer Strand aalten. Und eine Frau, die sie aus gebührenden Abstand fotografierte. Sie schienen sehr müde zu sein und genossen wohl das Ausruhen...


Mein Weg führte mich heute durch das Dünengebirge... direkt am Leuchtturm gibt es einen Übergang in die Dünen, dann durch die Dünen hindurch. Da wohl alle Bohlenwege versandet sind über kurz oder lang, erinnerte sich sicherlich ein Strandvogt der Stäbe, die die Schwarzwälder Straßenbauämter im Winter an die Landstraßen stellen, damit man auch bei hohem Schnee die Straße erahnen kann. So wanderte ich von rotem Stab zu rotem Stab, Berg auf Berg ab... und kam mir vor wie in der Wüste. Viel Sand, Die Luft flimmerte und ließ mich Wege erkennen, die es gar nicht gab... Fatamorgana auf Amrum. Das Wandern durch den hohen Sand ist anstrengend. Und raubt Kraft. Und ich entdeckte, wenn ich in den Abdrücken anderer laufe, komme ich leichter zum Ziel.




Diesem Abdruck, der aufgrund herrschender Windstille nie verweht war, folgte ich. Ich denke, es ist der Abdruck einer Frau, denn die Schritte waren meinen vergleichbar...
Es beeindruckte mich, dass ich in diesem Falle lieber auf den Spuren anderer laufe als eigene zu machen... das war mir zu anstrengend. Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss?
Ich denke nicht.

Mit diesem Ausblick auf den Süßwassersee und die Dünen wurde ich belohnt und erahnte, wie großartig sich Bergsteiger fühlen nach ihrem Aufstieg. Geschafft... das dachte ich auch, rammte mir schnell noch ein spitzes Holz in die rechte Fußsohle und erreichte den Bohlenweg, um meine Sandalen wieder anzuziehen.






Meine Wanderung endete in der "Eiszeit", meiner Lieblingseisdiele auf der Insel. Mit einem Ananaseis bewaffnet enterte ich den Bus und fuhr heim.

Und wenn meine Zimmernachbarn jetzt zur Ruhe kämen,könnte ich auch schlafen.... hmmm
Morgen ist wieder früh aufstehen angesagt....