Es sei keine Zeit für Gleichgültigkeit, sagte heute Papst Franziskus, als er allein im Petersdom predigte.
Zeit zur Besinnung, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Umdenken. Zeit für andere auf andere Arten. Zeit für mich selbst. Und Zeit für die Zeit.
Mein wahres Ostergeschenk ist, dass ich den jetzt pflegenden Lebensgefährten meiner Mutter in einem anderen Licht sehen kann als bisher. Und auch meine Mutter. Sie ist nun wirklich auf seine Hilfe angewiesen und er schenkt sie ihr. 24 Stunden am Tag. Mit all seiner Kraft und all seiner Liebe. Dazu wären wir Töchter überhaupt nicht in der Lage. Wir würden uns Hilfe suchen, klar. Aber emotional könnten wir das beide nicht.
Was ich bisher im Kopf hatte: Danke sagen und er macht es gut...kommt auf einmal aus dem tiefsten Herzen, aus der Erkenntnis, dass dieser Mann wirklich barmherzig ist und unsere Mutter von Herzen gerne hat. Sie bis zum Tod begleiten will. Und es ist unerheblich, aus welchen Beweggründen heraus er es tut. ER TUT ES. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar.
Auf dieses Gefühl hatte ich so lange gewartet. Deshalb empfinde ich es als großes Oster-Geschenk. Und ich bin froh für meine Mutter, dass sie ihn hat und nicht in diesen Zeiten allein auf ihre Einrichtung im Betreuten Wohnung angewiesen ist. Sie hätten sie jetzt "weggesperrt", zu ihrem eigenen Schutz. Daran gehen Menschen zugrunde. Wenn sie die anderen Menschen nicht mehr spüren und keinen Kontakt haben dürfen.
Nach Ostern sollen die Corona-Regeln der Kontaktsperre und Ausgangsbeschänkungen sowie des Social Distancing neu bewertet werden. Je mehr ich darüber nachdenke, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Inseln wieder geöffnet werden. Peu à peu... was könnte das heißen? Handwerker kommen eh, Zweitwohnungsbesitzer aus Gebieten mit hohen Infektionsraten würden hier auf Unverständnis treffen. Innerhalb der Insel... Schule mit älteren Schülern, die ihre Abschlussprüfungen schreiben müssen? Kindergärten? Keine Ahnung. Bekommen wir alle Tests um Antikörper zu bestimmen? Und was, wenn wir keine haben? Ich erinnere mich an die Tuberkulose-Untersuchungen - früher. Habe ich Antikörper? Fein, sonst: Impfung. So war das doch?
Im vollen Supermarkt mit ziemlich engen Gängen fühle ich mich mitunter sicherer, wenn ich eine Maske trage... keine von der Sorte: ich steck mich nicht an. Nein, handgenähte mit Gummiband für die Ohren. Helen sagt: die wirken nicht. Und doch stellen sie mental eine Grenze dar und erinnern mich an den 2 m Abstand. Für mich sind wir hier auf der Insel immer noch im Übungsmodus... der Virus wird kommen und dann möchte ich ein richtiges Gefühl für 2 Meter haben und das Gefühl, mich richtig virusfeindlich zu benehmen. Angst vor dem Virus habe ich nicht.
Ich will mich schützen und sollte dabei aber auch darüber nachdenken, dass auch ich für andere eine Gefahr sein kann, den Virus in mir trage. Dieses Bewusstsein wird wohl erst wachsen, wenn wir hier wirklich die ersten Fälle auf der Insel haben.
Manchmal ein Gedankenblitz: was wird aus Herrn Schmid, falls sie mich ins Krankenhaus fliegen? Sollte ich schon jetzt Astrid fragen - vorsorglich? Bediene ich damit nicht gleich die Self-Fulfilling-Prophecy? Ich schiebe die Frage an Astrid weg. Denn ich will mir nicht vorstellen, so krank zu werden. Auch wenn ich Risikogruppe und mit Asthma/COPD Risikopatientin bin. Ich glaube fest daran, dass der Kelch an mir vorüber geht und wir im kommenden Jahr die Impfung haben. Wir hier auf de Insel haben 35qkm Platz, im Augenblick sind wir ca. 3000 Menschen, wenn wir eine "kleine Saison" bekommen, wenn sich die Infizierten-Zahlen konsolidieren, dann kommen vielleicht 3-4000 dazu? Immer wieder?
Das zeigt, wie wichtig es sein wird, ganz bewusst konsequent Abstand zu halten, die Hände zu waschen und auch die Maske zur eigenen Distanzwahrung zu tragen... bis es einen Impfstoff gibt. Nur damit schütze ich die Anderen und mich selbst.
Und wie wird sich unser Leben verändert haben, wenn wir uns wieder berühren dürfen, uns herzen und umarmen? Wenn das "normale Leben" wieder Fahrt aufnimmt? Wieviele werden beruflich auf der Strecke geblieben sein? Wie wird ihnen geholfen? Wie wird die Gesellschaft sie unterstützen? Werden wir den Pflegekräften endlich das Gehalt zahlen, das sie verdienen und damit selbst die höheren Krankenkassen-Beiträge klaglos annehmen? Werden wir uns beteiligen? Am Wiederaufbau unsere Republik? Der Welt?
Die Pandemie geht uns alle an. Und jeden Tag mehr und immer wieder.
Nein, es ist keine Zeit für Gleichgültigkeit.
Kleine Insel, große Freiheit
Sonntag, 12. April 2020
Samstag, 11. April 2020
Inselkoller...
Hilflos fühle ich mich...
Mutter dement und inkontinent, H., der Lebenspartner, geht klaglos seiner "Lebensaufgabe" nach, sie zu pflegen. "Kriegte sie fast nicht mehr aus der Badewanne raus".
Rausgekitzelt habe ich ihm die Aussagen sie sei dement und inkontinent, förmlich aus der Nase gezogen. Für Muttern ein Segen, denn sie beurteilt nicht mehr, lebt an seiner Seite und seiner Obhut.
Für ihn ein 24 Stunden Job, den er sich natürlich selbst wählte, als er sie immer mehr an sich band.
Und natürlich ist es großartig, dass er sie geistesgegenwärtig zu sich nahm, als das Altenheim wegen Corona abgeschlossen wurde. Er hätte sie nie besuchen dürfen. Und jetzt haben sie sich immer.
Aber welch ein Preis für "immer zusammen".
H. entwickelt sich zu meinem Helden, obwohl ich immer übel nahm, dass er unsere Mutter für sich "beanspruchte"... Er von ihr psychisch abhängig, sie von ihm physisch. Welch eine Vereinigung.
Wie können wir Töchter es erahnen wie es beiden geht, wenn sie immer nur sagen "geht gut".
Heute hat mich die Information kalt erwischt. 1000 km entfernt, eingeschlossen und ohne die Möglichkeit, hier raus zu kommen. Nur Telefon... und angewiesen sein auf Verständnis und Verstehen und Mitgehen des Gegenübers an der anderen Seite der Strippe.
"Habt Ihr die nächste Pflegestufe beantragt?" Das wollen sie jetzt tun. Rücken kaputt, aber der liebe Gott hilft.... Wie kann ich einem einfach gestrickten Mann erklären, dass der liebe Gott auch die sozialen Dienste wie Diakonie und ambulante Pflege erschaffen hat, um solch aufopfernden Menschen wie ihn zu unterstützen. Wie, dass er, als er Otto Onkel pflegte, mindestens 30 Jahre jünger war... und er das heute nicht muss. Weil es Pflegedienste gibt.
In der Auferstehung liegt ganz viel Hoffnung.
Ich danke H. für sein Tun und die Verantwortung, die er übernommen hat.
Ich hoffe, dass H. einsichtig ist und professionelle Hilfe eines Pflegedienstes annimmt.
Ich hoffe, dass H. an seiner "Lebensaufgabe" nicht zerbricht.
Und ich hoffe, dass unsere Mutter in ihrer kleinen Welt glücklich ist und wir H. das geben können, was er am meisten braucht.... Liebe, Anerkennung und Dankbarkeit.
Uff das musste mal raus und tat gut, darüber zu schreiben.
Mutter dement und inkontinent, H., der Lebenspartner, geht klaglos seiner "Lebensaufgabe" nach, sie zu pflegen. "Kriegte sie fast nicht mehr aus der Badewanne raus".
Rausgekitzelt habe ich ihm die Aussagen sie sei dement und inkontinent, förmlich aus der Nase gezogen. Für Muttern ein Segen, denn sie beurteilt nicht mehr, lebt an seiner Seite und seiner Obhut.
Für ihn ein 24 Stunden Job, den er sich natürlich selbst wählte, als er sie immer mehr an sich band.
Und natürlich ist es großartig, dass er sie geistesgegenwärtig zu sich nahm, als das Altenheim wegen Corona abgeschlossen wurde. Er hätte sie nie besuchen dürfen. Und jetzt haben sie sich immer.
Aber welch ein Preis für "immer zusammen".
H. entwickelt sich zu meinem Helden, obwohl ich immer übel nahm, dass er unsere Mutter für sich "beanspruchte"... Er von ihr psychisch abhängig, sie von ihm physisch. Welch eine Vereinigung.
Wie können wir Töchter es erahnen wie es beiden geht, wenn sie immer nur sagen "geht gut".
Heute hat mich die Information kalt erwischt. 1000 km entfernt, eingeschlossen und ohne die Möglichkeit, hier raus zu kommen. Nur Telefon... und angewiesen sein auf Verständnis und Verstehen und Mitgehen des Gegenübers an der anderen Seite der Strippe.
"Habt Ihr die nächste Pflegestufe beantragt?" Das wollen sie jetzt tun. Rücken kaputt, aber der liebe Gott hilft.... Wie kann ich einem einfach gestrickten Mann erklären, dass der liebe Gott auch die sozialen Dienste wie Diakonie und ambulante Pflege erschaffen hat, um solch aufopfernden Menschen wie ihn zu unterstützen. Wie, dass er, als er Otto Onkel pflegte, mindestens 30 Jahre jünger war... und er das heute nicht muss. Weil es Pflegedienste gibt.
In der Auferstehung liegt ganz viel Hoffnung.
Ich danke H. für sein Tun und die Verantwortung, die er übernommen hat.
Ich hoffe, dass H. einsichtig ist und professionelle Hilfe eines Pflegedienstes annimmt.
Ich hoffe, dass H. an seiner "Lebensaufgabe" nicht zerbricht.
Und ich hoffe, dass unsere Mutter in ihrer kleinen Welt glücklich ist und wir H. das geben können, was er am meisten braucht.... Liebe, Anerkennung und Dankbarkeit.
Uff das musste mal raus und tat gut, darüber zu schreiben.
Freitag, 10. April 2020
Locked up
"Lock her up" scandierten Trumpisten während des Wahlkampfes und meinten Hillery Clinton.
Lock them up.... rief niemand, bevor die Landesregierung von Schleswig-Holstein am 15.3. entschied, die Inseln zu schließen für Gäste, Touristen und auch Zweitwohnungsbesitzer.
Seit dem 16.3. sind wir hier auf der Insel unter uns... Ganz selten mal ein Gesicht, das ich nicht kenne. Handwerker kommen und natürlich die Fahrer der Versorgung Fahrzeuge.
Gestern schrieb der Bürgermeister von Sylt einen eindringlichen Appell an seine Sylter, aber auch an die 100 Menschen, die sich auf die Insel geschmuggelt hatten... mit fingierten Arbeitserlaubnissen, als "Verwandtschaft vom Vermieter oder Zweitwohnungsbesitzer mit Wasserrohrbruch. Wasserschaden ist "ein triftiger Grund, seine Zweitwohnung zu besuchen und dafür zu sorgen, dass größerer Schaden von ihr genommen wird. "Haltet durch und habt Verständnis, dass wir jetzt keine Gäste hier haben können. Die medizinische Versorgung mit Beatmungsgeräten im Krankenhaus ist aufgrund von Corona erweiterte, würde aber bei weitem nicht ausreichen, wäre die Insel wieder voller Gäste.
Ostern kommt und irgendwie ist die Spannung langsam spürbar: was kommt nach dem 19.4.? Wie werden Lockerungen aussehen, gibt es sie auch für die Inseln? Große Schüler und Kindergärten, kleine Läden... Aber wer soll einkaufen auf der Insel, wenn keine Gäste kommen.
Und, wenn Gäste kommen, bringen sie den Virus mit? Sind wir auf der Insel gewappnet? Eher nicht.
Manche Virologen meinen, Abstand und Händewäschen reicht. Und wenn Symptome da sind, dann Masken...Die sind da, heute habe ich sie auch schon getragen. Das geht, ich muss sie nur nehmen.
Und fühl mich vielleicht ein wenig sicherer. Dass ich nicht anstecke und darauf achte, wirklich mindestens 1 1/2 Meter vom Anderen entfernt zu sein.
Oma allein auf der Insel... "Und, wie geht es Dir?" Ich sag mir immer (und anderen als Antwort) "Es geht mir gut". Tolles Wetter, mit Hund unterwegs und neuerdings mit dem E-Esel. immer mal morgens mit Helen im Ohr beim Stöckern. Bis nach Süddorf und über Steenodde zurück. Dann sind wir beide wieder zuhause.
Auf Amrum grüßen wir uns freundlich, freundlicher? persönlicher? Irgendwie verbundener, das fühlt sich gut an.
Corona macht einsam, sagt gerade jemand in der ARD. Ich empfinde es nicht so. Aber vielleicht ist es ja ein Single-Ding, dass wir nicht so zur Einsamkeit neigen.
Herr Schmid ist da, mein ständiger Begleiter. Mit Hund allein ist weniger allein.
Und locked up fühle ich mich noch nicht. Mal sehen, wann der InselKoller kommt.
Lock them up.... rief niemand, bevor die Landesregierung von Schleswig-Holstein am 15.3. entschied, die Inseln zu schließen für Gäste, Touristen und auch Zweitwohnungsbesitzer.
Seit dem 16.3. sind wir hier auf der Insel unter uns... Ganz selten mal ein Gesicht, das ich nicht kenne. Handwerker kommen und natürlich die Fahrer der Versorgung Fahrzeuge.
Gestern schrieb der Bürgermeister von Sylt einen eindringlichen Appell an seine Sylter, aber auch an die 100 Menschen, die sich auf die Insel geschmuggelt hatten... mit fingierten Arbeitserlaubnissen, als "Verwandtschaft vom Vermieter oder Zweitwohnungsbesitzer mit Wasserrohrbruch. Wasserschaden ist "ein triftiger Grund, seine Zweitwohnung zu besuchen und dafür zu sorgen, dass größerer Schaden von ihr genommen wird. "Haltet durch und habt Verständnis, dass wir jetzt keine Gäste hier haben können. Die medizinische Versorgung mit Beatmungsgeräten im Krankenhaus ist aufgrund von Corona erweiterte, würde aber bei weitem nicht ausreichen, wäre die Insel wieder voller Gäste.
Ostern kommt und irgendwie ist die Spannung langsam spürbar: was kommt nach dem 19.4.? Wie werden Lockerungen aussehen, gibt es sie auch für die Inseln? Große Schüler und Kindergärten, kleine Läden... Aber wer soll einkaufen auf der Insel, wenn keine Gäste kommen.
Und, wenn Gäste kommen, bringen sie den Virus mit? Sind wir auf der Insel gewappnet? Eher nicht.
Manche Virologen meinen, Abstand und Händewäschen reicht. Und wenn Symptome da sind, dann Masken...Die sind da, heute habe ich sie auch schon getragen. Das geht, ich muss sie nur nehmen.
Und fühl mich vielleicht ein wenig sicherer. Dass ich nicht anstecke und darauf achte, wirklich mindestens 1 1/2 Meter vom Anderen entfernt zu sein.
Oma allein auf der Insel... "Und, wie geht es Dir?" Ich sag mir immer (und anderen als Antwort) "Es geht mir gut". Tolles Wetter, mit Hund unterwegs und neuerdings mit dem E-Esel. immer mal morgens mit Helen im Ohr beim Stöckern. Bis nach Süddorf und über Steenodde zurück. Dann sind wir beide wieder zuhause.
Auf Amrum grüßen wir uns freundlich, freundlicher? persönlicher? Irgendwie verbundener, das fühlt sich gut an.
Corona macht einsam, sagt gerade jemand in der ARD. Ich empfinde es nicht so. Aber vielleicht ist es ja ein Single-Ding, dass wir nicht so zur Einsamkeit neigen.
Herr Schmid ist da, mein ständiger Begleiter. Mit Hund allein ist weniger allein.
Und locked up fühle ich mich noch nicht. Mal sehen, wann der InselKoller kommt.
Montag, 6. April 2020
Pure Lebensfreude
Die Inselwirtschaft ankurbeln... das war heute meine Aufgabe:
Mit 12 Postpäckchen verschickte ich Lindt Osterhasen an die in der Republik verstreute Familie... die Hasen dürfen reisen zu Ostern, Wir nicht.
Meine Schwester isst keinen Zucker... brauchte sie Tee ins Päckchen. Großeinkauf im Tee Kontor.
"Siggi, darf ich mal was sagen: diese Rostkarre passt nicht zu Dir. Du bist so schick..."
Autsch. Meinte Dirk, der mein altes Rostklapperfahrrad im Frühjahr fit macht.
Treff ich Jan vom neuen Fahrradverleih "NORDZEIT" im Supermarkt: "Verkaufst Du auch gebrauchte Fahrräder?" "Ja". Tausche Rostklapperfahrrad gegen?
Seit zwei Jahren tobte ein innerer Kampf:
Konventionell Radfahren, mit Hund hinten drauf. Strampeln und mindestens eine Richtung gegen den Wind. Wenn ich am April beginne, bin ich Ende Mail fit und würde auch bei starkem Wind radeln. Versus:
E Bike fahren ist die reine Lust und es macht Freude, mal eben über die Insel zu radeln... egal, wieviel Wind weht.
Bisher sagte die Vernunft: kauf Dir ein neues (gebrauchtes) konventionelles Rad, 7 Gänge, Rücktritt. schwarz schick.
Die Probefahrt mit dem E Bike (schwarz schick, guter Preis, ein Jahr alt) gegen den Wind
beendete ziemlich schnell den Kampf. Ausschlaggebend waren die Argumente zweier Frauen in meinem Alter: Das mit der Kondition ist schon richtig. Aber ehrlich? Du würdest das konventionelle Fahrrad nicht nehmen, würdest lieber mit Wind laufen und das neue Rad steht zuhause.
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| Pure Lust am Fahrradfahren |
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| SIMA - mein E Bike |
Das neue E Bike, Juhuuuuu
Es fährt sich großartig. Gegen den Wind. Und mich ein bisschen anstrengen musskannsoll ich auch. Ein tolles Rad. Hätt' ich schon viel früher tauschen sollen.
Samstag, 4. April 2020
Welch ein Privileg - sicher und geborgen in Zeiten von Corona
Eben das denke ich jeden Morgen dankbar: ich habe ein eigenes Dach über dem Kopf, eine Rente, die regelmäßig kommt und ich lebe auf der nordfriesischen Insel, die bisher noch nicht einmal einen Verdachtsfall Covid19 hat...
Wenn ich an unsere Politiker denke, Spahn, Merkel und Söder & Co... dann habe ich das Gefühl, ja, wirklich, hier in diesem Lande gut aufgehoben zu sein. Ich habe begriffen, dass es richtig war, in den guten Jahren zu sparen. Und es jetzt auszugeben da, wo das Geld gebraucht wird, um Existenzen zu sichern, die durch den Lockdown gar keine Einnahmen mehr haben. Ich staune immer wieder, wieviele Hunderte von Milliarden da auf einmal fließen dürfen. Und ich finde es richtig. Ich bin dankbar, dass unsere Minister mit der Bevölkerung gehen, ein Ohr und darüber hinaus auch ein Gespür für Notwendigkeiten entwickelt haben. Und nicht nur die Hochfinanz und die Industrie supporten. Ich finde, sie alle machen das richtig richtig gut.
Und ich hier auf der Insel? Habe wirklich nichts auszustehen. Puzzele ein bisschen hier und ein bisschen da, noch fehlt der Drang, mich an die Steuer zu setzen. Das Wetter wird immer feiner und frühlingshafter. Warm wird es. Mir fehlt nix - außer dem Gefühl, mich morgen auf die Fähre setzen zu können, um ans Festland zu fahren, zu Fritzi und den Kindern.
Aber - geht Corona, kommt Zeit dafür. Mit ein bisschen Geduld schaffen wir das alle.
Geduld ist eine Tugend, die ich jetzt auf meine alten Tage lernen werde. Ehrlich.
Wenn ich an unsere Politiker denke, Spahn, Merkel und Söder & Co... dann habe ich das Gefühl, ja, wirklich, hier in diesem Lande gut aufgehoben zu sein. Ich habe begriffen, dass es richtig war, in den guten Jahren zu sparen. Und es jetzt auszugeben da, wo das Geld gebraucht wird, um Existenzen zu sichern, die durch den Lockdown gar keine Einnahmen mehr haben. Ich staune immer wieder, wieviele Hunderte von Milliarden da auf einmal fließen dürfen. Und ich finde es richtig. Ich bin dankbar, dass unsere Minister mit der Bevölkerung gehen, ein Ohr und darüber hinaus auch ein Gespür für Notwendigkeiten entwickelt haben. Und nicht nur die Hochfinanz und die Industrie supporten. Ich finde, sie alle machen das richtig richtig gut.
Und ich hier auf der Insel? Habe wirklich nichts auszustehen. Puzzele ein bisschen hier und ein bisschen da, noch fehlt der Drang, mich an die Steuer zu setzen. Das Wetter wird immer feiner und frühlingshafter. Warm wird es. Mir fehlt nix - außer dem Gefühl, mich morgen auf die Fähre setzen zu können, um ans Festland zu fahren, zu Fritzi und den Kindern.
Aber - geht Corona, kommt Zeit dafür. Mit ein bisschen Geduld schaffen wir das alle.
Geduld ist eine Tugend, die ich jetzt auf meine alten Tage lernen werde. Ehrlich.
Montag, 30. März 2020
"Und dann kommen ja auch noch die Handwerker"
.... Worte einer Insulanerin, als wir gemeinsam mit 1,5 Meter Abstand vor der Post warteten. Neusser Handwerker für eine Baustelle.... und damit kommt die Angst auf die Insel?
Ich beobachte mich:
Allein mit mir und der Insel und natürlich Herrn Schmid bin ich morgens, wenn wir die erste große Runde laufen. Den ersten Menschen begegne ich, wenn ich zum Einkaufen muss. Handschuhe an, zwischen uns bewusst so ungefähr 2 Armlängen. Einen Schal könnte ich über Mund und Nase ziehen, sollte jemand in meiner Nähe husten. Gestern kam mir auf dem Bohlenweg ein Ehepaar entgegen. Schmid und ich waren schon zur Seite gehüpft. Er dann: " ich hatte ein Bonbon verschluckt und deshalb gerade eben gehustet". Das fand ich sehr rücksichtsvoll. Das Husten war mir entgangen.
Eine Freundin in der Nachbarschaft wird leider jetzt von Sozialstation, Inselärztin und Krankenschwester palliativ begleitet. "Siggi, könntest Du bitte mit einer anderen gemeinsamen Freundin nachmittags mal nach A. schauen" Wir kommen alle 4-5 Stunden, am Nachmittag ist die Zeit sehr lang". Klar, gerne... aber Maske? Schutz? Fehlanzeige.
Es entstand das Gefühl, dass Corona noch nicht wirklich auf der Insel angekommen sei. Die Pflegekräfte erscheinen mir arglos, mir gegenüber und überhaupt. 1,5 Meter sind lang, Berührungen... mich direkt ansprechen... sie kommen mir "zu nah". Ist das meine Angst? Seh' ich schon Gespenster? Mach ich mich verrückt? Ich habe es angesprochen. Und nun kann ich immer meine beiden Arme vor mich strecken und damit zeigen: bleibt ein wenig weg von mir.
Heute der erste bestätigte Fall auf der Nachbarinsel. Vielleicht braucht es gar eine Handwerker aus Neuss?
Ich beobachte mich:
Allein mit mir und der Insel und natürlich Herrn Schmid bin ich morgens, wenn wir die erste große Runde laufen. Den ersten Menschen begegne ich, wenn ich zum Einkaufen muss. Handschuhe an, zwischen uns bewusst so ungefähr 2 Armlängen. Einen Schal könnte ich über Mund und Nase ziehen, sollte jemand in meiner Nähe husten. Gestern kam mir auf dem Bohlenweg ein Ehepaar entgegen. Schmid und ich waren schon zur Seite gehüpft. Er dann: " ich hatte ein Bonbon verschluckt und deshalb gerade eben gehustet". Das fand ich sehr rücksichtsvoll. Das Husten war mir entgangen.
Eine Freundin in der Nachbarschaft wird leider jetzt von Sozialstation, Inselärztin und Krankenschwester palliativ begleitet. "Siggi, könntest Du bitte mit einer anderen gemeinsamen Freundin nachmittags mal nach A. schauen" Wir kommen alle 4-5 Stunden, am Nachmittag ist die Zeit sehr lang". Klar, gerne... aber Maske? Schutz? Fehlanzeige.
Es entstand das Gefühl, dass Corona noch nicht wirklich auf der Insel angekommen sei. Die Pflegekräfte erscheinen mir arglos, mir gegenüber und überhaupt. 1,5 Meter sind lang, Berührungen... mich direkt ansprechen... sie kommen mir "zu nah". Ist das meine Angst? Seh' ich schon Gespenster? Mach ich mich verrückt? Ich habe es angesprochen. Und nun kann ich immer meine beiden Arme vor mich strecken und damit zeigen: bleibt ein wenig weg von mir.
Heute der erste bestätigte Fall auf der Nachbarinsel. Vielleicht braucht es gar eine Handwerker aus Neuss?
Samstag, 28. März 2020
Virtuelle Nähe in Social Distance
Eigentlich wollten wir alle, meine Zwillingsschwester Gisela und ich, ihre drei Kinder mit Partnern und drei Enkelkindern, meine Tochter Helen mit Mann und Enkeltochter Fritzi eine Woche auf der Insel sein. Erstens kommt es anders zweitens als man denkt:
Insel gesperrt seit 16.3.2020 ,
Ferienhaus nicht erreichbar,
Reise- und Ausgehbeschränkungen bundesweit
70. Geburtstag GANZ anders.
Im iPad meine Schwester, die wie ich, im Laptop einen Film anschaut, den uns unsere Kinder aus Video Grußbotschaften unserer Freund*innen aus der ganzen Republik zusammen geschnitten haben. Lauter liebevolle virtuelle Geburtstags-Glückwünsche.
Links sprachen, sagen, lachten Freund*innen , rechts heulte Gisela vor Rührung. Crémont für Kehle.
Freunde berühren uns via Video, WhatsApp....Die "Corona Welt". Welch ein Segen, dass wir die Technik haben und auch ein wenig mit ihr umgehen können.
Philipp, der ältere Sohn meiner Schwester, lud nach dem Film zur Video-Konferenz ein. Das fühlte sich wirklich an wie am großen Esstisch in dem Haus, das wir gemietet hatten. 40 Minuten Palaver und Freude miteinander. Großartig.
Meine Telefonate werden immer länger. Es rufen mich Freund*innen an, die sonst eher zurückhaltend mit dem Medium Telefon waren. Es wird gewhatsappt, dass sich die Balken biegen.
Fritzi, meine süße Enkelin, wacht aus dem Mittagsschlaf auf und sagt "Oma"... dann wird gefacetimed. Ihr erstes Wort ist "WauWau", wir schwenken zu Herrn Schmid , der sich bemüht, freundlich in das Handy zu schauen. "Backe Backe Kuchen" ist unser Lieblings- und Erkennungslied, zu "Wer will fleißige Handwerker sehen" tanzen wir und schließlich wird wetteifert, wer länger auf den Zehenspitzen stehen kann. Fritzi und Oma werden sich nicht fremd, trotz Reiseverbot und 1000 km Entfernung.
Virtuelle Nähe baut Brücken in Zeiten von Social Distance. Ich finde das ganz großartig.
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