Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Dienstag, 8. Juni 2010

Ausgebüchst...


Neu für einen Amrumer: eine gepflegte, weitläufige "Strandpromenadeshoppingdrinkingandeatingmile"


Diese kleinen Gassen machen Wyk liebenswert. Und hier ist es menschenleer.

Kaum hat sie mal einen Tag frei, schon muss sie shoppen gehen...
Wie laut hatte ich getönt, dass ich das nicht brauche... Sylt, Westerland, Friedrichstraße....

Wyk ist ein charmanter, gepflegter kleiner netter Ort mit schönen einladenden Geschäften in Nebengassen - da macht das Schnückern Spaß und... bei Gott: ich wollte es nicht.... auch das Geldausgeben. Und ganz ehrlich: es hat auch mal wieder Spaß gemacht, mehr als drei Läden zu sehen ;-). Und es waren nicht die, die wir immer sehen. Keine Edelketten, keine Douglas-se.

Es sind andere Menschen auf Föhr als auf Sylt und Amrum...
Wirklich sehr sehr gefallen hat mir der Blick aufs Meer (heute wie adriatische Badewanne, spiegelglatt und sehr diesig), der genau so aussieht, wie ich mir "Sommerfrische" vorstelle: ich flaniere auf einer Promenade, esse ein Eis oder trinke in einem Straßencafé mit Blick aufs Meer und die vielen Menschen eine Kaffee oder Tee, sitze einfach nur und genieße...den hellblaudiesigen Himmel, das dunkelblaue Meer, die weißen Fähren und Schiffe, die kommen und wegfahren... Schön.

Und dennoch schlich sich ein ganz klitzekleines Gefühl des Verrats bei mir ein: Verrat an meiner Lieblingsinsel Amrum.

Völlig unnötig: ich kam heim und hatte das Gefühl, wirklich ein wenig verreist zu sein. Und werde morgen um die Odde gehen. Mal sehen, ob mich die neuen roten Trecking-Sandalen von Ecco schmerzfrei laufen lassen,

Freitag, 4. Juni 2010

Ein Loblied...

Amrum
befriedigt
die meisten Bedürfnisse seiner Gäste.

Den heutigen Beitrag widme ich gerne den Clöen auf Amrum, die immer sauber, gepflegt, gut riechend und wirklich nie weiter als 20 Gehminuten entfernt sind.
Selbst mittem im Wald finde ich ein Häuschen für Männlein wie Weiblein, nett, adrett, mit Reetdach.
Gezücktes Tempotaschentuch stecke ich wieder in die Tasche. Es gibt Toilettenpapier - ausreichend. Wasserflaschen zum Händewaschen? Brauchts auch nicht. Das Waschbecken ist sauber, selbst Seife ist vorhanden.


Als Beispiel ein Bild vom Fähranleger in Steenodde. Treffpunkt und Ruheplätzchen.
heiß begehrt und freqentiert. Morgens, wenn ich dort vorbei düse mit dem Rad, war die AmrumTouristik mit ihrem Putzwagen schon da. Alles blitzsauber.

Jeder, der mit mir schon mal verreist ist, weiß, wie wichtig es für mich ist, immer das Örtchen in gehbarer Nähe zu wissen. Hier ist es so. Wie schön!

Viele Grüße in den Rest der Welt, der sich nun auch der schönsten Sonne erfreut.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Drei freie Tage

Nach der intensiven Arbeit im Hotel sind die drei freien Tage wie ein Kurzurlaub - zugegeben: im langen Urlaub




Sylt lernte ich dieses Mal von seiner anderen Seite kennen. Zum Dienst und wieder retour muss ich nicht durch die Einkaufsmeile. Der viel schönere Weg ist am Strand entlang, der sich am frühen Dienstag morgen in einer Frische präsentierte, dass ich grad mal Lust auf Sylt hätte haben können. Allerdings dauerte die nur bis zum Bus, in dem wieder mehr Menschen Platz fanden, als ich in einer Woche auf Amrum sehe (Spässl). Im Bus nach Hörnum mit gefühlten tausend.. kriegte ich richtig Platzangst und entschied: das nächste Mal nehme ich das Fahrrad wieder mit.

Das frühere Schiff schenkte mir den Blick auf Jonathan...Meine Vermutung ist, dass die Adler-Schifffahrts-Gesellschaft mit ihm ein Joint Venture hat: er bekommt von Zeit zu Zeit 'nen dicken Fisch und dafür fliegt er immer mal in Fotodistanz über das Schiff, damit die Fahrgäste zuhause mit den tollen Möwenbildern angeben können.



Der Dienstag nach Sylt: für Wiltrud brachte ich zollfreie Zigaretten vom Schiff mit, blieb ein wenig im Hotel und löste mich.... radeln bei wenig Wind macht Spaß, einmal um die ganze Insel. Dabei sammelte ich Farben und Bilder. Ein paar für Euch zum Anschauen:


Schäfchenzählen am Seezeichenhafen.....


An meinem Lieblingshaus in Nebel blüht endlich der Rododendron...



Wolkenwurm und Wolkenwal... so schöne Himmel muss ich einfangen....

Irgendwie verlor ich den Tag an das süße Nichtstun... ich weiß nur, dass ich gegen 8 Uhr abends kalte Füße hatte (keine Strümpfe) und mich deshalb aus der PostWein Gruppe verabschiedete.
Selbst die heißesten Diskussionen über Horst Köhlers Abgang konnten mich nicht erwärmen. Im Gegenteil... irgendwie fühlte ich mich auch ein wenig von ihm verlassen. Was soll das alles? Worauf kann ich mich als Bürger noch verlassen? Was steckt wirklich dahinter? Was kommt nun noch alles auf uns zu? DAS waren meine Fragen, mit denen ich dann ins Bett ging. Maischberger konnte mir da auch nicht weiter helfen.

Auf der Insel fühle ich mich wieder geborgen. Die Tages- und Weltpolitik ist weit weg. Die Uhren laufen langsamer, die Tage sind länger, fast haben wir ein Phänomen wie Mittsommer... erst um 23.00 ist es wirklich dunkel, bis dahin ist das Twilight faszinierend.

Hier noch ein paar Schnappschüsse von gestern abend zwischen 9 und 10 am Meer und am Watt







Es kann mir mal komisch sein ums Herz (Heimweh, ich vermisse Euch alle, fühle mich allein, meine Füße schmerzen, was mich nervt)... Sitze ich aber auf meinem Rad, sammle Farben und Bilder, dann geht mein Herz wieder auf und ich weiß, dass ich hier richtig bin. In diesem Sinne grüße ich heute in den Rest der Welt.

Sonntag, 30. Mai 2010

Zwei Hochzeiten und kein Todesfall

"Auf der anderen Seite" zu sein, ist schon was ganz Spezielles.

Als Gast empfinde ich viele Serviceleistungen als Selbstverständlichkeiten, nehme sie gerne an - aber ohne das Gefühl, das das etwas Besonderes sei.
Als Service Frau gebe ich mir ganz viel Mühe, versuche, dem Gast alles recht zu machen und erfahre, wie schwer das ist. Bei offenen Gästen spüre ich gleich, was ihnen gut tut und wie ich mich darauf einstellen kann. Bei eher "zu-en", verklemmten, gehemmten, arroganten bemühe ich mich ( und das ist wie Beziehungsarbeit) und spüre überhaupt keine Resonanz. Boaaaaa, ganz schön anstrengend. Denn ließe ich nach, wird es als schlechter Service gewertet. Wirklich??? Vielleicht wollen sie ja tatsächlich in Ruhe gelassen werden, nicht gefragt und nicht bemüht... Und fühlen sich in ihrem Cocon am wohlsten (was ich natürlich nicht oder nur sehr schwer nachvollziehen kann).
Nun, zwei harte Service Tage liegen hinter mir:

Eine Hochzeit mit 25 Gästen, fröhlich, trinkfest und beredt. Mein Debüt als Servicekraft schien wie eine Taufe: eine 0,25 ltr. Cola Flasche flog in hohem Bogen vom Tablett.. zum Glück wie gezielt an den Gästen vorbei in den Raum. Gut gezielt und nichts passiert, ausser dass der Chef persönlich den Boden putzte. Danach ging alles glatt, das 5-Gänge-Menue ohne Kleckern serviert, die diversen Weine ausgeschenkt, ohne einen Tropfen zu verschütten...
Eine zweite Hochzeit mit 10 Gästen, dreisprachig und eher schwierig. Die Leute spießig und bieder, rechtschaffen und sparsam ...leider auch mit Worten. Es zog sich dahin wie Kaugummi. Die schöne Braut wollte die Feier durch Pausen zwischen den Gängen noch strecken... "meine" Küche spielte nach 22.30 Uhr Gott sei Dank nicht mehr mit.
Ab 1/2 12, die Dessertvariationen waren vertilgt, der letzte Rotwein verteilt, die Espressi getrunken... spielte man Mikado: wer als erster aufsteht vom Tisch, hat verloren....

Es ist wie im richtigen Leben und Beruf: wenn's fließt und sich was rührt und bewegt, macht es mehr Spaß. Wenn das Herz mitspielt, wenn die Beziehungen stimmen, wenn es einfach Freude macht, mit denen zu sein, denen Du gerade "dienst", dann fühlt es sich richtig richtig gut an.

Und so präsentiert sich das Service Dream Team des Weltenbummler in Steenodde auf Amrum:



Etwas ganz Eigenartiges ist passiert: das Telefonat mit meinem allerbesten Freund (ja, er ist es!!!) spiegelte mir, dass ich hier auf der Insel auf einem eigenen Cocon lebe - weit weg vom "richtigen Leben". Ich habe das Gefühl für Zeit, Raum, Stress und das Berufsleben(anderer) verloren und (schmerzlich) erfahren, dass mir die (liebevolle) Verbundenheit an meine Freunde auf dem südlichen Festland sehr wichtig ist...

Sollte ich im Rentnerleben angekommen sein?

Donnerstag, 27. Mai 2010

Der Sommer ...

hat heute mal ausprobiert, ob es sich lohnt, auf Amrum zu sein.
Grad gefällt es ihm... er ist noch da. Azurblauer Himmel scheuchte mich heute morgen aus dem Bett. Kein Wind zu hören - und so musste ich an die Nordspitze, die Odde.
Mit dem Rad am Watt lang, und dann...



... barfuß im auflaufenden max. 9 Grad warmen Nordseewasser. Erfrischend, Kneipp pur und so gut für die Füße.


Heute ist vor einem langen arbeitsreichen Wochenende mein letzter freier Tag.
Morgen und am Samstag wird in unserem Inselhotel geheiratet...

Ich werde überall einspringen und bin schon sehr gespannt, wie sich so ein Fest auf der anderen Seite anfühlt. Im März war ich Auftraggeber, jetzt bin ich Erfüller. Zumindest weiß ich, wie ich es haben und wie ich bedient werden wollte... Gute Voraussetzungen, die Gäste zufrieden zu stellen. Hoffen wir mal, dass alles gut wird.

Wiltrud bewundere ich: sie ist den ganzen Tag da, immer freundlich, scherzt mit den Gästen, deckt abends noch das Frühstück ein und... hat die letzten drei Tage statt meiner das Frühstück gemacht. A la Bonheur. Schon allein deshalb möchte ich die nächsten Tage fit und gut sein - um sie zu entlasten.

Gott sei Dank probt das Wetter gerade Sommer, Wetter online behauptet, dass es das auch morgen und am Samstag tun wird. Danach sind die Hochzeiten vorbei. Und es kann wieder kalt regnen.. Wehe!!!!

Mittwoch, 26. Mai 2010

Harmonie und Schönheit



Die schönsten Skulpturen gestaltet die Natur selber. Die sind nicht von Menschenhand gemacht. Ein Sandböppel aus verschiedenen Perspektiven - nicht größer als meine Schuhspitze...




Für mich ist dieser Böppel Sinnbild der Natur hier auf der Insel. Die harmonische Form finde ich überall - in den Dünen, auf den Bohlenwegen, im Kniepsand, am Watt.
Das Schnörkellose ist der Insel zu Hause. Kein Pomp und Circumstance... nein, Natürlichkeit und Einfachheit bestimmen das Inselleben. Wie erholsam, nicht vor jedem Essengehen überlegen zu müssen, welche Klamotte ich jetzt über den Catwalk führe.

Und überall kann ich verweilen und einfach nur schauen - einfach - nur - schauen.

Dienstag, 25. Mai 2010

Ein unzufriedener Kunde...

sagt es mindestens 6 anderen...Leider! Und im Urlaub hat man viel Zeit zum Ratschen und Austauschen von Erfahrungen. Habt Ihr da schon gegessen. Ach? Die sind noch nicht so weit. Interessant. Dann brauchen wir da nicht hin?

Ihre Erfahrungen geben sie als einzige Wahrheit anderen, wenn sie vor der Post ihren Wein trinken. Das Urteil von Inselgästen, die seit 30 Jahren kommen, hat Gewicht.
6 sagen es 6, die 36 sagen es wieder jeweils 6, die 216 sagen es wieder 6, dann weiß es schon die halbe Insel... 1.296 Gäste und Insulaner nach nur 4 verschiedenen Kontakten. Wie sollen wir da die Füße auf den Boden kriegen, wenn das Urteil lautet: die sind noch nicht so weit... Als „gewarnter Gast“ gehe ich nicht hin.

Neue Konzepte brauchen Zeit. Und Menschen, die ihre guten Erfahrungen streuen. Und Mitarbeiter, die sich nicht beirren lassen. Stimmt. Geduld ist schwer zu haben, wenn ich als Gastgeber meinen Laden lieber voll als leer habe... bares Geld kostet das und tut weh!



Dieser Salat sieht doch lecker aus, oder???? Geschmeckt hat er wirklich sehr sehr gut. Der allerbeste Salat, den ich je auf der Insel aß.
Gut Ding will eben auch und besonders auf der Insel Weile haben. Es wäre doch gelacht, wenn wir den Weltenbummler nicht bis Saisonende da haben, wo er hingehört: an die Spitze.



Die Insel ist ziemlich voll. Überall bayerische und schwäbische Klangfärbung. Pfingstferien. Ein Glück, dass den geübten Amrum-Urlauber kaltes Wetter nicht schocken kann. Bei 10 Grad ins Wasser, 50 Schwimmstöße und wieder raus.
Meine geliebten Inselfarben entwickeln sind langsam... Grün auf den Salzwiesen, die Getreidehalme wiegen sich schon sattgrün im Wind, das Watt-Wasser ist dunkelblau, der Himmel mit seinen Sahnebaiser-Wolken zumeist azurblau. Ein paar meiner iphone Bilder hänge ich heute hier an... vom Morgenlauf am Kniepsand. Allein auf weiter Flur, nur Sand, Wolken und Weite. Wunderbar.









Die Heckenrosen konnten aufholen, Zeit gut machen und schon machen Knospe lauert auf eine längere Wärme- und Sonnenphase. Der Rhododendron ist reif. Aber... die Kälte steckt ihm in den Blüten. Saft-, kraft-, farblos. Noch warten wir auf das satte Rot bei der Hebamme in Norddorf, auf die vielen verschiedenen Rosetönen in Nebel am Watt.



DIESE ROSE
schenke ich Euch allen... die letzte Rose aus dem großen Strauß, den Helen mir zum St. Mütterleins-Tag auf die Insel schickte.