Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Montag, 26. Juli 2010

Die Touristen sind da...

Heute abend, 17.15 im Teehaus Burg...

geplant hatte ich meinen Kaffee bei Schult in Norddorf - in der Sonne, besann mich anders und fuhr entlang des Wattes in Richtung Teehaus Burg - meinem Lieblingsort an schönen klaren Abenden. Das Watt und Föhr liegt vor mir, das Wolkenspiel tut meiner Seele gut... zum Baumeln also.
Ich hatte Glück und konnte an einem Tisch Platz nehmen, an dem ein nettes Schweizer Ehepaar schon im Begriff war zu gehen - die Euros lagen schon zum Begleichen der Rechnung parat... schon genoss ich meinen Blick und entdeckte, dass sich in Mitten der Wolkenschichten ein kleiner Regenbogen gebildet hatte - den ich nur mit der Sonnenbrille richtig sehen konnte. Oh, wie dankbar bin ich für die neue GleitsichtSonnenbrille, die ich auf Sylt bei Fielmann erstanden hatte... Den Regenbogen konnte ich sehen...

"Ist Platz an dem Tisch? Oh, Sie bezahlen, das ist prima" sagte eine große schlanke selbstbewusste Frau zum Schweizer... und rauschte mit ihren 3 halbwüchsigen Kindern und ihrem durchgeistigt aussehenden Mann an. "Ich bleibe hier sitzen an diesem Tisch", meinte ich, lächelte sie an... "Oh, sie bleiben? " sagte die Damen, mich abschätzig von oben musternd. "Wenn ich darf.." hob ich ironisch an.
Familie Lautstark enterten den Tisch ohne "Moin, moin", ohne Guten Tag.... und ich hatte einen dicken Hals. Ich merkte direkt, wie er mir anschwoll...Ich kriegte fast keine Luft mehr. Wenn Ärger erstickt... fühlt sich das so an, dachte ich, stand auf, sagte, ich suche mir einen anderen Platz. Pralle war ich und fühlte mich um meine heiligen Momente am Watt betrogen...So benehmen sich Touristen, keine Gäste auf Amrum...oder war ich zu empfindlich und wollt einfach nur wahrgenommen werden?
Wie auch immer... schlechtes Benehmen und Rücksichtslosigkeit macht mich sauer.
Schade eigentlich, dass ich nicht soooo entspannt war, dass ich einfach diese geballte Familienenergie an mir abfließen lassen konnte. Aber muss ich das können?
Nein - künftig achte ich wieder mehr darauf, wohin ich mich setze.

Dienstag, 27.7...
der wärmste Tag dieser Woche, sagt der NDR, strahlende Sonne und fast kein Wind.
Ein Strandtag mit Buch und Lesen und Laufen und Schwimmen....

In diesem Sinne stürze ich mich unter die Touris und grüße herzlich.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Das Labyrinth der Wörter...

Donnerstag, 22.07.2010
Ich habe ein Buch ausgelesen, fast in einem Rutsch. Das erste auf der Insel.
Beschämend? Nein, finde ich nicht...
Hier sitzt man einfach nur und schaut.. und lässt Gedanken fließen .. und schaut und denkt und schaut...

Gestern schaute ich in Westerland... um 10.00 Uhr morgens hingen die dicken Wabbelbäuche von "Neckermann Touris" (Anmerkung der Redaktion: dies ist kein Angriff auf Neckermann, sondern steht als Synonym für eine bestimmte Art von Urlaubern)schon bei Gosch über'm Stehtisch, die ersten Biere flossen in die Bäuche und die ersten Fischsemmeln wurden regelrecht zermalmt. Beidhändig bissen sie rein, die Soße lief aus den Mundwinkeln abwärts, mit den stark beringten Fingern versuchten sie, der Soße Herr zu werden. Vergeblich, sie war schneller... Regelrecht zum Abgewöhnen, dieses Bild. Künftig werde ich meine Fischbrötchen erst nach 12.00 Uhr mittags, bitte ohne Soße und Bier zu mir nehmen und nicht in Westerland. Sonst schaut wer anders und sieht mich so, grrrrrrrrrrrrrrr.

Aber nun zu meiner Lektüre - "DAS LABYRINTH DER WÖRTER"

"Germain ist ein Bär von Mann und nicht der Schlauste. Außer für seinen Gemüsegarten und das Schnitzen von Holzfiguren interessiert er sich nur für Tauben im Park. Als er dort eine reizende alte Dame kennenlernt, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Denn die feinsinnige Margueritte beschließt, den ungebildeten Hünen für die Welt der Bücher zu gewinnen"

Die Autorin schreibt als Germain...so gekonnt unbeholfen und einfach, dass es richtig Freude macht, ihn zu erleben, den Germain. Seine Veränderungen in homöopathischen Dosen mitzubekommen und zu spüren, wie aus dem ungehobelten, ungebildeten fast analphabetischem Dorftrottel ein Mann wird, der für andere da sein will, seine Gefühle spürt, sie auszudrücken lernt - in seiner einfachen und damit frappierenden Art - und der erfährt, wie es ist, geliebt zu werden - mit 45.

Eine wunderbare Geschichte, die einfach nur anrührt und wirklich zum Lesen UND Denken anregt. Zum Nachdenken über sich, über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen.

Passt also auf die Insel.

Sonntag, 18. Juli 2010

Jobtalk...



Arbeiten war bisher eigentlich fast kein Thema: es macht Spaß, ist fein, gibt meinen hiesigen Tagen eine Struktur und - welch ein Geschenk - muss mich nicht ernähren, sondern erfreuen.
Inzwischen hat die Saison uns fest im Griff... die Gäste können fast rund um die Uhr bestellen: Coffee to go, Kaffee und Kuchen, Essen aus der Mittagskarte... und dann das Abendgeschäft, das unserem guten Jes noch immer nicht frommt...

Viele Service Kräfte gibt es bei uns - aber nur Hannah ist immer da... "Brauchst Du mich noch? fragt Dana. "Nein", Hannah in ihrer gutmütigen Art... und schwupps ist sie wieder allein mit all den Gästen, die kommen oder nicht, ihren Kaffee zu trinken, Kuchen zu möchten oder ganz einfach nur unterhalten zu werden.

Alles nicht schlimm, meint Ihr? Wenn dann noch pausenlos das Telefon dazu klingelt, Hannah ins Buchungsprogramm geht, zwischendurch das Wiener Schnitzel an Tisch 36 bringt, sich dabei anhören muss, dass die Karte früher viel besser war.... dann würdet Ihr wahrscheinlich beim bloßen Gedanken auch atemlos sein. Wie ich.

Und ich trage nun, seit die Saison auch uns eingeholt hat, ein schlechtes Gewissen mit mir rum... dass Hannah soviel tut - und immer... (tunwillmussmöchte?), immer allein ist mit allem...
Ich weiß, dass es ihre Entscheidung ist und die ist in Ordnung.

Ich vermiese mir grad meine freie Zeit mit dem schlechten Gewissen. Schade, denn eigentlich bin ich für netto 150 euro (Miete geht auf meine Rechnung) 20 Stunden mindestens im Laden. Das ganze Thema kommt mir bekannt vor und war auch letztes Jahr im Schwange. Da war es die Kyra, die soviel arbeiten musste... Also liegt es an mir, das Gefühl zu neutralisieren. Denn das ist wirklich nicht angebracht.
Beim Schreiben wird man schlauer... denn erst jetzt sehe ich Parallelen zum letzten Jahr - und kann damit aufhören. Wie schön.

Sch...rand, Sonne, Welken (Summe aus Wellenundwolken). Wasser und Buch lesen, laufen und nicht denken. Oh wie schön ist Panama, nein AMRUM.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Lichtspiele

Mittwoch abend, 18.00 Uhr am Strand. Familien mit Kind und Kegel, Luftmatratzen, Sonnensegeln und -schirmen, mit Hunden und Bollerwagen ziehen ab. Müde Kinder quengeln, ganz müde schlafen schon in den Bollerwagen, verbrannte Nasen, Rücken und Füße, nasse Handtücher sind über die Schultern gelegt. "Fredrieke, nun komm, lass Dich nicht so ziehen", oder "Lena, gleich gibt es was zu essen, beeil Dich, der Papi wartet". "Mami, wenn ich jetzt nicht gleich was zu essen kriege, bleibe ich hier sitzen. Du musst mir den Keks geben", dabei heulte sie los und Muttern kapitulierte.
Bei alle den Szenen aber geschah das, worauf ich inniglich gehofft hatte: Der Strand leerte sich, die allabendliche Ruhe setzte ein und der Himmel verwöhnte mich mit wunderschönen Bildern:


Und erquicket meine Seele... gefiltertes Licht nach einem prallen Sonnentag, an dem die Sonne vor Hitze stach... wirkt wie eine erfrischende Lichtdusche.



Ein wahrer Wolkenteppich - gezoomt


Abendstille überall... mit ganz viel Phantasie guckt der erleuchtete Schutzengel durch die Wolken und das Licht auf mich.

Getragen fühle ich mich an diesen Abenden im Wasser, getragen vom Salzwasser, vom Leben und von der Ruhe, die mich umfängt.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Triatlon am Morgen...

Mittwoch morgen, 6.30 Uhr:
Radfahren zur Nebeler Strandhalle
Laufen bis zum Wasser und Entledigen der lästigen Klamotten
Schwimmen in der freundlichen Morgensonne

Wie Genoveva aus dem Bade schritt ich aus den Fluten in das sich wiederspiegelnde Sonnenlicht hinein. Kitschig schön. Allein an weiten Staden, wie der liebe Gott mich geschaffen hat... dabei mutiere ich gerade von einer Forelle zum Wal...

Das ist doch mal ein Morgensportprogramm. Das Schwimmen macht Spaß - aber bei ablaufendem Wasser ist es nicht ganz ungefährlich. Also immer in Stehhöhe schwimmen und nicht so weit nach draußen, denn sonst kommt der Blanke Hans, packt mich und zieht mich wech... und am Strand nur mein Schlüssel, aus dem niemand schließen kann, wer ich bin, meine roten Sandalen, die noch nicht mal auf der Insel gekauft wurden, das Blaue GAP Sweatshirt, das mir meine Helen aus USA mitbrachte.. Tja solche Gedanken kommen schon mal, wenn ich mutterseelenallein "auf eigene Gefahr" außerhalb der offiziellen Badezeiten plansche...

Keine Bange, ist ja alles gut. Ich habe gefrühstück, werde jetzt unter die Dusche steigen und sehen, was der Tag noch alles bringt. Auf jeden Fall Cathy, die von Sylt kommend, einen Tag mit ihren Stiefmüttern verbringen möchte (hmmm. gestern wollte sie das noch).

Es ist Mittwoch, der 14. Juli 2010
Allons Enfants de la Patrie-ie-e, le Jour de Gloire est arrivet.

Montag, 12. Juli 2010

Sommerimpressionen...

Gestern abend noch als Eva am Strand in der blauen Stunde... der Strand, das Wasser und die Wolken waren in ein märchenhaftes Blau getaucht... und heute... ABGEKÜHLT



No. 64 Strandkorb von Jannen, innen hing ein Zettel "Wenn Sie mich mieten möchten, rufen Sie diese Nummer an: 0170..usw". Brav rief ich an und bat, mir von 17.00 Uhr an diesen Korb noch zu überlassen. "Der ist vermietet, und wenn die Mieter kommen, einigen Sie sich doch einfach mit denen und verraten nicht, dass Sie mit mir sprachen"... Ein Strandkorb für lau, direkt am Wasser, mit diesem Blick!

Neben mir eine lustige Hamburger nahtlos knackebraune ehemalige Musiklehrerin, die mich fragte, ob ich denn nun die Mieterin sei, denn heute morgen sei eine furchtbar laute Familie mit zwei pubertierenden Wesen da gewesen....

Zweimal war ich im Wasser ... es fühlte sich an wie eine adriatische Badewanne, lauwarm. Aber herrlich. Ganz allein bei tief stehender Sonne schwamm ich in das Licht hinein, das die Sonne auf das Wasser warf, in Millionen von Diamanten.
Niemand außer mir am Strand - ganz alleine in diesem blauen Licht...wie allein auf der Welt, in einem geschützten Raum...



Seit heute morgen um 4.00 Uhr gewitterte es den ganzen Tag. Immer wieder. So stelle ich mir die Regenzeit in Indien vor: es ist brütend heiß, es gewittert und regnet... und bleibt heiß und schwül. Endlich um 16.00 Uhr heute krachte es reinigend ganz gewaltig: die Blitze direkt über uns... zogen sich über den ganzen Himmel: Blitz, krach bumm... so ging es fast eine ganze Stunde lang. Und plötzlich ist alles wieder klar und sauber, wie frisch gewaschen: die Luft, das Auto, selbst mein Fahrrad. Der Blick aus meinem Veluxfenster, mit Zoom fast wie Urwald...

Sonntag, 11. Juli 2010

11. Juli 2010 - WM Endspiel

Ein Kommentar unserer Insefrau, die von FuBall nichts versteht. Wirklich.


Also, wenn ich das Geholze in Johannesburg anschaue, dann denke ich: die wahren Weltmeister sind unsere Jungs, mit ihrem spritzigen, pfiggigen, intelligenten und flüssigem Spiel. Und: es ist kein Wunder, dass sie gegen die Spanier verloren haben, die sind ja auch im Spiel gegen die Holländer unerbittlich. Hier und heute allerdings werden von den Hölländern Beine und Bäuche aber keine Bälle getreten, und wenn sie Bälle treten, dann verpassen sie die Tore und die Pässe. Und immer sind die spanischen Abwehrspieler wie die reinsten Abfangjäger unterwegs. Treten, spucken und kratzen galt auch zu meiner Schulzeit als unfein unter Sportsfreunden.
Und wie es aussieht, muss das noch in die Verlängerung gehen.... denn sie schießen weiterhin neben und über das Tor....

Wir sind in der Verlängerung, das Spiel wurde schneller und heißer. Gelernt habe ich gerade, dass dies "Ergebnisfußball" sei, nur das Ergebnis zählt. Nicht zu verwechseln mit Erlebnisfußball, das Freude beim Zuschauen macht.

Meine Gedanken gehen in die Bankzeit zurück: ergebnisorientiert arbeiten... nur das Ergebnis zählt... und wo bleibt der Spaß? Wo bleibt die Schönheit des Tuns, die Lust und das Fließen im Spiel?
Klotzen und Foulen um jeden Preis, egal wie, Hauptsache das Ergebnis stimmt.

Hier beim Spiel blockieren sie sich gegenseitig und nichts geht... kein Ball geht ins Tor, kein Zusammen SPIEL, es herrscht Krieg auf dem Platz.

Ich bin sehr froh, dass sie unsere Jungs DEM nicht aussetzen mussten.
Es lebe Jogi Löw und sein Bundesverdienstkreuz, das er sich verdient hat. Wahrlich.