Kleine Insel, große Freiheit

Kleine Insel, große Freiheit

Sonntag, 31. Mai 2020

Zieh Dir doch mal ihre Schuhe an....



"Ich frage mich immer, wie es mir in der selben Situation ginge" , sagte meine Schwester heute am Telefon.  - Der Heilige Geist wurde seiner Pfingsten-Aufgabe gerecht.

Seit vielen Jahren denke ich: mit 85 gesund sterben.  Dann muss ich mich gar nicht beschäftigen mit Siechen und immer älter, steinalt werden, abhängig von der Hilfe anderer. 

Will sagen: es fällt mir sehr schwer, mich einzulassen in das Experiment, aus den Schuhen meiner 94 jährigen Mutter die Welt und das Leben zu sehen.

Jetzt, heute, konfrontiert mich meine Schwester mit dem Satz: "Ich stelle mich immer mal in die Schuhe unserer Mutter"... dann wisse sie, wie es ihr geht und warum sie so und nicht anders leben kann.

Ich kann nicht mehr richtig sehen, alles ist verschwommen, nur unten, wenn ich ganz tief nach unten schaue, sehe ich etwas. Meine Auszüge kann ich nicht mehr lesen. Ich kann mein Leben nicht mehr kontrollieren, angewiesen auf Hermann, der das noch lesen kann. Ich kann nicht mehr richtig alleine stehen. Ich vergesse alles... also, das was er mir vor ner halben Stunde gesagt hat. Isch schlafe mich gut und mache mir Sorgen, meine Ängste werden immer mehr. Und... ich brauche die Windelhosen.

Ich werde schnell nervös, ängstlich und dann auch wütend. Ich kann dann nicht mehr steuern, was ich sage. Und meine ganze Wut landete in Worten, die mir früher nie über die Lippen gekommen wären. Ich schimpfe und bin unleidlich, weil ich dieses Leben so eigentlich gar nicht wollte. Abends ins Bett gehen und morgens feststellen: ich bin ja tot. DAS wollte ich. Klappt nicht.  Und gehen... so selbstbestimmt... das kann ich auch nicht. 
Tja, und dann ist da Hermann, der sich ganz wunderbar um nicht kümmert... 24 Stunden um mich herum ist und mir das Gefühl gibt: Du bist nicht allein. Der braucht mich wie die Luft zum Atmen. Und ich brauche ihn wie die Brille zum Leben. Und so ist alles doch gut.
Wenn ich schon jetzt noch leben muss, dann ist dieses Form für mich die beste.



Ja, ich verstehe jetzt besser.  Und möchte nicht tauschen mit meiner Mutter. 









Samstag, 30. Mai 2020

Ich möcht' nicht mehr mit Dir kämpfen....

Ich möcht nicht mehr mit Dir kämpfen,  ich will mich nicht mehr mit Dir auseinandersetzen. Ich will, dass es Dir gut geht... und Du entscheidest, wo und wie das ist.

Uff.... Es ist schwer, fast unmenschlich, sich von seiner Mutter zu verabschieden. Sie lebt noch. Sie lebt mit ihrem Freund, der nicht unser Freund ist. Sie lebt mit einem Mann, der sie braucht wie die Luft zum Atmen, den sie braucht wie die Brille zu sehen.  Sie lebt mit einem Mann, der sich zur Aufgabe gemacht hat, sie bis zu ihrem Tod zu begleiten... zu pflegen. Das hat er für sich  oder der liebe Gott für ihn bestimmt und sie damit in seinen Bann gezogen. "Ich brauche Dich, Du kannst jetzt nicht sterben. Ich muss für Dich leben, das hat mir der liebe Gott aufgegeben."  Das alles klingt rührend und ist es auch, wenn man es von außen und ganz unvoreingenommen und neutral betrachtet. Eine rührende Lebens-und vielleicht auch Liebesgeschichte. Aber auch eine Geschichte von Abhängigkeit, psychischen Krankheiten und Manipulation. Ein Geschichte von Ausgrenzen und Verurteilen.

Meine Mutter wird jeden Tag ein bisschen dementer, in ihrem 94. Jahr, ein kleines bisschen aggressiver. Und lebt jetzt im Haus ihres Freundes. Er ist 80, mit diversen schlimmen Krankheits-Diagnosen, auch nicht wirklich fit. Schon vor 8 Jahren hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Christa vor den Töchtern, die so gar nicht barmherzig schienen, zu beschützen. So etwas spaltet und tut weh. Ist übergriffig und hinterlässt Spuren.

Wir als Töchter wollten wenigstens ihre eigene Behausung im Stift aufrecht erhalten... als Backup. Als kleines Restzeichen von Unabhängigkeit. Das nehmen sie uns übel. Hermann will sie ganz. Und will die 458 Euro sparen... die könnten sie ja noch ausgeben. Wofür? Und Mutti? Kann nur abhängig. Obwohl ihr Mantra für uns immer war: macht Euch bloß nicht von einem Mann abhängig. Ja, wir lernten und beherzigten unsere Lektion.  Unabhängig bis in die Tod.

Ich sitze 1000 km entfernt, spüre, dass  Mutter für mich schon lang nicht mehr "meine Mutter" ist. Genau so wie ich nicht mehr "ihre Sigrid" war, als sie mich vor einem ihr nicht genehmen Freund bewahren wollte. Sie ist "Hermanns Frau",  mir fremd geworden, von Jahr zu Jahr mehr, Hermanns Einfluss wurde immer größer, sie gab ihm den Raum... weil sie sich nicht wehren konnte. "Er hat dann schlechte Laune und ist böse. Als Kind wurde ihm ja böse mitgespielt...."

Ich verstehe sie nicht mehr. Ich kenne sie nicht mehr. Ich muss mich von ihr verabschieden. Wie mache ich das? Wie verabschiede ich mich von meiner Mutter, an die ich nicht mehr heran komme?
Von der ich als Tochter natürlich möchte, dass es ihr gut geht. Mir aber Glaube, Mut und Gottvertrauen fehlt, sie so ganz in der Obhut dieses kleinstbürgerlichen Lebens zu lassen und darauf  zu vertrauen, dass alles schon gut sein wird.

Ich will nicht mehr argumentieren, ich will nicht mehr kämpfen. Ich will aber auch nicht mehr das Gefühl haben, abgewiesen zu werden.  Sie hat sich schon lange  für Hermann entschieden. Nicht allein sein, umsorgt sein. Und da ist alle Kleinbürgerlichkeit völlig egal. Äußerlichkeiten, wie sie früher für sie lebensbestimmend waren, gelten schon lange nicht mehr.

Ich bin wütend, weil sie uns verlassen hat. Ich bin traurig, weil wir ihr nicht  mehr wichtig  zu sein scheinen.  Ich bin entsetzt, dass ich sie nicht einfach loslassen kann.  Loslassen im Frieden und in der Freude, dass es ihr jetzt mit Hermann in seinem Häuschen mit der pflegenden Olga gut geht.

Ich habe Angst vor der Zeit, in der sie ihrem Ende zugeht, weil ich nicht weiß, ob Hermann uns teilhaben lassen wird an ihrem Gehen.
Ich habe Angst, mit Hermann zu streiten um die Urne unserer Mutter, die mal im Familiengrab beigesetzt werden soll - 1000 km weit weg von ihm.

Heute raubt es mir den Schlaf und die Ruhe. Mich quält der Gedanke, irgendwann nicht STOP gesagt zu haben und selber den Pflegehut aufgesetzt zu haben. Irgendwann eine Bitte überhört zu haben. Sie wollte nie, dass ihre Töchter sie versorgen. Unabhängig bis in den Tod  - von den Töchtern.

DAS muss ich akzeptieren und hinnehmen. Für mich stirbt sie jeden Tag ein kleines Bisschen. Loslassen ist schwer. Nicht mehr kämpfen und hinnehmen müssen  macht mich wütend.  Abschied nehmen lähmt mich. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn sie wirklich nicht mehr da ist. Ich weiß nicht wie es ist, sie einfach nur zu lieben.

Heute möchte einfach nur nicht mehr mit Dir kämpfen. Vielleicht ist es die Liebe, die wir Beiden brauchen, in dem ich einfach nur annehme, dass es so ist, wie es ist.










Samstag, 23. Mai 2020

"So langsam kommt die Depri..."

"So langsam werde ich depressiv", sagte Freundin M  aus München heute im Telefonat.
Seit Mitte März sitzt sie im Home-Office, ist dort fleissig und hält sich ganz diszipliniert an die Regeln - an alle Regeln, die in Bayern mit dem Corona-Virus einher gehen. Keine Umarmungen, keine Besuche von Freunden, weder sie bei ihnen noch diese bei ihr. Keine Treffen im Park mit Freundes-Gruppen.  Bisher war sie noch nicht im Biergarten.
Depressiv machen nicht die Regeln während der akuten Krise, sondern die Frage, ob das Leben mit den Regeln, die nun auch auf Amrum gelten -  Abstand von 1 Meter fünfzig, Alltagsmasken in geschlossenen Räumen (beim Einkaufen, in Restaurants etc.)  - künftig aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Werden wir von jetzt ab immer im Abstand leben, wird das Standard. Werden wir vergessen, wie es ist, zu umarmen oder umarmt zu werden? Wird 1 Meter fünfzig künftig der Standard-Abstand, die neue persönliche Intimsphäre?

"Werde ich bis zur Rente im HomeOffice sitzen?" Ihre Arbeitgeber hat die Bürogebäude, schon lange vor Corona verkauft und plante Umzüge. HomeOffice als Chance, Kosten zu sparen?  "Und - wer zahlt den Mehrverbrauch an Strom, wenn ich den ganzen Tag am Rechner sitze? Ich brauche mehr Heizung , Wasser, Klo-Papier?"

Früher machten wir Witze darüber, dass wir, wenn wir den ganze Tag ... Woche für Woche... im Büro verbringen, Heizung, Wasser und Klo-Papier sparen, dass wir bestens organisiert sind, uns um nix kümmern müssen und auch noch versorgt dank der Kantine. Diese Zeiten sind erst einmal vorbei.

Heute morgen wachte ich auf und musste erst einmal lange überlegen, was für ein Wochentag heute ist.  Nun kann jeder sagen "Mei, die Rentnerin hat ja jeden Tag Sonntag und da ist es Wurscht." Es fehlt mir die Orientierung, die Aufgabe, die Termine... und ja, auch die Verabredungen. Es gibt die Fixpunkte: Mit Hund gehen, Haushalt. manchmal Ehrenamt in der Kirche, HomeOffice für die Kirche. Dann wieder mit Hund raus und Essen - kochen oder kaufen. Ach ja: Fritzi, meine Enkelin wacht morgens auf und sagt: "Oma...". Das führt dann zu einem FaceTime Anruf. Ein wahres Highlight im Rentner-Alltag zu Corona-Zeiten. Ich freue mich, dass meine Enkelin mich wenigstens per Mattscheibe kennt. Beim Telefonieren mit Festnetz sagte sie gestern: Hallo Oma und winkte. Unsere Kinder und Enkel werden wunderbar groß mit der ganzen Technik. Auch ich benutze sie  dankbar für  meine Verbindung nach draußen.

Und dennoch: So langsam kommt die Depri?




Heute morgen, langsam meinen Weg aus der Desorientierung hinein in den Tag suchend, ploppte Herr Betz, Robert Betz,  im iPhone auf mit seinem Spruch zum Tag:

Menschen, die oft mit der Planung  ihrer Zukunft beschäftigt sind und nicht zufrieden im Augenblick (oder desorientiert?)....sollten mehr im Hier und Jetzt sein. Im Augenblick leben. Den Augenblick leben und ihn dankbar feiern.

Hier und Jetzt. Ohne den Gedanken an: wie lange wird das so sein und wenn ist es vorbei?  Ist es dann wieder so wie früher? Oder werden wir eine andere Welt haben?  Einfach im Hier und jetzt sein.

Das geht - Moment by Moment, immer wieder.  Moment by Moment. Ich hab die sonore, weiche, liebevoll einladende   Stimme von Jon Kabbat-Zinn im Ohr... Moment by Moment, breath by breath. Und erinnere mich an die Achtsamkeitsübungen mit ihm. Und wie komplett ich mich danach fühle .

Die Lösung liegt, wie immer, nicht außen sondern innen, in mir drin.

Sollte die Corona-Zeit ein Einladung an die Menschen sein, ihr Glück nun wirklich konsequent im Innen zu suchen?  Und: was würde aus uns werden, wenn wir alle selige  Achtsamkeits-Yogis sind, mit sich und der Welt zufrieden,  und den Anderen nicht mehr brauchen zum Glück?
Verbindungen auf der seelischen Ebene, Umarmungen nicht mehr gebraucht?

Ist das der Schlüssel zu Weltfrieden? Oder werden Kriege geführt um Impfstoffe?



Es bleibt spannend. Zufriedenheit gibts im Innen, Sport, Spiel und Spannung gibt es draußen.
Ein bisschen was von allem, bitte.







Donnerstag, 21. Mai 2020

Ein Hauch von Normalität....

Morgen-Nebel in Wittdün...
liegt wie ein samtener Mantel der Stille über der Insel 

Das sieht zunächst nach Trauer aus...
Stille Einsamkeit und ohne Hoffnung


Und immer immer wieder geht die Sonne auf
Schafft sie's? und bis wann?
Im „1. Kaffee machen und Aufwach-Modus“  dachte  ich heute:  ich mache meinen Tag und bestimme, woran ich Freude habe. Ich bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht... 
Finde es wirklich gerade schwierig, ohne Nähe zu Menschen und immer verhalten zu agieren, mich nicht in den Hotspot (z.B. André Post)  zu wagen. Gewusel, wenig Abstand und meistens keine Alltagsmaske machen mir Angst... ein mulmiges Gefühl... Da schmeckt auch kein Wein. Und wenn der Wein schmeckt, dann sind die Sperrklinken geöffnet. 


Noch fehlt mir Mut und  (Scheissegal Gefühl )und die Sicherheit resp. das Vertrauen,  es würde schon alles gut gehen.....

Gerade heute schreibt die ZEIT in ihrem Kommentar: 
DrrrringelllingelingDie Infektionszahlen in Deutschland sinken. Kein Grund zur Entwarnung. Ein Weckruf!
Eben nicht alles gut. Jetzt müssen wir, muss die Politik und jeder einzelne achtsam sein,  nicht jede Erkältung in die Welt tragen, sondern sich in Ruhe auskurieren, Abstand halten, Hygienegrundsätze einhalten und die Alltagsmasken tragen.



Sie hat's geschafft.... 11.30  Uhr
Himmelfahrt Frühstück auf der Dachterrasse


Himmelfahrt... Vatertag... Das Leben ist mit Ostern erwacht und jetzt wieder in seiner vollen Blüte. Menschen lieben die Natur, Menschen lieben das Gemeinsame, Menschen lieben es, Menschen zu treffen.  Wir werden es lernen, mit dem Virus zu leben und uns dennoch als Menschen zu entwickeln. Wir werden unsere Strategien haben, uns nicht anzustecken und wir werden weiterhin Menschen an diesen unsichtbaren Feind verlieren. Corona ist überall (und nirgends sichtbar)

Die "Stufen" von Hermann Hesse fallen mir ein.... Wohlan denn Herz.... GESUNDE!!!!

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,


Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!




Mittwoch, 13. Mai 2020

Ein wonniger Hauch von emotionalen Momenten

Muttertag... war nie ein Tag, an dem meine Tochter bei mir war, zumindest nicht seit ihrem Studium.
Strahlendes Wetter...Hundelauf mit emotionalen Hindernissen.
Nach sieben Wochen kommt mir doch am frühen Morgen am Strandübergang eine Dame entgegen, die sich auch noch in die Diskussion einmischt, die ich gerade mit Herrn Schmid führte. Übergriffig, Zweitwohnungsbesitzer... trifft auf Aggression einer Inselbewohnerin, die Bedenken wegen der am 18.5. beginnenden Überflutung hat. Keine schöne Vorstellung. Den ganzen Tag verfolgt mich diese kurze Edisode... warum wurde ich gleich aggressiv? Wieviel Ängste habe ich wirklich, dass gleich so viele Menschen in die "Normalität" auf die Insel kommen? Meine Angst erschreckte mich.

Sonntag um 10.00 Uhr.... das erste Mal nach sieben Wochen (klingt wie Fasten) ein Gottesdienst, ein Gefühl des Miteinanders, ein Feiern. Anne-Sophies Orgelspiel quoll erhaben und wundervoll aus dem dicken fetten Lautsprecher vor der Kirche und erfüllte den ganzen alten Friedhof und alle angrenzenden Häuser. Meine Tränen liefen unaufhaltsam. Konnte sie gar nicht stoppen. Immer in den Mund-Nasen-Alltagsschutz hinein. Erfüllende, Herz erwärmende 20 Minuten des vertrauten Miteinanders. 

Am Nachmittag gab's Spargel und Regen und Film und Faul.  Das genießen zu können, habe ich in sieben Wochen Corona- Lebens-Abstinenz gelernt.

Montag... der wonnige Hauch emotionaler Momente entwickelte sich zu einem wahren Sturm....
Frisör... neue Strähnen und neuer Schnitt, neuer Kopp und ein neues Gefühl von "es wird wieder".
Hingefahren war ich mit Astrid.... wir dürfen ja zu zweit mit Freunden.  Dort dann "unter Frauen" vereint.... so herrlich normal.  Astrid weinte vor Freude im Auto auf der Heimfahrt.

Und doch trügerisch.

Denn...am 18. Mai gehts wieder los. Mit den Kliniken, mit den Gästen, mit Restaurants.  Mit fremden Menschen, die hier her kommen. Bei derzeit circa 1000 Infizierungen am Tag in der ganzen Republik scheint es eher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet ein Infizierter auf die Insel kommt und seine Viren erfolgreich verteilt. Trügerisch. Sagt heute jeder Virologe.
Abstand mit Anstand ist auf Amrum und Föhr die Devise. Abstand und Mundschutz. Die Pandemie wird unser ständiger Begleiter sein.

So isses und so bleibt es erst einmal. Auch das ein Hauch von Normalität.





Samstag, 9. Mai 2020

Urlaub an der Costa Corona

Die Maske wird auch im Sommer ein ständiger Begleiter werden.(von der SZ geklaut)

Ab 18.Mai heisst es wieder: 
Urlaubs-Stimmung, Lieblings-Lokal, Eis essen, in der Strandbar Menschen treffen, Strandwanderungen, gemeinsam Wein trinken.... Freunde treffen, die auch immer auf der Insel sind...Natur genießen... als Selbstversorger bei Edeka einkaufen... Fahrrad fahren im Pulk...
aber auch 1,50 m Abstand halten, Mund- und Nasen-Maske tragen (beim Einkaufen und beim Essen gehen... Fahrrad fahren mit Abstand und Anstand....

Bisher waren wir auf Amrum verschont geblieben von Infektionen, die man nicht nachvollziehen kann, vom unsichtbaren Virus, das durch unser Leben wabert.
Dafür können wir sehr da dankbar sein. Und jetzt? Kommt die ganz normale Welt und neue "Normalität" oder neue Corona-Wirklichkeit zu uns. Jetzt werden auch wir erleben, wie es sich anfühlt, lieber vom Bohlenweg  herunter zu steigen, um den nötigen Abstand zu Fremden zu gewährleisten. Sich bewusst nicht in die "Hotspots" zu begeben, um sich nicht in Gefahr zu bringen, Herauszufinden, wann die sichersten Zeiten für draußen sind.
Jetzt erleben wir das Leben, das für unsere Kinder aufm Festland schon seit Mitte März Normalität darstellt. Unfair? Nö.

Die Insel-Wirtschaft muss langsam anlaufen. Dafür brauchen wir die Gäste. 
Wir werden uns an die Masken gewöhnen, die wir  öfter auf Mund/Nase tragen. Wir werden uns an die vielen Gäste gewöhnen, die wieder Leben auf die Insel bringen und zugegebener Maßen auch ein Infektionsrisiko.

Sehr gespannt bin ich auf die Kompetenz des Gesundheitsamtes, das für Sicherheits- und Hygiene-Konzepte grünes Licht geben soll. Auch darauf, ob sich die Ideen, die sich Festländer im Vorfeld über Quarantäneregeln gemacht haben, auf den Inseln realisieren lassen. 

Und vielleicht wird es ein Wunder geben und wir bleiben weiterhin verschont und dürfen weiter  auf einen Impfstoff hoffen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dienstag, 5. Mai 2020

My own Business

Warum müssen Politiker sich immer profilieren und versuchen, höher zu pinkeln als die anderen?
Der eine will die Restaurants aufmachen, der andere die Kitas, der dritte öffnet die Grenzen zu Dänemark und in MecPomm kann man wieder Urlaub machen.

Ich stelle bei mir Unverständnis fest. Unverständnis darüber, dass sie erst laut gackern, dann vielleicht an den Strukturen arbeiten und später vielleicht ein Ei legen. Warum nicht erst die Arbeit leisten? Und wenn alle Wege geebnet sind, man das Gefühl hat, die Maßnahmen könnten wirklich helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen UND das normale Leben wieder flott zu bekommen, DANN die Maßnahmen im Einklang mit allem und allen kommunizieren.

Gestern schrieb ein Journalist (wie ich finde, richtig), so könnten nur Menschen argumentieren, die sich die Vernunft und Langsamkeit leisten können, die nicht unter dem Druck stehen, ganz schnell wieder Geld verdienen zu müssen und  dabei ihre Kinder  guter und sicherer Betreuung zu wissen.
Ja, ich bin dankbar für meine privilegierte Situation.

An mir selber merke ich, dass mir eine VERNÜNFTIGE  (Wieder) Öffnung in Corona Zeiten keine Probleme machen würde, wenn ich immer das Gefühl haben könnte,  dass die Argumente und die Art der Beschlussfassung in den einzelnen Bundesländern motiviert sind von ganzheitlichem Denken... Gesundheits,- Soziale und Wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.

Für mich gilt bei jeder Art von  Öffnung ... 2 Meter Abstand, Maske in geschlossenen Räumen  und beim Einkaufen auf jeden Fall. Radfahren nicht auf engen Wegen. Ich will niemanden anhusten und will auch von niemandem direkt angehaucht werden. Bei Anstrengungen kommen halt  mehr Tröpfen raus als im ruhigen Laufen.

Und wie immer: es ist meine Haltung, meine Sicherheit, mein persönlicher Umgang. Meine Rücksichtnahme anderen gegenüber, meine Selbstverantwortung.