Eben das denke ich jeden Morgen dankbar: ich habe ein eigenes Dach über dem Kopf, eine Rente, die regelmäßig kommt und ich lebe auf der nordfriesischen Insel, die bisher noch nicht einmal einen Verdachtsfall Covid19 hat...
Wenn ich an unsere Politiker denke, Spahn, Merkel und Söder & Co... dann habe ich das Gefühl, ja, wirklich, hier in diesem Lande gut aufgehoben zu sein. Ich habe begriffen, dass es richtig war, in den guten Jahren zu sparen. Und es jetzt auszugeben da, wo das Geld gebraucht wird, um Existenzen zu sichern, die durch den Lockdown gar keine Einnahmen mehr haben. Ich staune immer wieder, wieviele Hunderte von Milliarden da auf einmal fließen dürfen. Und ich finde es richtig. Ich bin dankbar, dass unsere Minister mit der Bevölkerung gehen, ein Ohr und darüber hinaus auch ein Gespür für Notwendigkeiten entwickelt haben. Und nicht nur die Hochfinanz und die Industrie supporten. Ich finde, sie alle machen das richtig richtig gut.
Und ich hier auf der Insel? Habe wirklich nichts auszustehen. Puzzele ein bisschen hier und ein bisschen da, noch fehlt der Drang, mich an die Steuer zu setzen. Das Wetter wird immer feiner und frühlingshafter. Warm wird es. Mir fehlt nix - außer dem Gefühl, mich morgen auf die Fähre setzen zu können, um ans Festland zu fahren, zu Fritzi und den Kindern.
Aber - geht Corona, kommt Zeit dafür. Mit ein bisschen Geduld schaffen wir das alle.
Geduld ist eine Tugend, die ich jetzt auf meine alten Tage lernen werde. Ehrlich.
Kleine Insel, große Freiheit
Samstag, 4. April 2020
Montag, 30. März 2020
"Und dann kommen ja auch noch die Handwerker"
.... Worte einer Insulanerin, als wir gemeinsam mit 1,5 Meter Abstand vor der Post warteten. Neusser Handwerker für eine Baustelle.... und damit kommt die Angst auf die Insel?
Ich beobachte mich:
Allein mit mir und der Insel und natürlich Herrn Schmid bin ich morgens, wenn wir die erste große Runde laufen. Den ersten Menschen begegne ich, wenn ich zum Einkaufen muss. Handschuhe an, zwischen uns bewusst so ungefähr 2 Armlängen. Einen Schal könnte ich über Mund und Nase ziehen, sollte jemand in meiner Nähe husten. Gestern kam mir auf dem Bohlenweg ein Ehepaar entgegen. Schmid und ich waren schon zur Seite gehüpft. Er dann: " ich hatte ein Bonbon verschluckt und deshalb gerade eben gehustet". Das fand ich sehr rücksichtsvoll. Das Husten war mir entgangen.
Eine Freundin in der Nachbarschaft wird leider jetzt von Sozialstation, Inselärztin und Krankenschwester palliativ begleitet. "Siggi, könntest Du bitte mit einer anderen gemeinsamen Freundin nachmittags mal nach A. schauen" Wir kommen alle 4-5 Stunden, am Nachmittag ist die Zeit sehr lang". Klar, gerne... aber Maske? Schutz? Fehlanzeige.
Es entstand das Gefühl, dass Corona noch nicht wirklich auf der Insel angekommen sei. Die Pflegekräfte erscheinen mir arglos, mir gegenüber und überhaupt. 1,5 Meter sind lang, Berührungen... mich direkt ansprechen... sie kommen mir "zu nah". Ist das meine Angst? Seh' ich schon Gespenster? Mach ich mich verrückt? Ich habe es angesprochen. Und nun kann ich immer meine beiden Arme vor mich strecken und damit zeigen: bleibt ein wenig weg von mir.
Heute der erste bestätigte Fall auf der Nachbarinsel. Vielleicht braucht es gar eine Handwerker aus Neuss?
Ich beobachte mich:
Allein mit mir und der Insel und natürlich Herrn Schmid bin ich morgens, wenn wir die erste große Runde laufen. Den ersten Menschen begegne ich, wenn ich zum Einkaufen muss. Handschuhe an, zwischen uns bewusst so ungefähr 2 Armlängen. Einen Schal könnte ich über Mund und Nase ziehen, sollte jemand in meiner Nähe husten. Gestern kam mir auf dem Bohlenweg ein Ehepaar entgegen. Schmid und ich waren schon zur Seite gehüpft. Er dann: " ich hatte ein Bonbon verschluckt und deshalb gerade eben gehustet". Das fand ich sehr rücksichtsvoll. Das Husten war mir entgangen.
Eine Freundin in der Nachbarschaft wird leider jetzt von Sozialstation, Inselärztin und Krankenschwester palliativ begleitet. "Siggi, könntest Du bitte mit einer anderen gemeinsamen Freundin nachmittags mal nach A. schauen" Wir kommen alle 4-5 Stunden, am Nachmittag ist die Zeit sehr lang". Klar, gerne... aber Maske? Schutz? Fehlanzeige.
Es entstand das Gefühl, dass Corona noch nicht wirklich auf der Insel angekommen sei. Die Pflegekräfte erscheinen mir arglos, mir gegenüber und überhaupt. 1,5 Meter sind lang, Berührungen... mich direkt ansprechen... sie kommen mir "zu nah". Ist das meine Angst? Seh' ich schon Gespenster? Mach ich mich verrückt? Ich habe es angesprochen. Und nun kann ich immer meine beiden Arme vor mich strecken und damit zeigen: bleibt ein wenig weg von mir.
Heute der erste bestätigte Fall auf der Nachbarinsel. Vielleicht braucht es gar eine Handwerker aus Neuss?
Samstag, 28. März 2020
Virtuelle Nähe in Social Distance
Eigentlich wollten wir alle, meine Zwillingsschwester Gisela und ich, ihre drei Kinder mit Partnern und drei Enkelkindern, meine Tochter Helen mit Mann und Enkeltochter Fritzi eine Woche auf der Insel sein. Erstens kommt es anders zweitens als man denkt:
Insel gesperrt seit 16.3.2020 ,
Ferienhaus nicht erreichbar,
Reise- und Ausgehbeschränkungen bundesweit
70. Geburtstag GANZ anders.
Im iPad meine Schwester, die wie ich, im Laptop einen Film anschaut, den uns unsere Kinder aus Video Grußbotschaften unserer Freund*innen aus der ganzen Republik zusammen geschnitten haben. Lauter liebevolle virtuelle Geburtstags-Glückwünsche.
Links sprachen, sagen, lachten Freund*innen , rechts heulte Gisela vor Rührung. Crémont für Kehle.
Freunde berühren uns via Video, WhatsApp....Die "Corona Welt". Welch ein Segen, dass wir die Technik haben und auch ein wenig mit ihr umgehen können.
Philipp, der ältere Sohn meiner Schwester, lud nach dem Film zur Video-Konferenz ein. Das fühlte sich wirklich an wie am großen Esstisch in dem Haus, das wir gemietet hatten. 40 Minuten Palaver und Freude miteinander. Großartig.
Meine Telefonate werden immer länger. Es rufen mich Freund*innen an, die sonst eher zurückhaltend mit dem Medium Telefon waren. Es wird gewhatsappt, dass sich die Balken biegen.
Fritzi, meine süße Enkelin, wacht aus dem Mittagsschlaf auf und sagt "Oma"... dann wird gefacetimed. Ihr erstes Wort ist "WauWau", wir schwenken zu Herrn Schmid , der sich bemüht, freundlich in das Handy zu schauen. "Backe Backe Kuchen" ist unser Lieblings- und Erkennungslied, zu "Wer will fleißige Handwerker sehen" tanzen wir und schließlich wird wetteifert, wer länger auf den Zehenspitzen stehen kann. Fritzi und Oma werden sich nicht fremd, trotz Reiseverbot und 1000 km Entfernung.
Virtuelle Nähe baut Brücken in Zeiten von Social Distance. Ich finde das ganz großartig.
Mittwoch, 25. März 2020
Du hast ja wenigstens den Hund
![]() |
| Wo sind all die anderen? |
Stimmt!
Susanne aus Hamburg sagte das gestern am Telefon. Stimmt! Wenn ich mir vorstelle, dass sie in ihrem Edelstadtteil aus dem Haus geht in ein Häusermeer, ohne Hund, sich im 1,5 Meter- Abstand-Slalom um die Menschen windet...
Dann bin ich hier auf der Insel auf 35qm gerne allein allein.
Eigentlich sollte gerade meine ganze Familie hier sein.
Ein großes Haus war gemietet, das gute Wetter bestellt. Und masochistisch, wie ich manchmal bin, ging ich heute an eben dieses Haus, schaute hinein und stellte fest: DAS wäre unser Preis gewesen. Riesenhafter Garten
mit Schaukel, Blick auf das Watt, Riese-Wohnküche mit großem Esstisch für 10. Personen.
Ein kleines Rahmenprogramm im Geiste erstellt, Essensquellen auf der Insel eruiert... Vorbei. Schade.! Es tut sicherlich noch ein bisschen länger weh.
Aber - ich lebe, bin gesund, bin abgesichert, lebe in eigenen 4 Wänden. Zum Knuddeln gibt's den Hund. Allein allein... Corona lehrt, auch in diesen Zeiten gut mir mir zu sein.
Neues heute morgen:
Mit Helen im Ohr (und ich bei ihr) stöckerten wir. Ich bis nach Nebel und sie durch die Englischen Garten. Gemeinsam hatten wir die strahlende Sonne und das Gespräch. Eine
schöne Idee, die wir da gestern hatten. Wird wieder gemacht.
🏡 Auf Privatgrundstücken, in Wohnungen und an anderen privaten Orten dürfen sich Menschen verschiedener Haushalte nur noch besuchen, wenn dies absolut notwendig ist.
.
Sehnsucht nach der Familie, der frische Apfelkuchen oder ein Geburtstag sind zwar sehr verständliche, aber keine ausreichenden Gründe. 😌 Wir schützen unsere Liebsten und andere Menschen momentan am besten, wenn wir ihnen nicht begegnen.
Diese Hinweise des Nordfriesischen Gesundheitsamtes verbieten mir leider, morgen an meinem 70. Geburtstag, wenigstens ein Sektfrühstück mit der Pastorin zu haben.
"Ein Schluck Segen und ein Schluck Sekt"? Passt das in Dein DONNERSTAGSPROGRAMM?
fragte sie liebevoll. Es hätte gepasst, hätte ich dies nicht gelesen.
Und so feiere ich heute den letzten Tag meines 69. Jahres. Allein allein , aber nicht einsam.
Dienstag, 24. März 2020
Beginne, Deine beste Freundin zu sein, es gibt grad keine andere
Heute war ein Tag, an dem Ärger und Wut meine Laune bestimmt hat, der arme Herr Schmid bekam alles ab. Keine Freude und kein Lachen.
Und es ging um Geld.... oberflächlich.... Eigentlich ging und geht es darum, dass ich im Zusammenhang mit dem Storno der Ferienwohnungen einen Fehler gemacht habe: ein typischer Fiermann... schnell und unüberlegt. 4 Stunden bevor die Inseln offiziell gesperrt wurden, bat ich Arne, die Wohnung ins Netz zu stellen (Cordula hatte das vorgeschlagen und ich folgte ihr).
Dieser Fehler kostet nun mein Geld und nicht wenig.
Das Schlimmste ist, dass ich mich so ärgere über mich, dass es wehtut. Ganz tief innen drin
brennt es. Das ist Wut und Ärger. Und das Gefühl, der Wut ausgeliefert zu sein.
Wenn ich mich annehme, auch mit dieser blöden Aktion... und mir nicht mehr böse bin, bin ich einen Riesenschritt näher, meine beste Freundin zu werden. Ja, es gibt wirklich gerade niemanden mehr.
Vielleicht passt deshalb die Überschrift heute so gut: Beginne, Deine beste Freundin zu sein.
Und es ging um Geld.... oberflächlich.... Eigentlich ging und geht es darum, dass ich im Zusammenhang mit dem Storno der Ferienwohnungen einen Fehler gemacht habe: ein typischer Fiermann... schnell und unüberlegt. 4 Stunden bevor die Inseln offiziell gesperrt wurden, bat ich Arne, die Wohnung ins Netz zu stellen (Cordula hatte das vorgeschlagen und ich folgte ihr).
Dieser Fehler kostet nun mein Geld und nicht wenig.
Das Schlimmste ist, dass ich mich so ärgere über mich, dass es wehtut. Ganz tief innen drin
brennt es. Das ist Wut und Ärger. Und das Gefühl, der Wut ausgeliefert zu sein.
Wenn ich mich annehme, auch mit dieser blöden Aktion... und mir nicht mehr böse bin, bin ich einen Riesenschritt näher, meine beste Freundin zu werden. Ja, es gibt wirklich gerade niemanden mehr.
Vielleicht passt deshalb die Überschrift heute so gut: Beginne, Deine beste Freundin zu sein.
Sonntag, 22. März 2020
"Ich lass mich ein auf die Stille, die auf die Welt gefallen ist."
Mich auf die Stille einlassen, die auf die Welt gefallen ist....
Dieses Bild gebrauchte heute ein Berliner Sänger, der im Deutschlandradio interviewt wurde.
Lange bevor ich dies hörte, spürte ich an mir, wie ich innerlich immer ruhiger geworden bin während der letzten Woche. Ich laufe langsamer mit dem Hund, ich sehe mehr von dem, was mich umgibt. Ich kann dankbar, immer wieder dankbar sein. Dankbarkeit fühlen, ganz tief drinnen, fühlt sich wohlig an und trägt, wärmt mich von innen. Ich bin so dankbar, dass ich jetzt auf "meiner" abgeschlossenen Insel sein darf. Ein Dach über dem Kopf habe und IMMER genug zu essen. Allein das ist ja schon, ohne Corona-Virus, ein großes Privileg.
Wir auf der Insel verhalten uns, so erlebe ich es, vorbildlich. Wir treffen einander beim Spazierengehen. 10 mal 3,5km sind 35 Quadrat-Kilometer für ca. 2.400 Inselbewohner. Da kann man sich prima aus dem Weg gehen. Und wenn wir uns treffen, winken wir uns fröhlich zu und wünschen uns "Bleibt gesund".
Vielen hier bereitet die verordnete Zeit große Probleme , denn es fehlt das Geld, das sie JETZT hätten verdienen müssen. Der Winter war lang. Die Kassen sind leer. Die Saison sollte dieser Tage beginnen. Es sind die Kleinbetriebe, Selbständige, die jetzt um ihre Existenz bangen und sich fragen: wie lange kann ich durchhalten? Wie wird das mit der Hilfe der Öffentlichen Hand dauern?
Was kann ich tun, um wenigstens die Fixkosten zu erwirtschaften?
Im Internet fand ich gestern das Angebot eines Gastes, der den Insulanern seinen Online-Betrieb kostenlos zur Verfügung stellt. Vielleicht ist schon das Angebot eine Einladung zur Zuversicht.
Ich lasse mich ein auf die Stille, die auf die Welt gefallen ist.
Dieses Bild gebrauchte heute ein Berliner Sänger, der im Deutschlandradio interviewt wurde.
Lange bevor ich dies hörte, spürte ich an mir, wie ich innerlich immer ruhiger geworden bin während der letzten Woche. Ich laufe langsamer mit dem Hund, ich sehe mehr von dem, was mich umgibt. Ich kann dankbar, immer wieder dankbar sein. Dankbarkeit fühlen, ganz tief drinnen, fühlt sich wohlig an und trägt, wärmt mich von innen. Ich bin so dankbar, dass ich jetzt auf "meiner" abgeschlossenen Insel sein darf. Ein Dach über dem Kopf habe und IMMER genug zu essen. Allein das ist ja schon, ohne Corona-Virus, ein großes Privileg.
Wir auf der Insel verhalten uns, so erlebe ich es, vorbildlich. Wir treffen einander beim Spazierengehen. 10 mal 3,5km sind 35 Quadrat-Kilometer für ca. 2.400 Inselbewohner. Da kann man sich prima aus dem Weg gehen. Und wenn wir uns treffen, winken wir uns fröhlich zu und wünschen uns "Bleibt gesund".
Tolles Wetter und einsame Strände.
Das Wetter ist grandios. Alle haben Zeit.
Das klingt wie das Marketing der AmrumTouristik.
Was kann ich tun, um wenigstens die Fixkosten zu erwirtschaften?
Im Internet fand ich gestern das Angebot eines Gastes, der den Insulanern seinen Online-Betrieb kostenlos zur Verfügung stellt. Vielleicht ist schon das Angebot eine Einladung zur Zuversicht.
Ich lasse mich ein auf die Stille, die auf die Welt gefallen ist.
Samstag, 21. März 2020
Vor einer Woche war ich noch draußen
Eine Zeit, die die Geschichtsbücher vielleicht als die große Wende der Welt kennzeichnen.
Und wir waren dabei.
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit
(2. Tim. 1,7) Mein Konfirmation-Spruch passt gut in diese Zeit.
Vor einer Woche, Samstag auf Sonntag, hatte ich noch einen Termin auf Sylt in meinem Ehrenamt.
Nach Rücksprache mit meinen Kollegen löschte ich alle weiteren Termine. Auf der Fähre-und später Zugfahrt kam mir die neue Welt mit Corona-Virus das erste Mal so richtig REAL entgegen. Auf unserer "Insel der Glückseligen" haben wir viel Platz, kennen einander, sind die ganze Zeit da und waren, wie alle im Lande, zuversichtlich, dass der Virus uns nichts anhaben kann.
So vielen Menschen auf einmal, wie auf der Fähre und im Zug, war ich schon seit Monaten nicht mehr begegnet. Die Insel im wohlverdienten Winterschlaf. Die Devise hieß, sich schön machen für die Saison. Auf der Fähre saß ich bewusst allein, im Zug im Abteil für die Fahrräder, wohl daran denkend, dass ich dort mindestes 1 1/2 Meter Platz um mich hatte. Komisch war das Gefühl schon. Du musst Dich absentieren, möchtest gerne mit den Menschen ins Gespräch kommen... und immer denkst Du "Hoffentlich holst Du Dir jetzt den Virus nicht". Dann wieder die Selbstberuhigung:" reg Dich nicht auf, Du kennst keinen Infizierten, Du passt auf und hälst Dich entfernt und selbst hast Du noch keine Symptome".
Dienst war okay, die Rückfahrt mit dem Zug nach Niebüll auch, Fähre voll. Saß einer Bekannten gegenüber, wir setzten uns ver-setzt, damit wir uns nicht direkt an-atmeten, der Tisch zwischen uns ist bestimmt weniger als ein Meter breit. Befreundete Insulaner kamen bestens gelaunt aus Hamburg.
"Super, Du kriegst überall einen Parkplatz, in den Lieblingsrestaurants musst Du nicht mehr reservieren" Upps. Und "Ach ja, nicht vorstellbar, dass wir vor 11 Tagen noch im Elsass waren".
Noch nie vorher hatte ich einen Menschen gebeten, sich wirklich einen Meter von mir weg zu stellen. Spooky, das Ganze.
Richtig sicher fühlte ich mich erst in meinem Auto über die Insel fahrend. Direkt zum Friseur... mal sehen, wie lange der neue Schnitt nun reichen muss.
Inzwischen ist die Insel seit sechs Tagen ZU - für alle, die hier ihren Zweitwohnsitz haben oder Gäste. Insulaner unter sich. Viel draußen, viel Radio hören, viel im Internet Zeitung lesen... Corona kommt mir zwar zu den Ohren raus.. aber Input muss immer noch sein.
Ich merke, dass ich in der Tagesroutine sicherer werde. Allein mit Hund bei strahlender Sonne draußen ist schon viel mehr, als Millionen von Menschen können, die wirklich Ausgangssperre haben. Ich fühle mich sicher, geborgen und privilegiert. Ich darf in einer eigenen Wohnung wohnen und bekommen monatlich meine Rente. Die ist mir sicher. Diese Sicherheit haben heute viele Amrumer nicht mehr.
Die Restaurants beginnen, die Insulaner mit Take-away-Mahlzeiten zum erfreuen. Essen ist Fun und Abwechslung und Rauskommen. Und vor allem: die keinen Unternehmen unterstützen. Wenn wir nicht ihre Pizza essen, von draußen darf jetzt keiner rein. Also:
Heute gibt es Pizza.
Und ein Pfund Zuversicht.
Und wir waren dabei.
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit
(2. Tim. 1,7) Mein Konfirmation-Spruch passt gut in diese Zeit.
Vor einer Woche, Samstag auf Sonntag, hatte ich noch einen Termin auf Sylt in meinem Ehrenamt.
Nach Rücksprache mit meinen Kollegen löschte ich alle weiteren Termine. Auf der Fähre-und später Zugfahrt kam mir die neue Welt mit Corona-Virus das erste Mal so richtig REAL entgegen. Auf unserer "Insel der Glückseligen" haben wir viel Platz, kennen einander, sind die ganze Zeit da und waren, wie alle im Lande, zuversichtlich, dass der Virus uns nichts anhaben kann.
So vielen Menschen auf einmal, wie auf der Fähre und im Zug, war ich schon seit Monaten nicht mehr begegnet. Die Insel im wohlverdienten Winterschlaf. Die Devise hieß, sich schön machen für die Saison. Auf der Fähre saß ich bewusst allein, im Zug im Abteil für die Fahrräder, wohl daran denkend, dass ich dort mindestes 1 1/2 Meter Platz um mich hatte. Komisch war das Gefühl schon. Du musst Dich absentieren, möchtest gerne mit den Menschen ins Gespräch kommen... und immer denkst Du "Hoffentlich holst Du Dir jetzt den Virus nicht". Dann wieder die Selbstberuhigung:" reg Dich nicht auf, Du kennst keinen Infizierten, Du passt auf und hälst Dich entfernt und selbst hast Du noch keine Symptome".
Dienst war okay, die Rückfahrt mit dem Zug nach Niebüll auch, Fähre voll. Saß einer Bekannten gegenüber, wir setzten uns ver-setzt, damit wir uns nicht direkt an-atmeten, der Tisch zwischen uns ist bestimmt weniger als ein Meter breit. Befreundete Insulaner kamen bestens gelaunt aus Hamburg.
"Super, Du kriegst überall einen Parkplatz, in den Lieblingsrestaurants musst Du nicht mehr reservieren" Upps. Und "Ach ja, nicht vorstellbar, dass wir vor 11 Tagen noch im Elsass waren".
Noch nie vorher hatte ich einen Menschen gebeten, sich wirklich einen Meter von mir weg zu stellen. Spooky, das Ganze.
Richtig sicher fühlte ich mich erst in meinem Auto über die Insel fahrend. Direkt zum Friseur... mal sehen, wie lange der neue Schnitt nun reichen muss.
Inzwischen ist die Insel seit sechs Tagen ZU - für alle, die hier ihren Zweitwohnsitz haben oder Gäste. Insulaner unter sich. Viel draußen, viel Radio hören, viel im Internet Zeitung lesen... Corona kommt mir zwar zu den Ohren raus.. aber Input muss immer noch sein.
Ich merke, dass ich in der Tagesroutine sicherer werde. Allein mit Hund bei strahlender Sonne draußen ist schon viel mehr, als Millionen von Menschen können, die wirklich Ausgangssperre haben. Ich fühle mich sicher, geborgen und privilegiert. Ich darf in einer eigenen Wohnung wohnen und bekommen monatlich meine Rente. Die ist mir sicher. Diese Sicherheit haben heute viele Amrumer nicht mehr.
Die Restaurants beginnen, die Insulaner mit Take-away-Mahlzeiten zum erfreuen. Essen ist Fun und Abwechslung und Rauskommen. Und vor allem: die keinen Unternehmen unterstützen. Wenn wir nicht ihre Pizza essen, von draußen darf jetzt keiner rein. Also:
Heute gibt es Pizza.
Und ein Pfund Zuversicht.
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